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Insel-Bote

30. September 2016 | 01:47 Uhr

Ferring-Stiftung und Öömrang Ferian : Geballte Friesisch-Expertise

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Alljährlich treffen sich die Insel-Friesen. Dieses Mal gab es auf Amrum viele interessante Informationen.

Wenn die Freundeskreise vom Öömrang Ferian und der Ferring-Stiftung sich treffen, muss man immer ein bisschen Angst haben, dass sie Ernst machen und nur Friesisch sprechen. Was schade wäre, weil sie immer so interessante Geschichten zu erzählen haben, die man dann ja nicht verstünde. Der Amrumer Verein und die Föhrer Stiftung, in Sachen friesischer Kultur und Sprache das Nonplusultra auf den beiden Inseln, laden sich einmal jährlich gegenseitig ein und unterhalten sich und alle Gäste mit tollen Inselgeschichten. Dieses Jahr auf dem Programm: die Hügelgräber in Steenodde, Amrums Weg zum Ferienparadies und die große Bedeutung der damaligen Navigationsschulen auf Föhr.

Als erster am Start war Experte Eckhart Schwarz, am bronzezeitlichen Esenhugh und der Steinkammer Ual Höv in Steenodde, das aufgrund seiner Lage – hoch auf dem Gipfel eines Geestkerns – beliebt war als letzte Ruhestätte. Der Mann ist ein Amrumliebhaber seit Jahrzehnten und hat sogar die Lizenz zum Graben, weshalb er auch erzählen durfte, dass er auf dem berühmtesten Hügelgrab der Insel in den 1960-er Jahren noch eine herzförmige Pfeilspitze fand, die der Kieler Wissenschaftler Otto Olshausen, der vor über hundert Jahren maßgeblich an den Inselgrabungen beteiligt war, übersehen haben musste. Die Zahl der auf Amrum gefundenen wikingerzeitlichen Hügel reduzierte sich deutlich von 138 auf heute gerade mal 20. Die Landwirtschaft forderte plattes Land. Der Esenhugh aber blieb unangetastet, die Kieler Uni schütze ihn durch Kauf. Man vermutet dort als zentrales Begräbnismittel einen Baumsarg oder eine Steinkiste.

Weiter zog die wissbegierige Karawane nach Nebel, um Georg Quedens Geschichte zu den touristischen Anfängen Amrums zu hören. Der alte Mann vom Meer, der scheinbar nie ohne seinen Diaprojektor (Bronzezeit!) aus dem Haus geht, erzählte vom Wandel der wertlosen Dünen zu Goldküsten-Bauland und den Folgen der Entwicklung, sich gegen Kühe und für Feriengäste entschieden zu haben.

Nach dem Essen ging es weiter nach Norddorf ins Seeheim. Dort erläuterte Jens Quedens – auf Friesisch – den Stand der Dinge zum Projekt Walausstellung in der alten Einschwimmhalle. Inzwischen ist die Präparation des Skelettes fast abgeschlossen, der Umbau der ehemaligen Schwimmhalle sowie die Gestaltung der Ausstellung stehen noch aus. Um diese möglichst attraktiv und zeitgemäß zu gestalten, warb Quedens noch einmal um Spenden.

Es folgte ein Vortrag über die Navigationsschulen auf Föhr durch Volkert Faltings von der Ferring-Stiftung, der die Bedeutung der privaten Navigationsschulen und die Leistungen von Pastor Richardus Petri für die erfolgreiche Seefahrtsgeschichte der Föhrer während des Zeit des Walfanges unterstrich.

Faltings berichtete, dass unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ der Pastor die erste private Navigationsschule auf Föhr gründete. Später waren solche Schulen in vielen Haushalten Föhrer Seeleute zu finden. Für sehr geringes Entgelt konnte sich jeder diese Ausbildung leisten und so kam es, dass in der Blütezeit des holländischen Walfanges etwa 25 Prozent der Walfangflotte mit Föhrer Kommandeuren besetzt war. Faltings wusste zu berichten, dass die Anzahl von Kommandeuren und anderen Schiffsoffizieren, die nicht aus Holland kamen, niemals durch ein anderes Herkunftsgebiet übertroffen wurde.



Für das Pottwal-Projekt wurde bei der Föhr-Amrumer Bank ein Spendenkonto eingerichtet.: Stichwort „Wal-Spende“, IBAN DE64217919060020105325, BIC GENODEF1WYK. Weitere Infos unter www.naturzentrum-amrum.de.

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