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Insel-Bote

11. Dezember 2016 | 01:23 Uhr

Reformation : Neue Lehre fiel auf fruchtbaren Boden

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Drei junge Föhrer, die in Wittenberg studierten, brachten 1525 das Gedankengut Martin Luthers von dort auf die Insel. Hier verbreitete es sich schnell.

Als Hobby-Historiker beschäftigt sich Joachim Taege intensiv mit der Geschichte der Süderender St.-Laurentii-Kirche und arbeitet an einem Buch darüber. Bei seinen Recherchen dazu in der Bibliothek der Ferring-Stiftung hat er auch herausgefunden, dass das Gedankengut der Reformation schon sehr früh die Insel Föhr erreicht hat. Darüber berichtet er in einem Beitrag für den Insel-Boten:

Der junge dänische Kronprinz und spätere dänische König Christian III bekannte sich zur neuen Lehre. Zum großen Reformator und Organisator der evangelischen Kirche in Dänemark wurde Johann Bugenhagen, der die Bibel und die dänische Kirchenordnung in das Niederdeutsche übersetzte.

Die Reformation breitete sich über die Handelswege mit den Niederlanden und den westdeutschen Städten zwischen Emden und Hamburg aus. Auf diesem Weg gelangten vermutlich auch die ersten Prediger in die Gebiete der friesischen Uthlande. Ausgangspunkt der Reformation in Nordfriesland war die Stadt Husum. Dort hielt der Vikar Hermann Tast ab 1522 die ersten evangelischen Predigten. Vom Bildersturm blieben die Föhrer Kirchen weitgehend verschont. Deshalb sind die vorreformatorischen Altäre in St. Laurentii und St. Johannis, sowie andere alte Kunstwerke bis heute erhalten geblieben.

Die bekannteste Überlieferung über die Verbreitung der Lehre Luthers stammt von der Insel Föhr. Drei junge Föhrer, die in Wittenberg studierten, brachten das neue Bekenntnis von dort auf die Insel. Sie waren Wortführer und Wegbereiter der neuen Lehre und gaben das neue Gedankengut an die Inselbevölkerung weiter. Fast übereinstimmend wird berichtet, dass die Reformation auf Föhr um 1525/30 einen leichten Gang fand und sich durchsetzte.

In der Nieblumer Gemeinde St. Johannis war wahrscheinlich Johannes Bohn aus Midlum der erste evangelische Pastor. Für die St. Laurentii-Gemeinde in Süderende nennt der Chronist Ocke Nerong Cort Gohs, den Hauptpastor von 1540 bis 1546. Und an St. Nicolai in Boldixum ist nach der gleichen Quelle ein Iman Ortzen aus Holland der erste evangelische Prediger gewesen.

Im Nachgang zur Reformation gab es immer wieder Änderungen in der Liturgie und den kirchlichen Ritualen auf Basis der zugrundeliegenden Kirchenagenden. Beispielhaft hervorzuheben ist die Einführung von Gesangbüchern Ende des 17. Jahrhunderts auf Föhr. Auch wurde Unterricht im Katechismus eingeführt und die Kinder gingen zur „Sonntagsschule“. Die Sitzordnung in der Kirche war festgelegt.

Was die Einrichtung der Kirchen anbelangt, war die Kanzel eine ganz wesentliche Veränderung in der Reformationszeit. Der künstlerische Aufwand mit dem sie ausgearbeitet wurde, spiegelt ihre Bedeutung und die der Predigt wider. Die plattdeutsche Kirchenordnung von 1542 führt in den „düdschen Gottesdienst“ ein.

Eine weitere Folge der Reformation und der stetig wachsenden Zahl der Gottesdienstbesucher war der Einbau von festem Gestühl und Emporen. Die Emporen in der St.-Laurentii-Kirche stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die im 17. und 18. Jahrhundert vergrößerten Fensteröffnungen auf der Südseite des Gebäudes sorgten für genügend Lichteinfall in das Kirchengebäude, um eine uneingeschränkte Nutzung der neuen Liederbücher sicherzustellen. Entgegen des lutherischen Gedankens blieben Beichtstühle teilweise bis in das 18. Jahrhundert erhalten und wurden oftmals zur Sakristei oder herrschaftlichen Logen umfunktioniert.

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erstellt am 06.Nov.2016 | 16:15 Uhr

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