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Insel-Bote

10. Dezember 2016 | 00:22 Uhr

Auf Amrum : Gemeindehaus wird zum Kunsthaus

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die jährliche Rotary-Ausstellung in Norddorf ist längst ein Publikumsmagnet. Ein Teil der Verkaufserlöse fließt in soziale Projekte.

Dass ein junger Mensch knapp zweieinhalbtausend Euro hinblättert, um ein feuerwehrrotes Landschaftsbild von Amrums Maler- und Burgenbaulegende Otfried (Panscho) Schwarz zu kaufen, hat Charme. Überhaupt wurde wieder gut verkauft beim „Künstler auf Amrum“-Fest, für das die Rotarier der Insel das Norddorfer Gemeindehaus samt Garten zwei Tage lang in ein buntes Kunstkarree verwandelten.

Die Türen waren gerade geöffnet, das Grußwort von Christian Peters, Amrums amtierendem Rotary-Präsidenten, war gerade gesprochen, da drängelte man sich schon vor den Bild- und Fotowänden. „So schöne Sachen, da brauche ich viel Zeit. Wir kommen morgen bestimmt noch mal“, hörte man von vielen Gästen, die bei der Vernissage am ersten Abend dabei waren. Das besondere an der Atmosphäre ist die Ungezwungenheit, mit der Aussteller und Gäste aufeinandertreffen.

Insgesamt 23 Künstler stellten aus. Darunter ein paar neue. Zum Beispiel der Pariser Franck D. Blady, seit Jahren Kunstlehrer am Internat Louisenlund, der Traumlandschaften erschafft, in dem er aus Zeitschriften Models in abstrakte Farbräume verpflanzt, wo er sie mit sich selbst konfrontiert. Der größte Teil der Künstler hat Wohnsitz oder Elternhaus auf Amrum: Kai Quedens, Birgitt Sokollek, Georg Dittmar, Hilla Randow oder Nick Jungclaus. Weiter dabei: Elmar Koritzius, Satteldünen-Kunstpädagogin Katrin Biederstaedt, Öömrang-Skuul-Lehrer Rüdiger Seiffert und die Fotografen Jan Dettmering, Fabian Ploppa und Jens Gerdes.

Teilzeit-Amrumer sind der Maler Rüdiger Skadow, Grafiker Tobias Hartmann, Felix Karweick und Holzbildhauerin Ria Bredemeyer, Steffen Ulbrich und Sebastian Dörken, ein Berliner Designer, der jedes Jahr ein paar Wochen als Sabbatical bei der Norddorfer Surfschule verbringt.

Immer-wieder-gerne-Kommer Almut Büsing und Guna Scheffler, die als Malerin und Steinbildhauerin schon seit Jahren gemeinsam ausstellen und natürlich die Sylt-Berliner Ingo und Annette Kühl. Ingo Kühl blätterte seine Skizzenbücher auf und zeigte begeistert auf das Dachfenster eines alten Hauses in Kampen. „Ein Abbruchhaus, was wir ein paar Jahre bewohnen durften. Da habe ich vom Fensterbrett aus die schönsten Bilder gemalt, und meine Frau gab unten Malkurse.“ Und weil die schöne Feststimmung schöne Geschichten hervorbringt, wird diese auch noch erzählt: Kühls Vater hatte sich jahrelang sommers wegen einer Atemwegserkrankung seines kleinen Sohnes als Polizei-Bäderdienstler auf Amrum verdingt.

Rotarier Freddie Flor war als Erfolgs-Klebepunkt-Beauftragter ständig unterwegs, um die Verkäufe mit Rotary-Logo zu markieren und in sein kleines, schwarzes Büchlein zu notieren. Von den Erlösen spenden die Künstler dem Club – „für unsere Dienste oder ihre Glückseligkeit“, sagt Flor und lacht. Die Rotarier schieben damit wieder neue – auch internationale – Projekte an. Zu den neuesten Amrumer Projekten gehört die Unterstützung der Öömrang Skuul in Sachen EDV und Schüler-Ganztagsbetreuung sowie im letzten Jahr die Anschaffung eines Regatta-Piraten für Amrumer Segelkinder.

Zurück zum Fest: Der feine Wein, das feine Essen, die schöne Musik von Lenard Streicher und Rüdiger Sokollek ließen die Gäste flanieren und flanieren. „Das ist unsere zehnte Runde“ sagt ein Paar. „Wir sehen immer wieder was Neues.“ Ebenfalls Rotary-Usus ist der Besuch der Veranstaltungen anderer Clubs. „Wir erfüllen so aufs Angenehmste unsere Präsenzpflicht“, sagt Stefan Conrads, der mit seiner Frau vom Rotary-Club Solingen-Klingenpfad angereist war. Ihm gefielen besonders die Fotos der Strandburgen bei Nacht, ein Sujet auf das sich der Wahl-Wittdüner Jens Gerdes spezialisiert hatte.

Auch Amrums Leuchttürme und -feuer waren naturgemäß Gegenstand vieler Kunstwerke. Jan Dettmerings Norddorfer Quermarkenfeuer unter Sternenhimmel wirkte auf dem Textildruck-Untergrund derart realistisch, dass er viele Fragen zur Entstehung beantworten durfte. Fabian Ploppas Leuchtturm-Rakete war als gut gemachter Fake auf jeden Fall ein Hingucker und Tobias Hartmanns Leuchtturm-von-unten-Bild lockte bei manchen Insulanern alte Erinnerungen hervor: „Genau so war das, wenn wir als Jugendliche mit den Füßen am Turm im Gras-Bett lagen und hoch guckten. Dann drehte sich der Himmel – und nicht das Licht. “

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