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Insel-Bote

06. Dezember 2016 | 11:24 Uhr

Der Erste Weltkrieg : Opfer einer verlustreichen Schlacht

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Hugo Heymann fiel 1916 an der Somme. 1,5 Millionen Granaten in sieben Tagen von den Briten verschossen.

Nach Reinhardt Nissen und Johann Graßmann fiel mit dem 1892 geborenen Hugo Heymann am 4. September 1916 wieder ein junger Föhrer aus dem Kirchspiel St. Nicolai in der Schlacht an der Somme. Die Männer kämpften in der verlustreichsten Schlacht des Ersten Weltkriegs. So verschossen die Briten in sieben Tagen 1,5 Millionen Granaten, um die gegnerischen Stellungen zu zerstören und die Soldaten zu demoralisieren. Der Lärm war unvorstellbar und er hörte tagelang nicht auf. „Wir sind nichts als Ohr, als angespanntes Trommelfell“, notierte ein Soldat. Vom 1. Juli bis zum Abbruch der Schlacht am 18. November, die in Matsch, Schlamm und Frost zum Stillstand gekommen war, waren über eine Million Tote und Verwundete auf deutscher und englischer Seite zu beklagen. Das Ergebnis: Die Front war um zwölf Kilometer nach Nordosten verrückt worden. Dazu ein Soldat: „Das ist kein Krieg mehr, sondern organisierter Massenmord.“

In dieser Hölle kämpft und stirbt Hugo Heymann. Er ist der Enkel von Konsul Levi Heymann aus der Großen Straße 35, dem Föhrer Vertreter des Schiffsversicherers Lloyds/London. Heymanns Schiffe bringen aus eigenen englischen Gruben Kohlen nach Föhr, fahren um Kap Horn und sind im Mittelmeer unterwegs. Hugo ist nicht das erste Opfer des Kriegs in der Familie Heymann. Seine Cousinen Caroline und Hanne Heymann verloren kurz nach ihrer Heirat 1914 ihre Männer an der Westfront.

Zu dieser Zeit wird Hugo Heymann, der die „Oberrealschule auf der Uhlenhorst zu Hamburg“ erfolgreich abgeschlossen hatte, das dritte Lehrjahr als Kaufmann bei der Hamburger Firma „Siemssen & Co.“, wo er „zur vollsten Zufriedenheit gearbeitet hat“, erlassen. Er kehrt aus der Hansestadt nach Föhr zurück, wird im väterlichen Geschäft tätig und bekommt am 12. Januar 1915 von der Firma Siemssen das Angebot, in einer ihrer chinesischen Filialen zu arbeiten. „Vorläufig müssen wir natürlich erst Mal die Weiterentwicklung des Kriegs abwarten“, heißt es aus Hamburg. Man rechnet in der Firma Siemssen mit dem jungen Föhrer und legt offensichtlich Wert auf seine zukünftige Mitarbeit.

Hugo genannt „Pimm“, der hoffnungsvolle Sohn von Hugo Heymann senior und seiner Frau Helene geborene Weigelt, aber fällt in der Schlacht an der Somme. Die Familiengrabstätte auf dem St.-Nicolai-Friedhof gedenkt seiner mit einer schwarzen Steinplatte, sein Name findet sich auf dem Ehrenmal. Hugos Vater wird zehn Jahre später sterben. Seiner Mutter Helene, die Tochter des Inhabers der Warmbadeanstalt am Sandwall 42, Georg Weigelt, bleiben die zwei Söhne Julius genannt „Duddi“ und Georg, an den sich noch viele Insulaner erinnern. „Gockel“, wie er genannt wird, heiratet Adelheid genannt „Ada“ Heyden, die den damals noch neuen Beruf der Heilgymnastin ausübt und im Nordsee-Sanatorium am Südstrand eine Anstellung gefunden hat. Ihr gemeinsamer Sohn Heinrich lebt in dem neuerbauten, ehemaligen Sitz der Firma Heymann in der Großen Straße 35.

Und was geschieht auf Föhr?

Christina Martens: „Heymann konnte nicht mehr mit seinen Schiffen direkt nach England segeln und uns mit guten Steinkohlen versorgen. Holz gab es auf der Insel auch nicht, und man griff zu allem Möglichen, vor allem zu Heidesoden, getrocknetem Kuhmist und Strandholz, auch Stroh half, die Suppe schnell zum Kochen zu bringen.“

Friedrich „Fritz“ Lorenzen von der Wyker Werft initiiert im September 1916 mit Eduard Boetius den Muschelfang: „Im Kriege, als die Lebensmittel knapp waren, kam er auf die Idee, die hier im Meere reichlich vorhandenen Schätze zu heben. ... Den Umfang seiner Unternehmung zeigt die Tatsache, daß pro Tag durchschnittlich 600 Pfund Muschelfleisch in Fässern verpackt zum Versand in die Großstädte kamen.“ Männer, Frauen, auch Kinder fanden eine lohnende Beschäftigung, zu der es in der Wyker Schulchronik heißt: „Viele Kinder dispensiert. Guter Verdienst, aber die Schule leidet darunter.“ Karl Matthiesen berichtet: „All unse Kutters gingen op Muschelfang, nich so as hütt mit Schleepnetz, nä, dor wor mit en Hark opholt. Midden in de köllste Tied een böse Arbeit.“

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erstellt am 05.Sep.2016 | 08:30 Uhr

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