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Insel-Bote

24. März 2017 | 19:07 Uhr

In Alkersum : Schroffe Inseln, sinnliches St. Pauli

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Das Museum Kunst der Westküste zeigt in diesem Jahr sechs Ausstellungen. Saisonstart ist am Wochenende.

Worpswede zum Zweiten: Nach der Modersohn-Schau im Jahr 2014 widmet das Museum Kunst der Westküste jetzt wieder einem Malerpaar aus der Künstlerkolonie bei Bremen eine Ausstellung. Fritz Overbeck und Hermine Overbeck-Rohte sind es dieses Mal, und genau wie vor drei Jahren bei den Modersohns werden Insel-Bilder gezeigt. Doch anders als Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker, die einen gemeinsamen Amrum-Urlaub ganz unterschiedlich künstlerisch verarbeitet hatten, waren die Overbecks nie zusammen in Nordfriesland. Fritz Overbeck kam 1903, 1904 und 1907 zu Malaufenthalten nach Sylt. Hermine Overbeck-Rohte verbrachte mit ihren Kindern den Winter 1910/11 auf Föhr, um sich im Nordseesanatorium von Dr. Gmelin am Wyker Südstrand von ihrer Tuberkulose-Erkrankung zu erholen, und reiste im Jahr darauf nach Sylt – es waren äußerst produktive Erholungsurlaube.

Trotz der zweiten Worpswede-Ausstellung innerhalb von drei Jahren soll die Künstlerkolonie nicht zu einem MKDW-Schwerpunktthema werden. „Das hat sich eher zufällig ergeben“, so die Direktorin des Föhrer Kunstmuseums, Ulrike Wolff-Thomsen, bei der Präsentation des Jahresprogrammes 2017. „Ich habe mich immer mit Künstlerinnen und Künstler-Paar-Konstellationen beschäftigt“, so Wolff-Thomsen, „da spielen die beiden eine interessante Rolle“.

In Zusammenarbeit mit dem Bremer Overbeck-Museum präsentiert das MKDW ab dem kommenden Sonntag, 5. März, 70 Arbeiten der beiden Overbecks. Gleichzeitig werden am Sonntag noch zwei weitere der insgesamt sechs Ausstellungen des Jahres 2017 eröffnet.

Dabei steht noch eine weitere Künstlerkolonie im Mittelpunkt: Die von Skagen, dem Fischerdorf an der dänischen Nordspitze, dessen unvergleichlich klares Licht Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Künstler anzog. Bilder von Skagen-Malern wie Peder Severin Krøyer, Anna und Michael Ancher oder Viggo Johansen nehmen in der Sammlung des MKDW einen breiten Raum ein. In der aktuellen Ausstellung werden nun 40 dieser Werke zeitgenössischen Positionen zum Thema Skagen gegenübergestellt – Arbeiten der Dänen Joakim Eskildsen und Ulrik Møller sowie der deutschen Malerin Birgit Fischötter.

Dritter im Bunde der 2017-er Eröffnungsausstellungen ist der 2010 verstorbene Hamburger Fotograf Herbert Dombrowski. „Schicht und Striptease“ ist die Schau überschrieben, in der Dombrowskis Schwarz-Weiß-Bilder das Altona und St. Pauli der 1950-er Jahre noch einmal lebendig werden lassen.

Während die Overbeck-Ausstellung bis in den September gezeigt wird, werden die Skagen-Bilder und Dombrowskis Fotos bereits im Juni abgehängt. „Pure Nature Art – Naturmaterialien in der zeitgenössischen Kunst“ lautet dann das Thema. MKDW-Volontärin Katrin Hippel hat für „ihre“ Ausstellung sechs internationale Positionen ausgesucht – Arbeiten von Künstlern, die sich mit der Formen- und Farbenvielfalt in der Natur auseinandergesetzt haben. Gezeigt werden über 20 Installationen, Objekte, Wandarbeiten und Skulpturen aus Materialien wie Muscheln, Blättern, Kork und sogar Pusteblumen.

Außerdem werden ab dem 25. Juni Werke des westfriesischen Künstlers Jopie Huisman (1922–2000) ausgestellt, der in seiner Heimat eine Malerlegende ist und außerhalb der Niederlande erstmals gezeigt wird. Der Autodidakt Huismann, im Brotberuf Lumpen- und Altmetallhändler, hat in realistischen, anrührenden Gemälden und Zeichnungen das einfache Leben dargestellt.

Beide Ausstellungen dauern bis zur Winterpause, die am 8. Januar 2018 beginnt, ebenso wie die Schau, die am 17. September die Overbeck-Ausstellung ablösen wird: „Reload! Tracht – Kunst – Mode“ zeigt nicht nur, wie sich Künstler im 19., 20. und 21. Jahrhundert dem Thema Tracht angenähert haben, sondern auch, wie traditionelle Trachten immer auch von Modeströmungen beeinflusst wurden und ihrerseits die Mode beeinflusst haben. Präsentiert werden unter anderem Arbeiten von Otto Heinrich Engel, Johan Julius Exner, Hans Peter Feddersen, Trine Søndergaard, Mila Teshaieva sowie von Absolventen der Studiengänge Modedesign und Fotografie der Hochschule Hannover.

„Wir haben lauter innovative Projekte, die man so noch nie gesehen hat und gehen mit großem Elan in das Ausstellungsjahr 2017“, so Ulrike Wolff-Thomsen. Ein Elan, der sicher auch von den Erfolgen des vergangenen Jahres beflügelt wird. Denn 2016, so berichtet die MKDW-Chefin, „war ein ungeheuer erfolgreiches Jahr und wir hatten auf alle Ausstellungen eine ungeheuer positive Resonanz“. 42  000 Besucher und damit zehn Prozent mehr als im Jahr davor, hatte das MKDW 2016. Das 2009 eröffnete Haus, das auf der kleinen Nordseeinsel große Kunst zeigt, hat sich inzwischen fest in der schleswig-holsteinischen Museumslandschaft etabliert.

Ab Sonntag, 5. März, ist das MKDW wieder täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die neuen Ausstellungen werden bereits am Sonnabend, 4. März, um 17.30 Uhr mit einer öffentlichen Vernissage eröffnet. Am Sonntag um 13.30 Uhr gibt es eine Führung durch die Skagen-Ausstellung mit der Künstlerin Birgit Fischötter.


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erstellt am 02.Mär.2017 | 13:35 Uhr

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