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Insel-Bote

05. Dezember 2016 | 03:29 Uhr

Föhr früher : Reger Handel mit dem Rheinland

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Grabungen in Witsum geben neue Aufschlüsse über das Leben der Insulaner im neunten bis elften Jahrhundert. An der Godel gab es sogar einen Hafen.

Bereits bei früheren Ausgrabungen hatte der Archäologe Bente Majchczack die Vermutung aufgestellt, man müsse auf Föhr nur irgendwo graben, zu finden sei immer etwas. Die nun dritte Ausgrabung auf Föhr des deutschlandweiten Projektes „Hafenplätze und Hafenanlagen von der Römisches Kaiserzeit bis zum Mittelalter“ führte Ausgrabungsleiter Majchczack vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung nun wieder auf seine Geburtsinsel. Mit seinem Kollegen Karl Johann Offermann, dem Grabungstechniker Jens Lühmann und fünf Studenten hat er in der Gemeinde Witsum, unweit der Godel, eine ganze Siedlung bestätigen können, die aufgrund einer früheren Georadar-Untersuchung dort bereits vermutet wurde. Die dorfartige Struktur stamme aus der Zeit des 9. bis Mitte des 11. Jahrhunderts, erläutert Majchczack, der Hinweise für drei Grubenhäuser, ein Langhaus und einen Brunnen dort freilegen konnte.

„Wir suchen gezielt nach Siedlungsstrukturen und wollen diese besser verstehen“, so der junge Forscher, der auf die Grubenhäuser und auf die in ihnen befindlichen Webstühle hinweist. Für Majchczack sind sie ein klares Indiz, dass der Tuchhandel sehr bedeutend gewesen sein muss. Andere Untersuchungen bestätigten, dass die ersten Friesen bekannt waren für dieses Handwerk. „Und sie lebten nicht auf einer einsamen Insel“, versichert der Archäologe, denn weitere Funde wie Glasperlen und -scherben seien Importe aus dem Rheinland. Auch die Mühlensteine aus der Eifel gäben Zeugnis von einem regen Handel.

„Alles ist auf die See ausgerichtet“, versichert Majchczack und ergänzt, dass man sich eine feuchte Landschaft mit vielen kleinen Prielen vorstellen müsse, auf der Vieh weiden konnte, die aber auch die Möglichkeit bot, über den Seeweg mit anderen Kontakt zu halten und Handel zu treiben. Sehr sicher vermutet werde auch ein Verkehrsweg zur Wallanlage der Borgsumer Burg.

Noch bis Ende September laufen die Ausgrabungen, die sich noch weiter Richtung Westen erstrecken werden. Dort, zwischen Geestrand und Godel, haben sich im Georadar weitere Strukturen dargestellt, die wahrscheinlich auf eine Hafenanlage hinweisen. Allerdings müsse man eher an einen tideabhängigen Naturhafen denken, so Majchczack. In dieser Gegend sei auch ein Langhaus zu finden, das sogar aus der römischen Kaiserzeit (2. bis 3. Jh. n Chr.) stamme. Dem Ausgrabungsteam wird sich dann auch ein Geoarchäologe anschließen, der sich mit der Geologie der Marsch beschäftigen und der Frage nachgehen will, wie sie im Detail entstanden ist.

Und auch für das nächste Jahr kündigt Majchczack bereits weitere Ausgrabungen an und freut sich auf alte Siedlungsstrukturen in Goting.

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