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Insel-Bote

03. Dezember 2016 | 16:42 Uhr

Mädchen für alles und wichtige Unterstützung : Schwerer Start in ein normales Leben

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

113 Flüchtlinge leben derzeit auf Föhr und Amrum. Um sie kümmert sich Hafedh Ben Mansour als hauptamtlicher Flüchtlingsbetreuer.

Er ist Deutscher mit tunesischer Abstammung, ist studierter Politologe und Sprachwissenschaftler und hat in Hannover lange Jahre mit Migranten im sozialen und kulturellen Bereich gearbeitet. Seit Januar dieses Jahres ist Hafedh Ben Mansour, der seit 1988 in Deutschland lebt, als hauptamtlicher Flüchtlingsbeauftragter für das Amt Föhr-Amrum im Einsatz.

113 Flüchtlinge leben derzeit in seinem Einzugsgebiet, 16 von ihnen auf Amrum. Eine schwankende Zahl, da neue Familien kommen und andere die Inseln wieder verlassen wollen oder müssen. Seit einiger Zeit aber seien die Zahlen stabil und die Situation entspannt, berichtet der sechsfache Vater. Gut für alle Beteiligten: Nachdem lange Zeit die Suche nach Unterkünften viele Kräfte bündelte, kann nun die Integration stärker in den Fokus rücken. Die hauptsächlich durch Sprache und Beruf erfolgen müsse, lautet das Credo Ben Mansours. So ist die Anmeldung zu einem Sprachkurs obligatorisch. Der die Grundlage für die Neu-Insulaner schafft, mit den unterschiedlichen Situationen des Alltags in einem für sie fremden Land klarzukommen.

Dass die Flüchtlinge von den Einheimischen gut angenommen werden, betont der 55-Jährige ausdrücklich. Die eine wichtige Rolle spielen, denn in der ersten Phase erfolgt die Betreuung durch deutsche Familien oder Freunde. Die allesamt ehrenamtlich tätig sind, Kinder zur Schule oder Familien zum Arzt begleiten und bei der die Anmeldung in Kindergärten oder Schulen behilflich sind. Lob auch für die insularen Arbeitgeber, von deren Seite viele Arbeitsangebote kämen, die je nach Vorbildung Ausbildungen oder Praktika ermöglichen.

Von der Ankunft bis zur Anerkennung oder Abschiebung: Wie Marco Christiansen vom Amt Föhr-Amrum ist Hafedh Ben Mansour immer dabei. Ausweis und Gesundheitskarten müssen besorgt und ein Konto eröffnet werden, Arztbesuche stehen an und vor allem die Wohnungssuche. Das Gros der Flüchtlinge kommt aus Syrien, Afghanistan, Irak und Syrien und ein wichtiger Part ist das Dolmetschen. Lediglich bei den Afghanen, deren Muttersprache Farsi ist, sei er auf Unterstützung angewiesen. Die leistet Karin Faltings vom Verein „Flüchtlingshilfe Föhr-Amrum“, die elf Jahre im Iran lebte und fließend Farsi spricht. Ansonsten sei die Verständigung kein Problem, so Ben Mansour, der neben seiner Muttersprache Arabisch Deutsch, Englisch und Französisch spricht. Ohnehin werde mit der Zeit immer mehr auf Deutsch kommuniziert. „Nur in wichtigen Dingen, die Papiere oder berufliche Fragen betreffen, reden wir teilweise in der jeweiligen Muttersprache.“

Die Aktivitäten sind vielfach und richten sich häufig an Familien, der größten Gruppe unter den Flüchtlingen, aber auch an bedürftige Einheimische, betont Hafedh Ben Mansour. Außerordentlich gut angenommen würden das wöchentliche internationale Fußballspielen mit Michael Lorenzen und das regelmäßige Schwimmtraining, das vom Föhrer Ortsverein der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft angeboten wird. Zudem wurde ein Schrebergarten organisiert, in einer Fahrrad-Werkstatt werden defekte Zweiräder wieder instand gesetzt und an einer Zeitung mit dem Titel „Refugee creative“ wird derzeit gearbeitet. Ein Magazin, in dem die Flüchtlinge über ihre Möglichkeiten informiert und mit eigenen Erfahrungen und Meinungen zu Wort kommen sollen. Ebenfalls in der Entwicklung ist ein Computerkurs. Gebrauchte Rechner wurden angeschafft und ein amerikanisches Unternehmen kontaktiert. Deren Kerngeschäft ist die Internet-Programmierung und hier soll ein Kurs für die Flüchtlinge auf den Weg gebracht werden.

Sie könnten also zur Ruhe kommen, doch diese hat Nebenwirkungen: Die traumatischen Erlebnisse, die viele der Geflüchteten durchlebt haben, werden nach und nach reflektiert und verarbeitet. Darüber zu reden, falle in der Regel schwer. Hier sei nicht selten eine psychotherapeutische Begleitung wichtig, so der Flüchtlingsbetreuer, aber auch Arbeit und jede Form von Freizeitaktivität, um die Gedanken in andere Bahnen zu lenken. Das jahrelange Leben in der Diktatur wirke nach, weiß der 55-Jährige. So sei das Misstrauen gegenüber Behörden und Menschen in Uniform groß und viele der Flüchtlinge trauten sich nicht allein auf die Straße. Zu tief säßen die Kriegserlebnisse und das ständige Leben in der Furcht vor Bombenangriffen oder Übergriffen. Wobei die meist jungen Menschen auf den Inseln alles haben, was sie zum Leben brauchen, betont Hafedh Ben Mansour: „Jeder hat seine Wohnung, alles, was er braucht, und ist in seinem sozialen Leben aktiv.“

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erstellt am 01.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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