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Insel-Bote

08. Dezember 2016 | 10:54 Uhr

Segeltörn : Meereslauschen auf der Sandbank

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die „Labor Sanitas“ ankerte vor Langeneß. Dort gab es maritime Geschichten.

Wenn die Generalprobe buchstäblich ins Wasser gefallen ist, dann kann die Premiere eigentlich nur noch ein voller Erfolg werden. So war es dann auch beim „Meereslauschen“ an Bord der 120 Jahre alten Groninger Tjalk „Labor Sanitas“. Eine zwar kleine, aber dafür um so begeistertere Gruppe von Urlaubern und Insulanern erlebte dabei eine unvergleichliche abendliche Kombination von Schifffahrt und Lesung. Zwar konnten mangels Windes die Segel der „Labor Sanitas“ nicht gehisst werden, doch die beiden Skipper Katja Wendt und John von Eitzen ermöglichten beim gemütlichen Tuckern des Motors eine entspannte Fahrt vom Wyker Hafen in Richtung Hallig Langeneß, bei der sich die Insel Föhr im untergehenden Sonnenlicht so richtig malerisch präsentierte.

Die Hauptakteure des Abends, Michael Steuer und Torsten Tews, mussten mit ihrer Lesung jedoch warten, bis die „Labor Sanitas“ auf einer Sandbank vor Langeneß halt machte. „Eine Lesung kann nicht während der Schifffahrt stattfinden, da sind die Zuhörer viel zu sehr abgelenkt“, hatte John von Eitzen im Vorfeld befunden.

Steuer und Tews hatten sich für diesen Abend viel vorgenommen. Als Erstes erfuhren die Passagiere einiges über das alte Schiff selbst, dass seit dem Frühjahr unter dem Kommando von Wendt und von Eitzen vom Wyker Hafen aus zu Törns ins Wattenmeer aufbricht und früher als Lastensegler seine Dienste verrichtete. Es folgten plattdeutsche Texte von Gerhard Bohde und Auszüge aus den Aufzeichnungen des Kapitäns Jens Jacob Eschels. Sie stellten den Bezug zwischen Föhr, den Föhrern und dem Walfang her, der angesichts eines milden, fast windlosen Abends nicht ganz so einfach war: Leichtes Plätschern an der Bordwand und das Aufeinanderkrachen von Eisbergen sind doch recht unterschiedliche Geräusche.

Viel Platz räumten Steuer und Tews auch Sir Arthur Conan Doyle ein, der vor allem als Autor von „Sherlock Holmes“ berühmt geworden ist. Doch Doyle hat sich nicht nur mit dem berühmten Detektiv befasst. Seine 1808 erschienen Anmerkungen zur Polarregion sind das Ergebnis seiner Teilnahme an der Fahrt eines Arktis-Walfängers, wobei er, damals noch Student, als Schiffsarzt und als Walfänger fungierte. Hingerissen folgten die Teilnehmer der Lesung, die dann in die Rückfahrt nach Föhr mündete.

Diese Kombination von Segeletörn und Literatur fand bei allen Mitreisenden eine begeisterte Aufnahme. Dabei hoben sie hervor, dass die begrenzte Teilnehmerzahl an Bord der „Labor Sanitas“ nur Vorteile habe. Man läuft nicht einfach auseinander, sondern hat noch genügend Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und Eindrücke auszutauschen.

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erstellt am 07.Sep.2016 | 12:30 Uhr

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