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Insel-Bote

05. Dezember 2016 | 15:43 Uhr

Besorgte Eltern : Gemeinden sind in der Pflicht

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Amrumer Zweckverband „Sicherheit und Soziales“ berät über die Zukunft des Inselkindergartens. Leere Kassen gefährden dauerhaften Betrieb.

Der Andrang war groß, als der Zweckverband „Sicherheit und Soziales“ im Foyer des Kindergartens tagte. Die für das Publikum bereitgestellten Kinderstühle waren bis auf den letzten Platz belegt, denn es wurde über die Zukunft der Einrichtung beraten. Der amtierende Verbandsvorsteher Bernd Dell-Missier staunte nicht schlecht, wie viele besorgte Eltern, Mitarbeiterinnen und interessierte Amrumer als Gäste zur Versammlung erschienen waren.

Das Thema hält die Insel in Atem, denn die dramatische Personalfluktuation der letzten Monate macht deutlich, dass im Inselkindergarten seit Längerem etwas im Argen liegt. Die finanzielle Grundausstattung ist nicht ausreichend, um den dauerhaften Betrieb zu sichern. Das Budget für Personal und Sachmittel ist zu gering, die Elternbeiträge sind prozentual zu hoch und die Beiträge der Amrumer Gemeinden im Unterschied zu den Kreis- und Landeszuschüssen zu niedrig. In Schleswig-Holstein sind die Gemeinden nach dem Kindertagesstätten-Gesetz zur Sicherstellung der Tagesbetreuung für alle Kinder bis zu 14 Jahren verpflichtet. Doch die Amrumer Gemeindevertretungen, die im vergangenen Jahr den Zweckverband „Sicherheit und Soziales“ zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben gegründet hatten, unterlagen offenbar viele Jahre dem Glauben, Kinderbetreuung sei in erster Linie Elternsache und sie stünden nicht in der Pflicht. Doch die Gemeinden müssten dieser Aufgabe nachkommen, gäbe es keinen freien Träger. Und das wäre, so eine Querschnitts-Untersuchung des Landesrechnungshofes, deutlich teurer als die dringend notwendige Anpassung der Gemeindezuschüsse auf das Landes-Durchschnittsniveau.

Der Vorstand des „Vereins Kindergarten Amrum“ als Träger der Einrichtung zog nun den erfahrenen Sozialmanager Lothar Herberger zu Rate, der dem Zweckverband auf der Versammlung eine Strukturanalyse der Einrichtung vorstellte und Tacheles redete. Man setze auf die Einsicht der Gemeinden, betonte Herberger. Qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher im Inselkindergarten zu beschäftigen, die von ihrem Gehalt auf Amrum auch wohnen und leben können, seien die Voraussetzung für eine dauerhafte Lösung der Probleme. „Letztlich geht es doch um die Zukunftsfähigkeit der Insel“, so Herberger, denn die brauche berufstätige junge Leute mit Kindern. Und diese hätten das ganze Jahr über das Recht auf eine qualifizierte und verlässliche Ganztagskinderbetreuung.

Da der Zweckverband die wesentlichen Fragen in den nichtöffentlichen Teil verbannt hatte, blieb die interessierte Öffentlichkeit außen vor. So kamen sich die Zuhörer einigermaßen überfahren vor, auch wenn Versammlungsleiter Bernd Dell-Missier nach der Einwohnerfragestunde im öffentlichen Teil einige allgemeine Fragen zum Tagesordnungspunkt Kindergarten zuließ.

Tobias Lankers, der lange den Vorsitz des Kindergartenvereins innehatte, stellte die Einrichtung vor und berichtete über die Entwicklung der fünf verschiedenen Gruppen des vereinigten Inselkindergartens und die Finanzentwicklung seit 2011. Lothar Herberger beantwortete Nachfragen zum aktuellen Stellenplan und wies auf die finanzielle Schieflage gegenüber vergleichbaren Einrichtungen hin, die es verhindere, qualifiziertes Personal vom Festland zu gewinnen. Zumal es im Umkreis viele Mitbewerber gäbe, die zumindest Tarifgehälter zahlten.

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erstellt am 27.Sep.2016 | 12:30 Uhr

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