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Insel-Bote

05. Dezember 2016 | 21:44 Uhr

Auf Föhr : Nina Endrikat ist die Nummer Eins

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Hauswirtschafterin hat ihre Ausbildung als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Zunächst wollte sie auf gar keinen Fall einen Frauenberuf ergreifen.

Putzen, kochen und Kinder erziehen – mit diesem Vorurteil muss sich die Hauswirtschafterin Nina Endrikat häufig rumschlagen. Hinter ihrer Berufsbezeichnung steckt allerdings viel mehr. „Es umfasst die Reinigung, Wäsche, Verpflegung, Lagerung, Betreuung, Organisation und auch die Vermarktung eines Haushalts“, erklärt die 21-Jährige. In der ländlichen Hauswirtschaft lerne man auch mit Pflanzen umzugehen. „Die Ausbildung ist so vielseitig. Sie hilft mir weiter, egal für welchen Weg ich mich später entscheide“, ist die Föhrerin überzeugt. Ihre Ausbildung hat sie als Jahrgangsbeste absolviert und so zählt sie zu den zwölf besten Azubis in kaufmännischen und gewerblich-technischen Berufen in Nordfriesland.

„Früher wollte ich KFZ-Mechanikerin werden. Irgendetwas, aber bloß kein Frauenberuf“, scherzt die gebürtige Braunschweigerin. In ihrer Schulzeit machte sie dann ein Praktikum im Hamburger Kinder-Jugend-Haus (HKH) und war begeistert. Ihre Lehrerin erkannte ihre Neigung und unterstützte sie, den Schwerpunkt Gesundheit und Ernährung zu wählen.

Ihre Ausbildung machte die 21-Jährige schließlich auch im HKH. Neben der hauswirtschaftlichen Aufgabe lernte die Föhrerin dort auch Jugendlichen Regeln zu vermitteln und gemeinsam mit ihnen zu arbeiten. „Aber das war kein Schwerpunkt der Ausbildung“, erklärt die Insulanerin. „Wir jungen Leute hatten nur einen anderen Draht zu den Kindern. Die sind dann ganz anders auf uns zugekommen.“ Gelernt hat sie dadurch auch besser mit Konfliktsituation umzugehen.

Seit Ende August besucht sie nun die „Fachschule für Hauswirtschaft im ländlichen Raum“ in Hanerau-Hademarschen. Montags bis freitags wohnt sie mit 51 Anderen im Internat. Neben den theoretischen und praktischen Blöcken haben die Schüler die Aufgabe, sich selbst zu verpflegen. „Frühstück, Mittag- und Abendessen wird jeden Tag von einer anderen Gruppe zubereitet“, erklärt Endrikat. Morgens um 6.30 Uhr geht es los, bis abends um 19 Uhr. Danach müssen meistens noch Hausaufgaben oder andere Dinge erledigt werden.

Die Ausbildung zur Wirtschafterin dauert ein Jahr, danach könnte die 21-Jährige noch eine einjährige Ausbildung zur Betriebsleiterin dran hängen. „Vielleicht gehe ich davor aber nochmal ins Ausland“, überlegt Endrikat.

Sie habe nie aufgehört, Föhr zu genießen. Dennoch hält es sie nicht zwingend hier. So war die Insulanerin nach ihrem Realschulabschluss für ein Jahr in Irland als Au-Pair. „Das Auslandsjahr hat etwas in mir gelöst. Vorher habe ich die Insel kaum verlassen“, erzählt die angehende Wirtschafterin. Sie würde gerne nochmal ins Englisch sprachige Ausland: Australien, Neuseeland oder Kanada.

Und danach? Die späteren Job-Möglichkeiten seien vielfältig. „Von der Kinderbetreuung bis zur Altenpflege: Kindergarten, Pension, Hotels, Großhaushalte, Wäscherei, Cafés und vieles mehr.“

Aber im Vordergrund steht für die Föhrerin ein ganz anderes Ziel. „Irgendwann würde ich gerne einfach zufrieden sein. Ich hoffe, irgendwann anzukommen und zu wissen, das ist es“, sagt die 21-Jährige. Sie kann sich gut vorstellen, später einen eigenen Hof zuhaben. „Dort Gäste zu bewirten oder auch mit Kindern zu arbeiten.“ Nach Möglichkeit würde sie später gerne selber ausbilden.

Wichtig ist ihr aber vor allem, dem Druck zu entgehen. „Ich bin nicht der Stress-Typ“, sagt sie. In Deutschland ginge es immer darum, noch mehr zu erreichen. „Auch bei der Ehrung zur Pürfungsbesten hieß es: Wir sollen so weiter machen und noch besser werden.“ Noch hat sie ihre Ruhe nicht gefunden und will selbst mehr lernen. „Ich möchte so viel wissen, wie es geht. Ich habe zwar nie viel gelernt, aber schnell die Dinge miteinander kombiniert.“

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erstellt am 27.Okt.2016 | 12:30 Uhr

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