zur Navigation springen

Insel-Bote

24. Mai 2016 | 17:41 Uhr

Am Wyker Strand : Stammgast kommt zum Arbeiten

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Seit zehn Jahren sorgt die Rettungsschwimmerin Alina Schmale in ihrem Urlaub dafür, dass das Baden für andere Urlauber sicherer wird. Dafür wurde sie vom Hafenbetrieb geehrt.

Zurzeit können die Rettungsschwimmer an den Inselstränden es eher ruhig angehen lassen. Bei diesem vorgezogenen Herbstwetter wagen sich nur noch Hartgesottene ins Wasser. Doch die Freiwilligen der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), die in ihrem eigenen Urlaub dazu beitragen, das Baden für andere Urlauber sicherer zu machen, kennen auch hektische Zeiten, heiße Sommertage, an denen sich die Badegäste zu hunderten an den Stränden und im Wasser tummeln, verarztet werden wollen, weil sie in Muschelschalen getreten sind oder zu viel Sonne abbekommen haben, oder aus dem Wasser gerettet werden müssen, weil sie ihre eigenen Fähigkeiten über- und die Tücken der Nordsee unterschätzt haben.

Ein anspruchsvoller Job, den trotzdem viele DLRG-Mitglieder jedes Jahr aufs neue gerne machen. So wie Alina Schmale. Die 29-Jährige hat jetzt zum zehnten Mal zwei Sommerwochen Dienst am Wyker Strand getan. Anlass für den Hafenbetrieb, die Rettungsschwimmerin mit einer Urkunde auszuzeichnen. „Stellvertretend für alle, die schon seit vielen Jahren kommen“, wehrt die die Ehrung bescheiden ab.

Denn tatsächlich, so berichtet Schmale, kommen viele Rettungsschwimmer Jahr für Jahr auf die Insel, so sei auch ihre Gruppe „ein eingeschworenes Trüppchen, das zum Teil schon seit sieben Jahren zusammen hier ist“.

Hier – das bedeutet arbeiten am Wyker Strand und wohnen im Hafenbetriebsgebäude, das für die Rettungsschwimmer für die Zeit ihres Stranddienstes in Wyk zur WG wird. Eine Wohngemeinschaft, in der jeder seine Aufgaben und Pflichten übernimmt. „Wir sind im Lauf der Jahre schon fast eine Familie geworden“, beschreibt Alina Schmale den Zusammenhalt unter ihren Kollegen, die trotz der langen Arbeitstage am Strand viel Spaß miteinander haben.

Um 10 Uhr beginnt der Dienst auf den Wachtürmen am Strand. Für die DLRG-Leute heißt das Wecken um 7.30 Uhr. „An manchen Tagen, wenn man nicht so gut aus dem Bett kommt, fragt an sich schon, warum man das macht“, meint Alina Schmale. Um 8 Uhr wird gemeinsam gefrühstückt und der Dienst für den Tag eingeteilt. Dann stehen für die erfahrenen Rettungsschwimmer erst mal 45 Minuten Schulung an, in denen sie ihr Wissen um Wasserrettung und Erste Hilfe auffrischen und vertiefen. Bis 18 Uhr dauert anschließend ihr Wachdienst. Feierabend ist danach oft immer noch nicht, denn auch Schwimmtrainig und Übungen mit dem DLRG-Schlauchboot müssen absolviert werden. Trotzdem, für Schmale und ihre Kollegen ist der Insel-Einsatz Arbeit und Urlaub zugleich. „Wir haben viel Spaß miteinander, unternehmen abends etwas gemeinsam, kochen zusammen oder spielen Volleyball.“

Zur DLRG kam Alina Schmale bereits als siebenjähriges Kind. Das war in ihre Heimatstadt Essen. Sie blieb dabei, machte Kurs auf Kurs und hatte als Jugendliche ihren ersten Einsatz am Essener Baldeneysee. Eigentlich hatte sie dort bloß mal in die Arbeit der Retter hineinschnuppern wollen, doch als ein Boot kenterte, wurde sie buchstäblich ins kalte Wasser geworfen und half bei der Bergung der Segler.

„Ja, und dann lief mir mein Mann über die Füße, der war schon mal in Wyk und fand das cool“, erzählt sie, wie sie vor zehn Jahren zum ersten Mal auf die Insel kam. Und auf Föhr seither unzählige Einsätze hatte. Die meisten waren medizinische Notfälle, Routine für die gelernte Intensiv-Krankenschwester. Doch an eine Geschichte kann sie sich erinnern, die sie noch heute sichtlich aufregt. Vor ein paar Jahren, so berichtet Alina Schmale, lief ein vielleicht sechsjähriger Junge über den Sandwall, suchte verzweifelt seine Eltern. Die Rettungsschwimmer nahmen sich seiner an, das Kind konnte sogar genau sagen wo es wohnte und hatte die Handynummer der Eltern im Kopf. Doch die blieben viele Stunden unauffindbar. „Wir haben das Kind abends dann mit zu uns genommen und bespaßt, während die Polizei nach den Eltern suchte“, berichtet Schmale. Angeblich, so hat sie nachher gehört, hatten die sich einen schönen Tag auf Amrum gemacht und ihr Kind sich selbst überlassen.

Doch auch lustige Erlebnisse hatte sie am Wyker Strand. So erst kürzlich, als sie vor Olhörn einen Schwimmer sah, der auf sie den Eindruck machte, nicht gegen die starke Strömung, die in diesem Bereich herrscht, anzukommen. Als die Rettungsschwimmerin zu dem Badegast hinauseilte, stellte der sich lachend auf die Füße – notfalls hätte er nach Hause laufen können. Durch die Stürme des letzten Winters hatten sich nämlich die Verhältnisse vor Olhörn geändert. Wo in früheren Jahren schon tiefes Wasser war, ist der Strand jetzt flach geworden.

Trotzdem – die Strömung wird von Badegästen immer wieder unterschätzt. „Auch auf Föhr gibt es Strömungen, die man nicht sieht“, warnt Schmale. „Ich würde mir wünschen, dass die Eltern besser auf ihre Kinder aufpassen. Wenn die bei ablandigem Wind auf Luftmatratzen abtreiben, haben sie keine Chance, dann werden sie gleich ins Fahrwasser gezogen.“ Dann wird es auch für die Retter schwierig, auch wenn die dank regelmäßigen Trainings und diverser Hilfsmittel besser vorankommen als „normale“ Schwimmer.

Inzwischen hat Alina Schmale auch außerhalb der Föhrer Einsatzwochen die Nordsee direkt vor der Haustür. Vor drei Jahren ist sie mit ihrem Mann vom Ruhrgebiet nach Dithmarschen gezogen, studiert in Heide Wirtschaftspsychologie. Dienst am Föhrer Strand will sie trotzdem weiterhin machen. „Ich komme wieder, jedes Jahr“, verspricht sie.

zur Startseite

von
erstellt am 22.Aug.2014 | 11:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen