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Insel-Bote

05. Dezember 2016 | 11:40 Uhr

Inselhelden auf Föhr : Sehstücke der Küste

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Sieben Jahre „Museum Kunst der Westküste“ – eine Liebeserklärung von Wolfram Kiwit an ein Haus, das die Insel schmückt.

Dieses Museum atmet die Insel. Und die Kunst. Es ist ein Ort der Überraschungen. Mitten in Alkersum, in einem Dörflein mit rund 400 Einwohnern steht ein Gebäude- und Garten-Ensemble, das große Kunst auf dieser kleinen Insel birgt. Wären da nicht Fähren und Gezeiten, das „Museum Kunst der Westküste“ wäre sicher regelmäßig Pilgerstätte aller Kunstfreunde der Republik. Doch die Insellage schafft Distanz – und so müssen wir Inselneulinge dieses Haus erst entdecken.

Meine Entdeckung beginnt mit einem Skizzenblock und einem blauen Stift. Gemeinsam mit acht Kursteilnehmern auf dem Boden sitzend folge ich den Erläuterungen von Museumspädagogin Sylvia Haumersen (49). Maxi, Felix, Emma, Lilli, Paula, Flora, Tim oder Sven steht auf den Skizzenblöcken. Bei mir Wolfram. Es ist ein Workshop für Kinder. Ich bin Gast. Wir gucken uns eine Skizze von Max Liebermann (1847-1935) an. „Badende Knaben“, gezeichnet in Holland 1909. „Traut ihr euch, einen Menschen zu malen?“, fragt Sylvia. Emma (6) aus Wien entscheidet sich lieber für ein Schiff. Wir trauen uns. Und gewinnen Respekt vor dem einfachen, genialen Strich. Das Ergebnis meiner Liebermann-Bemühungen sehen Sie rechts.


Bilder – scheinbar mühelos und doch unerreichbar


Auf der anderen Seite des klimatisierten, gedämpften, hohen Raumes, hängen Liebermanns beeindruckende Strandbilder, die er nach seinen Skizzen in Berlin pastos und scheinbar dahingeworfen in Öl gemalt hat. Die aktuelle Ausstellung „Max Liebermann und Zeitgenossen“ zeigt eine Werkauswahl des Museums. Die Sammlung umfasst rund 680 Werke, vornehmlich Gemälde und Grafiken, die zwischen 1830 und 1930 in den Nordseeanrainerstaaten Niederlande, Dänemark, Norwegen und Deutschland entstanden sind. Sammlung und Museum sind das Werk eines Stifters. Ohne den Unternehmer Prof. Frederik Paulsen, dessen Familie Wurzeln in Alkersum hat, gäbe es diesen Insel-Leuchtturm kreativen Schaffens nicht. Rund 13 Millionen Euro hat der mehrteilige Gebäudekomplex an Grethjens Gasthof gekostet. Morgen feiert das Museum seinen 7. Geburtstag. Das Leben am und mit dem Meer ist das beherrschende Thema dieses Hauses. Sehstücke der Küste. Und das nicht nur durch die Präsentationen der eigenen Sammlung, sondern durch mehrere Ausstellungen im Jahr, bei denen Direktorin Prof. Ulrike Wolff-Thomsen und ihr Team aktuelle Künstlerinnen und Künstler einladen, sich mit Küsten-Themen und Küsten-Menschen auseinander zu setzen. Eine Künstlerwohnung gehört zum Gebäudekomplex und Konzept. Aktuell zeigt das Museum umwerfende Fotografien von Mila Teshaieva, einer ukrainische Künstlerin, die in Berlin lebt. Als „Artist-in-Residence“ entwickelte sie mit Bewohnern der Insel die Fotoserie „Die Insel“. Dunkel und tief blickend. Aber gucken Sie selbst. Und schauen Sie sich unbedingt auch die Meeres- und Grasbilder des aus Husum stammenden Malers Jochen Hein an.

Sylvia lobte am Ende die Kinder. Auch mich. Für eine Einladung in die Künstlerwohnung reicht es aber nicht.                      

 

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erstellt am 20.Jul.2016 | 11:50 Uhr

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