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Insel-Bote

04. Dezember 2016 | 09:15 Uhr

Hotel am Südstrand : Generalstabsmäßig vorbereitet

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Peter Schweitzer leitet die Wyker Großbaustelle. Von dem sportlichen Zeitplan lässt sich der 62-Jährige nicht aus der Ruhe bringen.

Die Arbeiten sind in vollem Gange, im April 2018 soll Vollzug gemeldet werden. Das Hotel am Wyker Südstrand ist derzeit eine Großbaustelle, auf der Peter Schweitzer das Zepter in der Hand hat. Der Diplom-Bauingenieur macht seinen Job seit 35 Jahren. Erfahrungen sammelte er nicht nur bei diversen Großprojekten in Deutschland, sondern auch in Russland, Nigeria oder Lybien.

Nun also Föhr. Es soll das letzte Projekt sein. Ende 2015 hatten er und der Investor Wolfgang Müller sich kennengelernt. Die Chemie stimmte und Schweitzer fing an – ein knappes halbes Jahr vor Beginn der Bauzeit. Gut für die Logistik sei dies gewesen, schwärmt er, die Baustelleneinrichtung konnte generalstabsmäßig vorbereitet werden und auch an den Ausschreibungen und der Vergabe für Tief- und Rohbau oder Fassaden sei er eingebunden gewesen.

Seine Baustelle hat Peter Schweitzer im Griff, er ist jeweils der Erste und der Letzte. Dicht dabei ist er auch in der Freizeit: Eine Wohnung hat der Selbstversorger in unmittelbarer Nähe in der Gmelinstraße bezogen. Lob hagelt es von allen Seiten. Für die Ordnung auf dem ehemaligen Gelände der Schöneberger etwa, oder für die akribische Einhaltung der Ruhezeiten. Die den Bauleiter allerdings in ein Korsett zwängen. Einmal in Verzug geraten, wäre der ohnehin sportliche Zeitplan kaum noch einzuhalten. Der Fertigstellungstermin im April 2018 wurde nie angepasst, der Baubeginn hatte sich dagegen von Mitte April auf Ende Juni verschoben. Dennoch realistisch, so Schweitzer, wenn Unbekannte wie das Wetter mitspielen.

Am Rohbau wird derzeit emsig gearbeitet. „Gestern wurde die erste Großbetonage für die Bodenplatte gefahren“, berichtet der Bauleiter. „Zirka 400 Kubikmeter Beton wurden versenkt.“ Heute soll der letzte Großkran aufgestellt werden. 60 bis 70 Rohbauer können dann insgesamt ans Werk gehen. „Erstes Ziel und größter Batzen, wir müssen aus den Tiefgeschossbereichen heraus“, so der 62-Jährige. Es ist der zeitaufwendigste Abschnitt, von den zwölf veranschlagten Monaten Rohbauzeit frisst etwa ein Drittel die Tiefgarage. „Nach oben hin wird ja nur noch ein Drittel so viel Stahl und Beton verbaut, wie im Keller.“ Nachteil: In den Dachbereichen muss in den Wintermonaten gearbeitet werden.

Die Straße muss nicht mehr angetastet werden, Leitungen für Strom und Wasser sind bereits vorbereitet. Wenn der Rohbau den Kellerbereichen entwachsen ist, im Erdgeschoss die Arbeiten an den aufgehenden Bauteilen beginnen, gilt es, Leitungen zu verlegen und die Lücken zwischen Baukörper und Baugrube zu verfüllen. Erreicht der Rohbauer das zweite oder dritte Stockwerk, werden die Gerüste gestellt, die in der Folge mitwachsen. Der nächste große Schritt nach dem Rohbau ist mit Balkonen, Fenstern, Türen, Dämmung, Verputzung und Verklinkerung die Fertigstellung der Gebäudehülle. Im Oktober, hofft Schweitzer, kann dann der Ausbau der technischen Gewerke beginnen. Sobald die Gebäudehülle regendicht ist, kommt der Trockenbauer; Grob- und Feinausbau mit Estrich, Tischler, Fliesenleger, Maler oder Elektriker werden sich durch das Jahr 2017 ziehen.

„Für diese Größenordnungen finden sie auf der Insel niemanden“, berichtet Peter Schweitzer von den Schwierigkeiten, Föhrer Bauunternehmen und Gewerke einzubinden. Diese seien für eine solche Baustelle schlicht nicht aufgestellt. Was bei den Tiefbauarbeiten noch ging, wo ein Subunternehmen vom Festland fehlende Kapazitäten ausglich, war für den Rohbau unmöglich. Selbst eine Aufteilung der Torte in mehrere Stücke war nicht zu machen, so dass schließlich ein Unternehmen aus Baden-Württemberg den Zuschlag erhielt. Dessen Kontakte zu einer Betonfirma wiederum würden eine Spitzenleistung von maximal 50 Kubikmetern Beton in der Stunde garantieren, sagt der Bauleiter. Bei acht Stunden könnten somit 400 Kubikmeter angefahren werden. Eine Menge, so Schweitzer, die in der Spitzenzeit maximal vier Mal benötigt werde, dann aber gesichert sei. Auch der Stahl, von dem Tausende Tonnen benötigt werden, müsse vom Rohbauer dort geordert werden, wo er hergestellt wird.

Auch wenn sich alles um die Baustelle dreht, der 62-Jährige hat Gefallen an Föhr gefunden, am Klima und an Spaziergängen an der Uferpromenade oder Fahrradtouren über die Insel. Bei den seltenen Heimaturlauben dienen Tennisspielen und Motorradfahren als Ausgleich. Ruhepol ist der eigene Bauernhof bei Dresden, wo Peter Schweitzer seit 1993 zu Hause ist. Den hatte er gemeinsam mit seinem Bruder als Ruine erworben und wieder aufgebaut. „Wenn ich da bin und fahre mit dem Trecker meine fünf Hektar Land ab, bin ich glücklich.“

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erstellt am 01.Sep.2016 | 12:30 Uhr

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