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Insel-Bote

10. Dezember 2016 | 13:54 Uhr

Friesisch auf Föhr : Ganz große Klasse

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Mit ihren friesischen Kurzgeschichten waren die Oberstufenschüler der Eilun Feer Skuul erfolgreich beim NDR-Wettbewerb.

Es war eine konzertierte Aktion par excellence (mag das jemand ins Friesische übersetzen?): Ein ganzer Oberstufenjahrgang der Eilun Feer Skuul hat mit seinen Kurzgeschichten den Erzählwettbewerb „Ferteel iinjsen“ geentert, den der Radiosender NDR 1 Welle Nord alle zwei Jahre veranstaltet. Die 17 Föhrer Schüler haben zehn Geschichten eingereicht – eine satte Zahl bei insgesamt 50, die in den Wettbewerb gingen. Prompt gewannen auch zwei von ihnen: Lina Hinrichsen und Malena Ohlsen. Die beiden besten Freundinnen waren total überrascht und ganz gerührt, als ihre Geschichte „A briaf“ (Ein Brief) laut auf der Bühne vorgelesen wurde. „Wir wollten was Süßes schreiben“, sagten die beiden über ihre Story, in der ein Liebesbrief versehentlich in einen Stapel Klassenarbeiten gerät, der auf dem Arm des Lehrers (unwiederbringlich?) ins Lehrerzimmer verschwindet. Die Begründung der Jury: Die Siegergeschichte der 17- und 18-Jährigen sei im Schulmilieu angesiedelt, wecke Mitgefühl und überrasche stilistisch mit einem offenen Ende.

Wie eine Kurzgeschichte aufzubauen ist, war bei den Schülern gerade Thema im Unterricht. Friesisch-Lehrer Erk Roeloffs hatte die Idee, die Theorie gleich ins richtige Leben zu übertragen und motivierte seine Schüler zur Teilnahme. „Das Argument, die Geschichten mit in die Note einfließen zu lassen, half natürlich“, sagte Roeloffs schmunzelnd.

Die Schüler arbeiteten teils in Zweiergruppen, schließlich sind maximal die Hälfte von ihnen im Friesischen heimisch. Justin Obojiagbe kämpfte sich tapfer allein durch die Wörterbücher. „Ich habe rechts und links gefragt und auch erst auf Deutsch vorgeschrieben“, erklärte der 17-Jährige. „Manchmal war es echt schwierig, für ein ausdrucksstarkes Wort das richtige auf Friesisch zu finden“, sagte seine Mitschülerin Emma Eisersdorff. „Ich fand es schwer, mich an eine Geschichtsstruktur zu halten, den Endpunkt immer im Blick zu haben, aber nicht voraus nehmen zu dürfen“, machte Evje Wieck deutlich.

Lehrer Roeloffs stand seinen Schülern mit Rat zur Seite und half beim Wörter und Themen suchen. „Das hat einigen ganz schön Bauchschmerzen bereitet“, sagte er. „Es war schwierig, sich etwas auszudenken, was nicht so typisch für Glück ist“, fügte Marike Lorenzen hinzu.

„Wat’n lok – was für ein Glück“, war das Thema in diesem Jahr. Dafür haben sie vielfältige Erzählansätze gefunden: eine Flüchtlingsgeschichte, der Liebesbrief, ein besonderer Geburtstag, ein Blitzeinschlag sowie eine philosophische Betrachtung über die andere Seite des Glücks. Die Schüleraktion hat Lust gemacht auf die friesische Sprache, die in Schleswig-Holstein zum kulturellen Erbe zählt. „Wir sind eigentlich gar nicht so kreativ, deshalb waren wir ganz verwundert, was dann hinterher raus kam“, sagen die beiden Gewinnerinnen.

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