zur Navigation springen

Auf Föhr : Unterwegs mit Blechliesel und Bulldog

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Für die Mitglieder des Oldtimer-Clubs beginnt heute die Saison. Dann zeigen sie ihre Fahrzeuge beim Osterbasar der Arbeiterwohlfahrt.

Heute gehören dem Föhrer Oldtimer-Club 80 Mitglieder und etwa 65 bis 70 Fahrzeuge an. „Es handelt sich überwiegend um Trecker“, sagt der Vorsitzende, Christfried Jacobs, der selbst einen Deutz aus dem Baujahr 1966 fährt.

Die Oldtimer-Saison geht in der Regel von April bis Oktober, die meisten Fahrzeuge auf der Insel besitzen allerdings ein Nummernschild fürs ganze Jahr. Einige der Veteranen stehen im Winter zugedeckt in der Garage oder Scheune, andere werden trotzdem bewegt.

„Am schönsten ist es, wenn Neuschnee liegt“, sagt Jan Hansen. „Der Schnee muss ein bisschen höher liegen und dann fahre ich mit dem Bulldog hinein.“ Der 70-Jährige fährt einen Lanz Bulldog mit einem Glühkopf-Motor. „Man heizt mit dem Flammspucker den Kopf an. Wenn eine bestimmte Temperatur erreicht ist, kann man den Motor zünden.“ Hansen besitzt das 17 Stundenkilometer „schnelle“ Gefährt seit 2005.

Er hat den Trecker bei Rendsburg gekauft. „Der Vorbesitzer hatte eine große Halle mit etwa 80 Oldtimern. Überall liefen Hühner herum und saßen auf den Fahrzeugen. Aber er wollte einfach nicht verkaufen“, erinnert sich Hansen. Es habe etwa ein Jahr gedauert, bis sie sich einig wurden. Zur Geburt seines Enkels vor acht Jahren hat er diesem den Lanz vermacht. „Er ist ebenfalls Mitglied des Vereins und mit Begeisterung dabei“, so Hansen.

Der Insulaner besitzt insgesamt drei Oldtimer-Trecker. Jetzt hat er seinen Eicher Königstiger von 1952 auseinander genommen. Das Problem: „Das Getriebe leckt. Jetzt muss ich es soweit auseinander bauen, bis ich an den Dichtungsring herankomme, der ausgewechselt werden muss“, erklärt Hansen. Noch hat er keine passende Betriebsanleitung gefunden, wie er den Trecker weiter zerlegen kann. Aber er hofft, im Internet fündig zu werden.

Mit den Arbeiten hat er jetzt erst begonnen. „Im Winter war es zu kalt in der Halle“, so Hansen. Ansonsten werden die kälteren Monate für die Wartung genutzt oder die Fahrzeuge geputzt. „Manche sind aber auch noch in Betrieb“, sagt Jacobs. „Wir pflügen sehr gerne, wenn wir Landwirte finden, die uns ranlassen.“

Jacobs kaufte vor sechs Jahren seinen grasgrünen Deutz. „Wir hatten früher zuhause auch immer einen. Deswegen wollte ich unbedingt einen Deutz haben“, erklärt er. Sein Schwiegersohn half ihm, diesen wieder zurecht zumachen. Auf dessen Hof kommt der Trecker auch immer noch zum Einsatz. „Bei den Pferden, Heu machen und gerne auch beim Pflügen“, so Jacobs.

Er erinnert sich an einen Ausflug nach Bredstedt: „Ich hatte plötzlich keinen Diesel mehr und musste abgeschleppt werden.“ Die Trecker haben keine Anzeige, wie viel Kraftstoff noch im Tank ist. Mit einem Peilstab kann man den Stand nur ungefähr nachmessen.

Oluf Lange fährt keinen Trecker. Er ist Ford-Liebhaber. Der 66-Jährige besitzt gleich drei davon. Einer davon ist Tin Lizzy. „Auf deutsch Blechliesel“, erklärt Lange. „Der Wagen ist von 1926. Ich habe ihn vor zwei Jahren in Litauen gekauft.“ Der andere Ford T ist sogar noch von 1912 und von Hand gemacht. Erst ab 1914 wurden die Ford-Modell am Fließband gefertigt. Seine anderen beiden Fahrzeuge sind aber noch im Winterschlaf.

„Mit den Oldtimern gibt es immer wieder Überraschungen. Die Hinterachse ist mir schon auseinandergebrochen“, sagt Lange. „Irgendwas ist immer.“

Gewöhnungsbedürftig sind auch manche Eigenschaften der alten Autos. Lange muss beispielsweise mit Handbremse und Kupplung schalten. Und die Scheibenwischer werden mit der Hand betätigt.

Seine Blechliesel hat zudem vorne keine Bremsen. „Das muss man den Leuten beim TÜV erstmal erklären“, sagt der Ford-Besitzer. „Das Historische wollen sie zwar auch erhalten, aber manche Dinge sind Vorschrift wie Blinker oder eine funktionierende Lichtanlage.“

Über den Wert der Fahrzeuge wollen die Oldtimer-Liebhaber nicht sprechen. „Dieser Trecker ist im Krieg unterwegs gewesen. Ersatzteile gibt es kaum mehr. Und wer noch welche hat, der weiß, was sie wert sind“, sagt Hansen. Das sei auch das Kostspielige.

Obwohl viele Fahrzeuge auch im Winter bewegt werden, so richtig geht es mit der Saison am Osterwochenende los. Heute, am Ostersonnabend, treffen sich die Oldtimer-Freunde mit ihren Fahrzeugen ab 13 Uhr beim Basar der Arbeiterwohlfahrt in der Linge. Dort können die besonderen Exemplare dann bestaunt werden.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Apr.2017 | 11:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen