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Insel-Bote

11. Dezember 2016 | 11:03 Uhr

Auf dem Wyker Rathausplatz : Schweigen dauert nur eine Minute

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Insulaner gaben sich am Jahrestag der Kreißsaal-Schließung kämpferisch. Eine Herausgabe des Gutachtens soll per Klage erzwungen werden.

„Wir werden weitermachen. Wir werden den Kreißsaal wieder aufmachen. Wir werden es in irgendeiner Form hinkriegen, dass Kinder wieder hier geboren werden. Denn  das Kinderkriegen auf Föhr ist keine Gefahr. Eine Gefahr ist, dass wir dazu wegmüssen“.  Kämpferische Worte, die Jasmine Nissen von der Initiative Inselgeburt Föhr-Amrum  am Sonnabend  auf dem Wyker Rathausplatz sprach und auf die mehr als 100 Menschen applaudierten.

Die Initiative hatte zum ersten Jahrestag der Schließung des Kreißsaals im Wyker Krankenhaus zu einer Kundgebung aufgerufen und es war ihr erneut gelungen, viele Insulaner aller Generationen zu mobilisieren – und das, so berichtete Nissen glücklich, obwohl etliche  ihrer Mitstreiter derzeit im Urlaub seien.  

Ein Gongschlag ertönte, und dann wurde es ganz still auf dem Platz, auf dem  bis dahin noch das geschäftige Treiben des Wyker Bauernmarktes geherrscht hatte. Nicht nur die Demonstranten, auch die  Marktbeschicker, die gerade damit begonnen hatten, ihre Stände abzubauen, hielten inne,  um mit einer Schweigeminute an all die Föhrer und Amrumer Kinder zu denken, die in den zurückliegenden zwölf Monaten  geboren wurden – weit weg von ihren Heimatinseln und ihren Familien und teilweise unter dramatischen Umständen.

Davon berichtete wieder  die große Tafel, die bereits am Aktionstag im Juli   für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, und die am Sonnabend, ergänzt um die Namen weiterer Kinder, wieder aufgestellt worden war. 50 Namen  waren dort zu lesen, 50 Namen, mit denen – so betonte Nissen – die Tafel allerdings noch nicht vollständig sei.   Sechs schwangere Frauen mussten, so steht es auf der Tafel,  seit dem 1. Oktober 2015  mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden, drei  wurden mit einem Rettungswagen zum Festland transportiert. Und  13 dieser 50 Kinder  wurden nicht auf natürlichem Wege geboren, sondern per Kaiserschnitt geholt, zwei Mal war sogar ein Notkaiserschnitt nötig.

   Thema waren an diesem Jahrestag aber nicht nur die Föhrer und Amrumer  Babys der zurückliegenden zwölf Monate, Thema war auch das Gutachten, mit dem die Schließung der Wyker Geburtshilfestation begründet wurde und dessen Veröffentlichung  der Kreis bis heute verweigert. An die Kundgebungsteilnehmer wurden Vordrucke für Briefe an Landrat Dieter Harrsen verteilt, in denen   – unter Bezugnahme auf das schleswig-holsteinische Informationszugangsgesetz – Einblick in dieses Gutachten verlangt wird.  „Sollten Sie meinem Antrag nicht binnen eines Monats entsprechen, bitte ich um einen widerspruchsfähigen Bescheid“, endet das Schreiben,  das, so hoffen die Mitglieder der Initiative Inselgeburt,  viele Insulaner an Harrsen abschicken. Denn, so Nissen, „jeder dieser Briefe  ist ein Verwaltungsvorgang. Die müssen darauf antworten und wir können sie damit richtig ärgern“. 

Nicht nur mit dem Brief, dessen Vordruck, so Nissen, auch auf der  Facebookseite der Initiative heruntergeladen werden kann, soll die Herausgabe des Gutachtens verlangt werden.   Die Initiative will außerdem den Klageweg beschreiten. Sarah Jensen habe sich bereiterklärt, den Kreis zu verklagen, verkündete Jasmine  Nissen am Sonnabend auf dem Rathausplatz.

Während dort die Stände des  Wochenmarktes abgebaut wurden und  sich am Rande eine Hochzeitsgesllschaft versammelte, um  einem Brautpaar zu gratulieren, das oben im Amtsgebäude getraut worden war, blieben die Demonstranten noch lange stehen, diskutierten, informierten  vorbeikommende Touristen über ihr Anliegen und erhielten viele Solidaritätsadressen.

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erstellt am 01.Okt.2016 | 13:16 Uhr

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