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Insel-Bote

10. Dezember 2016 | 13:53 Uhr

Der Erste Weltkrieg : Im Lazarett an der Ruhr gestorben

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Martin Limbrecht fiel der Krankheit in Serbien zum Opfer. Johannes Arfsten verlor sein Leben bei einem Waldgefecht bei Elincourt in Frankreich.

Im „Verzeichnis der Grundstücke“ veröffentlichte das Königliche Amtsgericht von Wyk am 6. Januar 1885 für Wrixum unter der Nummer 99 den Namen des Parzelleneigentümers Andreas Theodor Andresen (1853-1927), der mit seiner Familie in Boldixum lebte. Die Nieblumerin Christina Martens (1902-1982) erzählt, dass er im Ersten Weltkrieg den an der Front kämpfenden Föhrer Tierarzt vertrat und die Wunde eines Pferdes ausgerechnet in diesen schlechten Zeiten dick mit weißem Zucker bestrich, was aber sehr bald half. Andresen verlor während der vier Jahre des Ersten Weltkriegs zwei Menschen. Seine Frau Anna geb. Detleffsen (1856-1917) und seinen Schwiegersohn Martin Limbrecht, der am 9. Mai 1916 in einem serbischen Lazarett an der Ruhr starb.

Andresens Tochter Lena (1885-1960) heiratete den aus Niebüll stammenden Maurer Martin Limbrecht und blieb im Gegensatz zu den meisten ihrer Geschwister, die nach Amerika auswanderten, auf Föhr. Ihr Bruder Andreas Theodor (1896-1967) heiratete 1919 Frieda R. Riewerts (1898-1982), eine Nachfahrin des bekannten Oldsumer Commandeurs Broder Riewerts (1773-1854). Sie hatten zwei Töchter miteinander. Andresen war Landmann in Boldixum und hatte einen Fuhrbetrieb.

Martin Limbrecht wurde bei Kriegsausbruch 1914 zur Inselwache nach Amrum beordert, von wo er krank entlassen wurde. Im gleichen Jahr kam nach den zwei Töchtern Anni und Alma noch eine Magda zur Welt. Ob sich die Mädchen wohl später noch ein wenig an ihren Vater erinnern konnten? Sie waren sechs, fünf und zwei Jahre alt, als Martin Limbrecht nicht mehr aus dem Krieg zurückkehrte. Am 20. Mai 1916 veröffentlichte Lena Limbrecht die Todesanzeige ihres Mannes in der „Föhrer Zeitung“, am 12. Juni wurde in der Boldixumer St.-Nicolai-Kirche eine Gedächtnisrede für ihn gehalten. Lena lebte fortan im Haus Boldixumer Straße 48, das ihr Mann auf dem Acker seines Schwiegervaters Andreas Theodor Andresen gebaut hatte.

Tochter Magda Limbrecht (1914-1970) heiratete Franz Schimmelfeder (1906-1970) aus Duisburg, ihre Kinder Martina und Dirk blieben auf Föhr.

Und was geschieht auf den Inseln?

Am 30. April 1916 wurde die Sommerzeit im Deutschen Reich eingeführt, am Ende des Krieges 1918 aber wieder abgeschafft.

Die Soldaten erhielten seit dem Februar 1916 anstelle der im Kampf äußerst unpraktischen, ja gefährlichen Pickelhauben den Stahlhelm, der aus einem Millimeter dicken Chromnickelstahl bestand und 1,2 Kilogramm wog. Auf dem Nieblumer Friedhof steht gleich links am Osteingang das beeindruckende, mannshohe Grabmahl des am 16. September 1914 gefallenen Soldaten Johannes Arfsten (geb. 1891), der in einem Waldgefecht bei Elincourt in Frankreich sein Leben verlor und in einem Massengrab bestattet wurde. Obwohl 1914 noch nicht zur Ausrüstung der Soldaten gehörend, trägt der auf dem Grabstein plastisch herausgehobene Soldat einen Stahlhelm, so dass der Stein wohl einige Zeit nach seinem Tod angefertigt wurde. Johannes Arfsten war der Bruder der Wyker Kaufhauschefin Elena Knudtsen (1885-1970).

Im Mai 1916 errichtete die Reichsregierung ein Kriegsernährungsamt zur Sicherstellung der Lebensmittelversorgung. Die Nieblumerin Christina Martens (1902-1982) erinnert sich: „Im Weltkrieg, als das Schlachten scharf kontrolliert wurde, haben viele Bauern heimlich geschlachtet. Auch bei uns wurde so etwas geplant, und eines Tages wurde ein Lamm in den Hühnerstall geführt, und Vater und Paul verschwanden auch darin mit Beil und Messern. Bis zum Abend lagen auch allerhand unförmige Fleischstücke im Keller, und es brutzelte etwas auf dem Herd. Aber ein zweites Mal wollten sie nicht Schlachter spielen.“

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erstellt am 10.Mai.2016 | 18:00 Uhr

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