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Insel-Bote

06. Dezember 2016 | 09:22 Uhr

Blitzeinschlag : Ohne Strom und warmes Wasser

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Midlum schlug ein Blitz in ein Einfamilienhaus ein und legte Strom- und Wasserversorgung in der Nachbarschaft lahm.

Unter den Folgen eines Blitzeinschlages in ein Einfamilienhaus in Midlum am vergangenen Wochenende leiden die Bewohner noch heute: Eine Wasserleitung ist geplatzt und hat die Warmwasserversorgung mehrerer Häuser lahm gelegt. Die Familie Zwanziger, Bewohner des Hauses, stehen zudem ohne Telefon, Internet und Fernseher da. Auch die Telefonleitungen in der Nachbarschaft sind betroffen. „Bei uns wurden etwa 20 Fälle in Midlum und Oevenum gemeldet“, sagt Henry Martens vom Computer-Service. Auch die anliegende Schule und der Kindergarten sind betroffen.

„Mir liegen etwa 20 bis 25 Versicherungsfälle vor“, bestätigt Christian Christiansen, Geschäftsführer der Vereinigten Mobiliengilde. Und das seien sicherlich nicht alle. „Bei den Überspannungsschäden handelt es sich überwiegend um Router. Die Telefonleitungen können schließlich am wenigsten ab“, so der Fachmann.

Der Blitz schlug Sonnabendmorgen gegen 1.45 Uhr in das Einfamilienhaus am Thingstieg 11 ein. Der folgende Knall war bis in die umliegenden Dörfer zu hören. Nur Toni Zwanziger schlief tief und fest weiter, bis ihn seine Frau weckte. „Unsere Hündin Bailey quiekte verängstigt“, erzählt Anke Zwanziger. Die elfjährige Tochter war glücklicherweise über Nacht bei einer Freundin.

„Es hat verkohlt gerochen. Wir haben nachgeschaut, aber nichts gefunden“, sagt Toni Zwanziger. Erst als sie ins Erdgeschoss kamen, sahen sie etwas, das sie für Rauch hielten. „Merkwürdigerweise hat er nicht gerochen. Und wir wussten nicht, woher er kommt. Deswegen haben wir um 1.52 Uhr die Feuerwehr gerufen“, berichtet der 47-Jährige. Später stellte sich heraus, dass es Wasserdampf war.

Als erstes war der Nachbar zur Stelle. „Er hat die Wasserleitung abgedreht“, erinnert sich Zwanziger. Der Blitz hatte in Schornstein und First eingeschlagen und die Abseite vom Obergeschoss aufgesprengt. „Der Strom ist durch die Betondecke in die Warmwasserversorgung geleitet worden – daher der Dampf.“

Die Feuerwehr sei unglaublich schnell vor Ort gewesen. „Vielleicht waren es fünf Minuten – ich hatte kein Zeitgefühl“, sagt Toni Zwanziger. Um 1.55 Uhr ging der Alarm an die umliegenden Wehren raus. Aus Midlum, Oevenum, Wrixum und Wyk rückten die Feuerwehrkräfte an.

„Als ich den Einsatzort gelesen habe, war ich kurz schockiert“, erinnert sich Stefan Hansen, Einsatzleiter der Feuerwehr Midlum. „Ich wohne in der gleichen Straße. Zudem gibt es dort auch einige Reetdachhäuser.“

Der Blitzeinschlag war weit zu hören und auch noch in den anliegenden Häusern zu spüren. „Die Freiwilligen haben schon mit dem Alarm gerechnet. Wir waren auch in kürzester Zeit gut vertreten“, berichtet der Einsatzleiter. Es war ein Schwelbrand – es gab also keine offenen Flammen. „Im Haus roch es nach verbranntem Kunststoff“, sagt Hansen. „Daher haben wir mit zwei Wärmebildkameras die Hitzeentwicklung an der Abseite des Obergeschosses überprüft.“

Auf den Bildern war die Wärme des Einschlags noch deutlich zu sehen, aber nicht besorgniserregend. „Wir haben zur Sicherheit die betroffene Rigipsplatte und die Glaswolle entfernt, bevor diese sich doch noch entzündet“, erklärt Hansen.

Auch die Polizei kam zur Einsatzstelle und sicherte diese ab. Nach und nach fuhren die Wehren wieder ab. „Wir sind noch bis etwa 2.50 Uhr vor Ort geblieben“, sagt Hansen. Man wollte sicher sein, dass sich keine durchgeschmorten Kabel oder Steckdosen entzünden. Zudem wurde auf einen Fachmann gewartet, der ein Gasleck ausschließen sollte.

„Gegen vier Uhr war es dann vorbei“, erinnert sich Anke Zwanziger. „Wir haben die restliche Nacht bei meinen Eltern verbracht. Wirklich schlafen konnte ich aber nicht.“

Das Ehepaar Zwanziger hat in den vergangen Tagen mit dem Kachelofen geheizt. „Viele Nachbarn und Freunde haben uns ihre Dusche angeboten“, erzählt Toni Zwanziger. Gestern Vormittag war ein Gutachter da. Und mittags kam ein Fachmann für die Heizung. Doch ohne Erfolg: die Heizung ist kaputt. Also wird auch die nächsten Tage der Kachelofen das Haus am Thingstieg 11 heizen müssen. „Diese Nacht werden wir nicht so schnell vergessen“, sagt Anke Zwanziger. „Unser Dank gilt den vielen Helfern.“

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erstellt am 23.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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