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Insel-Bote

07. Dezember 2016 | 09:40 Uhr

Erster Weltkrieg : In Frankreich gefallen und begraben

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Boldixumer Bäcker Hinrich Bohnitz wurde an der Westfront verwundet und starb als Kriegsgefangener im Lazarett in Auray.

Die Familiengeschichte des am 21. September 1916 im Lazarett zu Auray in französischer Gefangenschaft gestorbenen Boldixumer Bäckers Hinrich Bohnitz lässt sich auf dem Friedhof von St. Johannis in Nieblum an verschiedenen Grabsteinen ablesen.

Im Nordosten der Kirche steht noch immer der Grabstein des Midlumer Schiffers Jürgen Bohn/Bohnitz und seiner Frau Marret/Mantje geborene Erken. Ihr Stein trägt die Zeilen: „Dieses Denkmal ist den Verewigten, um Enkel und Freunde an sie zu erinnern, aus Liebe und Dankbarkeit der nachlebenden Kinder errichtet.“ Von sieben Nachkommen überleben fünf die Eltern. Dazu gehört auch Boh Jürgen Bohnitz, der mit seiner Frau Antje geborene Matthiesen „in einer sehr vergnügten und glücklichen Ehe“ lebt, wie es auf dem nebenstehenden Grabstein heißt. Ihr ältester Sohn Jürgen heiratet Maria Osea geborene Nickelsen aus Oevenum, die als kleines Mädchen innerhalb weniger Jahre ihre Schwester, ihren Vater und den Stiefvater verliert. Maria und Jürgen Bohnitz’ Tochter Therese verheiratete Jürgens wird früh sterben, deren Tochter Mary heiratet Newton Michelsen, den „guten Geist“ des Wyker Krankenhauses.

Im Todesjahr von Tochter Therese fällt Maria und Jürgen Bohnitz’ Sohn Martin am 15. Oktober 1915 in Russland. Eine Platte des Nieblumer Ehrendenkmals erinnert an ihn. Und ganz in der Nähe der Steine seiner Urgroß- und Großeltern im Nordosten der Kirche findet sich sein Name noch einmal auf dem Grabstein seiner Frau Regina geborene Oluffs, die einst mit ihrer Schwester Ella zu den jungen Mädchen in Friesentracht gehörte, die der Maler Otto H. Engel so gerne porträtierte. Ob die dort auch verzeichnete Mary Bohnitz, die wenige Monate vor dem Tod des Vaters zur Welt kommt, von ihm auf Erden noch begrüßt und in den Arm genommen werden konnte, ist unbekannt.

Nicht weit entfernt steht ein anderer Stein, der den Namen „Bohnitz“ trägt. Er erinnert unter anderem an den ein Jahr nach seinem Bruder Martin gefallenen Hinrich Bohnitz und dessen Frau Caroline geborene Sörensen, die 63 Jahre als Witwe im Nieblumer Drunkenmannsstieg 12 lebte. Ihre Tochter Maria starb ein Jahr vor dem Vater, deren Schwester Helene steht ebenfalls bei den Eltern auf dem Grabstein.

Hinrich Bohnitz wurde auf dem Friedhof von Auray/Frankreich beerdigt. Im Januar 1917 wurde in St. Nicolai eine Gedenkrede für ihn gehalten, sein Name ist auf dem Ehrenmal von St. Nicolai in Boldixum vermerkt.

Und was geschieht auf den Inseln?

Am 2. September 1916 fällt der Kriegsfreiwillige Theodor Jessen aus Nebel in der Somme-Schlacht. Er befand sich in der Lehrerausbildung. Am 5. September 1916 fällt der Boldixumer Max Martensen an der Somme. Einen Tag später ebenfalls an der Westfront Erich Arfst Ketels, der Sohn des von Süderende stammenden Boldixumer Pastors Hinrich Ketels und seiner Frau Ingke geborene Braren aus Oldsum. 1916 leben sie in Kiel-Hassee, wo Ketels Pfarrer ist. Er soll ein „begnadeter Kanzelredner“ gewesen sein. Er sprach am Grab seines Vorgängers in St. Nicolai Knudt Andreas Frerks. Am 9. September 1916 fällt der Wyker Heinrich Siewertsen durch einen Kopfschuss. Am 13. September 1916 fällt der Oldsumer Kaufmann Brar Riewert Rickmers in der Schlacht an der Somme. Ingke Wolff dazu in ihrem Buch: „Historischer Spaziergang durch Oldsum“: Seine Frau Klara wurde mit 32 Jahren Witwe und stand allein da mit fünf Kindern. Sie bewältigte diesen Schicksalsschlag bewundernswert und schaffte es, ihre Kinder liebevoll groß zu ziehen, das Geschäft durch den Ersten Weltkrieg, die Nachkriegszeit, die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg zu erhalten.“

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erstellt am 22.Sep.2016 | 18:30 Uhr

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