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Insel-Bote

09. Dezember 2016 | 14:37 Uhr

Nieblum auf Föhr : Ist ein Hotel Chance oder Belastung für das Dorf?

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Nach den Tumulten in der Gemeindevertretersitzung herrschte jetzt eine sachliche Atmosphäre. Bei einer Informationsveranstaltung im Haus des Gastes wurde über das Wellness-Resort kontrovers diskutiert.

„Die Leute haben sich sehr diszipliniert verhalten und sachlich argumentiert“ – Bürgermeister Friedrich Riewerts und Bauamts-Mitarbeiter Daniel Meer waren gestern sichtlich erleichtert über den Ablauf der Informationsveranstaltung zum geplanten Hotelbau. Eine Disziplin, die nach dem Tumult nicht zu erwarten war, den aufgebrachte Bürger vor einem Monat in der Gemeindevertretersitzung entfacht hatten, weil sie sich nicht ausreichend informiert fühlten (wir berichteten). „Damals war ich nah am Herzinfarkt, aber heute lief es ja wirklich ruhig“, meinte denn auch ein Nieblumer im Anschluss an die Veranstaltung am Mittwochabend im Haus des Gastes. Das war bis auf den letzten Platz besetzt, selbst auf Fensterbänken und sogar am Boden hatten sich Zuhörer niedergelassen um das zu hören und kritisch zu hinterfragen, was Kommune und Investor ihnen erläuterten.

Zunächst hatte Riewerts noch einmal die Beweggründe der Gemeinde erläutert, sich auf das Projekt einzulassen, das Dirk Schörck zusammen mit weiteren Investoren auf seinem Grundstück zwischen Meetsweg und Strandstraße realisieren will. Die Übernachtungszahlen in Nieblum, so berichtete er, seien in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen, während die Ausgaben für den Kurbetrieb stiegen. Die Gemeinde erhoffe sich durch ein Vier-Sterne-Plus-Hotel eine Belebung der Vor- und Nachsaison, so der Bürgermeister. Wegen des hohen Anteils an Zweitwohnungen sei Nieblum derzeit im Winter ein dunkles Dorf, viele Geschäfte und Lokale könnten nur noch in den Sommermonaten geöffnet haben. Ein ganzjähriger Hotelbetrieb könnte sich positiv nicht nur auf die Gemeindefinanzen, sondern auch auf diese Betriebe auswirken. Außerdem würden Arbeitsplätze für Insulaner entstehen, und auch das Freizeitangebot für Einheimische habe die Gemeinde im Blick, die im Vertrag mit den Investoren festgeschrieben habe, dass Wellnessbereich und Gastronomie des Hotels öffentlich zugänglich sein müssen.

Daniel Meer erläuterte dann den Stand der Bauleitplanung, die noch ganz am Anfang stehe. Er betonte, dass im Bebauungsplan, der für das Hotel aufgestellt werden soll, ein Sondergebiet festgeschrieben wird, „da dürfen nur das Hotel und Personalwohnungen gebaut werden, nichts anderes“. An Einzelheiten der Planungen könne es aber noch Änderungen geben.

Dirk Schörck stellte das Projekt, mit dem er erstmals 2013 auf die Gemeinde zugegangen war, im Detail vor. 121 Doppelzimmer und Suiten sollen in dem Gebäudekomplex entstehen, der mit ortstypischen Materialien wie Klinker, Reet und Holz gebaut werden soll. Nieblum erfahre eine Kaufkrafterhöhung durch die Hotelgäste, warb er für sein Projekt und versprach, dass 70 neue Arbeitsplätze geschaffen würden, davon elf Ausbildungsplätze. Auf Nachfragen eines Zuhörers nannte er die amerikanische Ramada-Gruppe, die zu den größten Hotelkonzernen der Welt zählt, als potenziellen Betreiber. Bereits vor einiger Zeit, so bestätigte Riewerts gestern gegenüber dem Insel-Boten diese Angaben, hätte sich ein Vertreter dieser Hotelkette vor Ort ein Bild gemacht und Wünsche, etwa nach einer Erreichbarkeit der Insel am Abend, formuliert.

Nachdem ihnen die Vorteile, die das Hotel für die Gemeinde bringen könnte, ausführlich geschildert worden waren, hinterfragten etliche der anwesenden Bürger – darunter viele Zweitwohnungsbesitzer – das Projekt kritisch. Neben der Sorge um Einbußen im eigenen Vermietungsbetrieb während der Bauphase war einer der wesentlichen Punkte die Frage nach der zusätzlichen Verkehrsbelastung auf den Zufahrtswegen zum Hotel, aber auch für das ohnehin schon in der Saison chronisch verstopfte Dorfzentrum. „Braucht Nieblum mehr Parkplätze, kann für die Zufahrt zum Hotel eine Umgehungsstraße gebaut werden,“, waren nur zwei Fragen, die die Planer versprachen, in einem Verkehrsgutachten zu untersuchen.

Kritisiert wurde, dass die Gemeinde sich auf diesen Standort und dieses Grundstück fokussiere, was jedoch, so betonten Riewerts und Meer, damit zu tun habe, dass hier ein Investor auf die Gemeinde zugegangen sei, der bereits ein Grundstück in Nieblum besitze, auf dem er das Hotel bauen will.

„Was passiert, wenn den Investoren auf halber Strecke das Geld ausgeht, steht dann eine Bauruine im Dorf?“ Auch diese Befürchtung teilt die Kommune nicht. Bevor Banken solche Projekte finanzierten, würden sie sehr genau prüfen, ob die Investoren genug Kapital haben, ist Daniel Meer überzeugt. Trotzdem – der Anregung aus dem Publikum, für den Fall der Fälle eine Rückbauverpflichtung in den Durchführungsvertrag aufzunehmen, will Friedrich Riewerts folgen. „Das werden wir auf jeden Fall festschreiben“, kündigte er gestern an.

Doch nicht nur Kritiker kamen an diesem Abend zu Wort. Axel Meynköhn, der Geschäftsführer der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR), warb eindringlich für das Hotel – auch wenn er die Sorgen im Ort nachvollziehen könne. „Auf einer kleinen Hallig Nieblum wäre dieses Projekt zu groß, aber Nieblum ist Teil einer Insel, die fast so groß ist wie Sylt“, meinte er. „Die Hotelgäste bleiben nicht nur in Nieblum, sie fahren auch in andere Inselorte“. Nieblum trockne aus, so Meynköhn. „Das im November alles dunkel ist, sollte die Einheimischen beunruhigen“.

„Dieses Projekt ist das, was der Gast verlangt. Erfolg bedeutet auch Veränderung“, stieß Tourismus-Chef Jochen Gemeinhardt ins gleiche Horn. Aus touristischer Sicht sei der Bau dieses Hotels mehr als sinnvoll.

Doch bis der realisiert werden kann, wir noch einige Zeit ins Land gehen. Als nächstes werden die Entwürfe für den Bebauungsplan und die notwendige Flächennutzungsplanänderung in die Behördenbeteiligung gehen. Vorschläge und Änderungswünsche, die dort gemacht werden, müssen dann eingearbeitet werden, frühestens Ende des Jahres, so Daniel Meer, könnten die Pläne dann öffentlich ausgelegt werden. Die Erfahrung zeige, berichtete er, dass dass ein Bauleitverfahren auf der Insel ein bis eineinhalb Jahre dauere. Weitere eineinhalb Jahre veranschlagt Schörck für den Bau und verspricht, lärmintensive Arbeiten in die Wintermonate zu legen.

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erstellt am 29.Jul.2016 | 12:30 Uhr

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