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Insel-Bote

09. Dezember 2016 | 10:51 Uhr

Konzert in Wyk : Tolle Stimung nach schwachem Start

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Blues- und Boogie-Woogie-Pianist Jo Bohnsack spielte sich im Kurgartensaal in die Herzen der Besucher.

Die Finger flitzen über die Tasten, dass das Publikum begeistert ist, der rechte Fuß stampft den Takt auf den Boden, dass man Angst um die Bühne hat, und Jo Bohnsack sitzt auf seinem Klavierhocker, als wolle er jeden Augenblick aufspringen und tanzen. Der Pianist war zwar mit seinem Steinway-Flügel allein auf der Bühne des Kurgartensaals, bot aber dennoch höchste Unterhaltung.

Seine Klavierkünste sind weitgehend bekannt. Egal ob ein langsamer, gefühlvoller Blues oder ein rasanter und temperamentvoller Boogie-Woogie, auf höchstem Niveau versetzt der gebürtige Sylter den Saal in eine Stimmung, die fast unbeschreiblich ist.

Dabei schien es zu Beginn so, als seien die Konzertbesucher nicht wirklich angetan. Nur zögerlich wurde mitgeklatscht und Versuche des Pianisten, das Publikum anzuregen, scheiterten ein ums andere Mal erfolglos. Dabei betonte Jo Bohnsack immer wieder: „Lasst mich reinkommen, ich brauch die Stimmung.“

Erst nach der Pause, die nicht nur von dem Künstler für ein Bier und eine Zigarette genutzt wurde, kam Leben in die Hände der Piano-Fans. Unbestrittener Höhepunkt war die ganz eigene Jo-Bohnsack-Interpretation des Ray-Charles-Hits „Hit the road Jack“, bei dem nicht nur die ersten Reihen mitsangen, sondern der gesamte Saal im Takt mitklatschte. Und auch mit anderen, weit weniger bekannten Stücken wusste der Virtuose zu begeistern. Mit seiner rauchigen Nordseestimme hauchte er ab und zu eine „Yeah“ ins Mikrofon und trat immer wieder in den Dialog mit den Zuhörern.

Am Ende des Konzertes, gab es noch eine Zugabe der besonderen Art: Statt Boogie-Woogies und Blues, die den gesamten Abend auf so typische Bohnsack-Art dominiert hatten, gab er das C-Dur-Präludium von Johann Sebastian Bach zum Besten und unterstrich damit einmal mehr seine künstlerische Klasse.

Bereits seit fast 40 Jahren gibt der in Hamburg lebende Musiker Konzerte; seine Examensarbeit schrieb er als erster Deutscher über den Boogie-Woogie in Amerika. Heute ist er einer der bekanntesten deutschen Klavierkünstler und tourt mit teils international bekannten Künstlern durch die Welt. Seine Musik beschreibt er dabei als Stimmungsbalance: „Wenn es mir mal nicht so gut geht, spiele ich einen langsamen Blues, dann passt das wieder.“

In dieser Hinsicht war es ein ausgeglichener Abend, denn Blues und Boogie-Woogie standen gleichermaßen im Vordergrund. Und egal, welche der beiden Stilrichtungen man bevorzugt, das Ruhige oder das Schnelle, Jo Bohnsack beherrscht sie alle auf beeindruckende Weise.

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erstellt am 08.Jul.2016 | 08:30 Uhr

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