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Insel-Bote

10. Dezember 2016 | 15:44 Uhr

Zweiter Föhrer Rosentag : Neuzüchtung mit großem Namen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Benannt nach berühmtem Walfänger: Bisher unbekannte Rosensorte auf den Namen „Glücklicher Matthias“ getauft.

Die Taufe der Föhr-Rose durch Friede Springer vor zwei Jahren ist allen Beteiligten noch in Erinnerung: Pünktlich zum Beginn des Aktes hatte der Himmel seine Schleusen geöffnet. So war es nicht verwunderlich, dass Museumsleiterin Jutta Kollbaum-Weber besorgt nach oben blickte, als beim zweiten Föhrer Rosentag im Garten des Wyker Friesenmuseums erneut eine Taufe anstand. Doch die Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet: Bei schönstem Wetter konnte Kollbaum-Weber den „Glücklichen Matthias“ mit einem Sektguss als offizielles Mitglied in der Welt der Rosen begrüßen.

Dieser Akt war ein weiterer Schritt auf dem Weg einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem Herdecker Rosenzüchter Thorsten König und dem Friesenmuseum. König, ein bekennender Föhr-Fan, war vor vier Jahren auf den von Gundula Haack gestifteten Catharinen-Rosengarten aufmerksam geworden und hatte diesen als ganz besonderen Schatz erkannt, der aber dringend fachkundiger Pflege bedurfte. König machte sich ans Werk, um die rund 100 Sorten historischer Rosen zu retten, die teilweise nicht einmal mehr in allen Rosarien vertreten sind. Ehrenamtlich widmet er sich seither regelmäßig dem Catharinen-Rosengarten und hat sich zudem als Züchter um die „Königinnen der Blumen“ verdient gemacht. Zunächst ging es um die Rose „Föhr“, deren Wurzeln auf das Süderender Elternhaus von Friede Springer zurückzuführen sind. Auch bei der zweiten Nachzüchtung hat mit Niels Riewerts ein Familienmitglied von Friede Springer seine Finger im Spiel. Auf dem Süderender Friedhof hatte er bei einem Grab aus dem Jahr 1909 zwei Rosenstöcke entdeckt, die er nicht bestimmen konnte. Auch Thorsten König war einigermaßen ratlos. „Wir haben diese Rosen nach allen Regeln der Kunst vermessen, fotografiert und untersucht“, schildert er, doch auch den Experten sei diese Sorte nicht bekannt gewesen. Sie konstatierten lediglich, dass sie eine Rosa gallica – eine Essigrose – ist und damit als historische Pflanze gilt. „Damit war klar, dass es diese Rosensorte nur auf Föhr gibt.“ Thorsten König erklärte sich bereit, die Rose in seinem Betrieb in Herdecke zu vermehren und wieder auf die Insel zu bringen.

Und dabei tauchte die Frage nach dem Namen auf. Anfangs dachte man an St. Laurentii. Da die Pflanze aber ganz in der Nähe des Grabes des Glücklichen Matthias gefunden wurde, sollte sie nach ihm benannt werden. Inzwischen ist diese Rose offiziell anerkannt, in die Gen-Bank aufgenommen und vom Rosarium Sangerhausen als historische Sorte zertifiziert worden.

Zur Taufe vor dem Friesenmuseum waren weit mehr Rosenliebhaber erschienen, als die Organisatoren erwartet hatten. Die Besucher konnten sich nicht nur an den Pflanzen erfreuen, sondern auf einem kleinen Markt auch Rosen, Rosengelee, Fotografien und Handarbeiten erstehen.

Bei einigen Führungen vermittelte Thorsten König Einblicke in den Umgang mit den besonderen Blumen, wobei seine Tipps die Zuhörer immer wieder verblüfften. „Ich kann eigentlich viele meiner Bücher über Rosen wegwerfen“, konstatierte eine Besucherin. Doch der Blick auf den Bestand des Catharinen-Rosengarten, der inzwischen auf 190 verschiedene Sorten angewachsen ist, beweist, dass der Herdecker weiß, wovon er redet. So setzt er auf rein organische Ernährung der Pflanzen und verzichtet komplett auf chemische Dünger. „Wenn die Rosen gut ernährt sind, gibt es keine Probleme mit der Blüte und sie duften auch viel intensiver.“ Den Pflanzenschutz überlässt er bei sich zu Hause überwiegend den Meisen. Falls doch einmal eingegriffen werden muss, setzt der Züchter nicht auf Chemie, sondern im Falle des echten Mehltaus auf eine Mischung aus Buttermilch, Backpulver und Wasser.

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erstellt am 05.Jul.2016 | 12:30 Uhr

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