zur Navigation springen

Insel-Bote

07. Dezember 2016 | 17:25 Uhr

Föhr-LAnd : Massenunfall – zum Glück nur geübt

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Einsatzkräfte probten den Ernstfall. Sie fanden ein brennendes Auto, einen verqualmten Bus und viele schreiende Verletzte vor.

„Wir haben klein angefangen und dann wurde es immer größer“, so beschrieb Oevenums stellvertretender Wehrführer Stefan Runge den Werdegang einer Großübung der Feuerwehren aus Alkersum, Midlum, Nieblum, Oldsum, Oevenum und Wyk, die mit einem simulierten Massenverkehrsunfall in der Kurve zwischen Midlum und Oevenum konfrontiert wurden. Midlums Wehrführer Stefan Hansen hatte alle Hände voll zu tun, sich einen Überblick über die Schadenslage zu verschaffen und die rund 100 Einsatzkräfte an die richtigen Stellen zu dirigieren. Immerhin waren 24 Verletzte zu bergen und zu versorgen. Ein mit Kindern besetzter Bus, ein Lkw und drei Pkw waren an diesem Massenunfall beteiligt, überall waren Personen eingeklemmt und ein Pkw hatte sich überschlagen und Feuer gefangen. Im Bus wurde ein Brand simuliert, so dass man seine Hand nicht vor den Augen sah und keiner wusste zunächst, wie man die verschlossene Bustür von außen öffnen kann.

„Ihr seid ja verrückt. Muss es ausgerechnet diese enge Stelle sein?“, soll Ordnungsamtsleiter Jörg Michelsen gesagt haben, bevor er schnell und unbürokratisch seinen Feuerwehrkameraden die rechtlichen Hürden aus dem Weg räumte. Neben den Nachbarwehren Midlum, Oevenum und Wrixum wurden auch die technischen Hilfsgruppen aus Oldsum und Wyk alarmiert sowie die „Zeltgruppe“ der Nieblumer Wehr und die DLRG, da ja von vielen verletzten Personen auszugehen war. Die Verletzten waren bereits eine Stunde vor der Übung unter der Leitung von Rettungsdienstler Ole Hecht in den Räumen der paritätischen Werkstätten täuschend echt geschminkt und mit „Wunden“ versorgt worden. Einige Oevenumer Mütter halfen dabei und stellten sich ebenfalls als „Unfallopfer“ zur Verfügung. „Beim nächsten Mal mache ich wieder mit“, meinte ein kleiner Junge, dem seine Rolle wohl gut gefallen hatte.

Im Ernstfall sähe das wohl ganz anders aus. Von der Alarmierung bis zum Öffnen der Bustür dauerte es immerhin 18 Minuten und das Bergen aus dem engen Bus war für die Feuerwehrleute, die in voller Atemschutzausrüstung arbeiten mussten, nicht einfach.

Nicht einfach war auch die Situation für die Wehrführer Stefan Hansen und Timo Paulsen, die von dieser Art der Übung im Vorfeld nichts wussten und schnell die richtigen Entscheidungen treffen mussten. Nachdem jedem Team eine Aufgabe zugeordnet war, griff immer mehr die Routine, und das Befreien der eingeklemmten Personen mit Hilfe der hydraulischen Spreizer und Schere ging wie geübt von der Hand. Im Versorgungszelt der Nieblumer Wehr sammelten sich die Verletzten, die auch dort noch ihre Rolle spielten. Einige markierten verwirrte Personen, die einfach weglaufen wollten, andere hörten nicht auf zu wimmern und zu schreien. Der Schwerpunkt der Übung lag also auf der Personenrettung bei einem Massenunfall, der hoffentlich niemals eintreten wird.

„Alles in allem hat das Zusammenspiel aller Retter gut geklappt“, bestätigte Stefan Runge auf Nachfrage, der zusammen mit Henning Severin das Szenario ausgeheckt hatte.

Beim anschließenden Grillen, das die Reservisten aus Oevenum und Midlum ausrichteten, konnten sich alle Beteiligten über das Erlebte austauschen und mit konstruktiver Kritik dafür sorgen, dass es in Zukunft noch besser klappt. So wies Christiansen auf eine verbesserungswürdige Koordination bei der Abstimmung der Zufahrtswege hin, die gerade bei beengten Verhältnissen sehr wichtig sein kann. Dass die Einsatzfahrzeuge so abgestellt werden, dass weitere Rettungsmaßnahmen nicht behindert werden, sollte selbstverständlich sein.

Bereits fünf Minuten nach dem Aufbau des Unfallszenarios gab es schon die ersten Informationen mit Fotos von den „Verletzten“ bei Facebook. „Das geht gar nicht“, meinte Stefan Runge und appellierte an die Facebook-Nutzer, sich einmal in die Menschen hinein zu versetzen, die über solche Kanäle von Unfällen ihrer Angehörigen oder Freunde erführen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen