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Insel-Bote

05. Dezember 2016 | 05:30 Uhr

Der ERste weltkrieg : Heldentod im französischen Givenchy

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Christian Brautlecht-Deppe fiel am 23. Mai 1916. Nur zwei Wochen zuvor hatte der Träger des Eisernen Kreuzes sein Föhrer Elternhaus besucht.

Einen Monat nach Kriegsbeginn 1914 hatte Friedrich Brautlecht-Deppe/Fritz Deppe (1856-1929), der bekannte Wyker Hotelier (Hotel „Deppe“, später „Seeblick“) in der Föhrer Zeitung eine Hymne auf das Deutsche Kaiserreich und den Krieg veröffentlicht, in der es unter anderem hieß: „Ja, steht nun auch die ganze Welt im Kampfe/Du bist bereit zu diesem Riesenschlag/Sei du der Hammer und aus Pulverdampfe/Geht strahlend für dich ein neuer Tag.“

Fritz Deppe heiratete 1886 Rose geborene Lind (1858-1939), die Schwester des Wyker Gärtners Gustav „Gusche“ Lind (1871-1959) und Waldemar Linds (1860-1928), der als Fotograf und Betreiber des „Strandbazars“ (heute: Café „Die Insel“) bekannt war. Das Ehepaar bekam zwei Töchter und vier Söhne. Wilhelm starb noch im Jahr seiner Geburt, Christian (1893-1916) und Friedrich (1890-1916) fielen im Ersten Weltkrieg. Philipp (1888-1946) übernahm den Hotelbetrieb seiner Eltern. Dessen Kinder Fritz (1918-1979) und Gretel verheiratete Edel sind noch in guter Erinnerung.

Am 25. Mai 1916 lasen die Insulaner in einem der seltenen, ausführlichen Nachrufe für Soldaten des Ersten Weltkriegs: „Gestern Abend erreichte die Familie Deppe in Wyk telegraphisch die niederschmetternde Kunde, daß ihr als Leutnant der Reserve vor dem Feinde stehender jüngster Sohn Christian bei den schweren Kämpfen um Givenchy (Frankreich, nördlich von Arras) den Heldentod gefunden hat. Der Gefallene, von Beruf Kaufmann, eilte bei Kriegsausbruch als Freiwilliger zu den Fahnen  …  Mit dem Eisernen Kreuz geschmückt, weilte der junge Kriegersmann noch vor 14 Tagen zu kurzem Besuch im Elternhause  …  eine tückische Kugel unserer Erzfeinde, der Engländer, hat alle seine und die auf ihn gesetzten Hoffnungen ausgelöscht.“ Fritz Deppe sollte sich später daran erinnern, wie sein Sohn Christian das letzte Mal Föhr verließ: „Lange wehten unsere Tücher, und noch in weiter Ferne stand der junge Offizier unverwandt und sinnend nach seiner Heimat blickend auf dem Deck des Schiffes.“

Die Erkennungsmarke des gefallenen Föhrer Soldaten ist nach Auskunft von Ernst-Lüder Sollte (1940-2012), Verfasser von „Erich Heims & Caroline Brautlecht-Deppe und ihre Vorfahren“ (Privatdruck), erhalten. Begraben wurde Christian Brautlecht-Deppe auf dem Militär-Ehrenfriedhof von Lens-Sallaumines. Im Jahr 1929 ließ Fritz Deppe auf das Grab seines Sohnes einen Kranz legen und sich davon eine Fotografie schicken. Nach Soltes Auskunft soll der gefallene Föhrer später in der Endgrablage Block 7 Grab 306 seine letzte Ruhe gefunden haben. Auf Föhr bleibt Christian Brautlecht-Deppe nicht nur mit seinem Namenszug auf dem Boldixumer Friedhof in Erinnerung, auch auf der Familiengrabstätte wird noch einmal ausführlich an ihn erinnert. Ebenso an seinen Bruder Friedrich, der vier Monate später fallen wird. Sollte schreibt: „Den Tod zweier Söhne im Krieg haben Fritz und Rose nie verwinden können.“


Und was geschieht auf den Inseln?

Am 22. Mai 1916 starb auf Föhr der im Urlaub weilende Landsturmmann Friedrich Wilhelm Steinert (geboren 1885 im Kreis Mohringen), der im Ersatz-Bataillon Landwehr-Infanterie-Regiment 75, Hamburg, gedient hatte. Er hinterließ seine Frau Johanna geborene Bornier aus Wyk und drei kleine Kinder, von denen es keine weiteren Nachrichten gibt. Steinert wurde auf dem Friedhof St. Nicolai beerdigt, sein Name findet sich auf dem Ehrenmahl.

Zeitweise mussten Amrumer Schollenfischer und Strandgänger eine Genehmigung der Inselwache vorweisen, wenn sie den Kniepsand betreten wollten. Fischer und Schiffer durften sich nur mit Genehmigung von der Insel entfernen, man befürchtete Lotsendienste für den Feind. Ebenso wurde die Fahrt zu einem bei Westerland gestrandeten Schiff wie das Anlegen in Hörnum untersagt.

Jakob Tholund überliefert folgende Anekdote: Der von Föhr stammende, zur Sylter Inselwache eingeteilte Ocke Julius Bohn (1890-1968) stand mit seinem Freund Lorenz Sass (1889-1950) herum, redete und rauchte. Ein sich unbemerkt nähernder Offizier zu Pferd fragte: „Füsilier Bohn, was machen sie eigentlich hier?“ Der stammelte: „Äh, gar nichts, Herr Leutnant!“ „Und Sie, Sass, was machen Sie?“ Sass antwortete: „Ich helfe Bohn.“

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erstellt am 23.Mai.2016 | 08:30 Uhr

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