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Insel-Bote

09. Dezember 2016 | 05:04 Uhr

Auf Föhr und Amrum : Fusion soll die Gemeinden stärken

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Norbert Wieh ist Gemeindereferent der katholischen Kirchen auf den Inseln. Er begleitet die Bildung des pastoralen Raums Nordfriesland.

„Auf Föhr und Amrum herrscht eine sehr offene, ökumenische Einstellung und es wird sehr selbstständig gehandelt. Es überwiegt das Gefühl, eine Gemeinde zu sein.“ Norbert Wieh, seit Mai neuer Gemeindereferent der katholischen Gemeinden St. Marien auf Föhr und St. Elisabeth auf Amrum stellt beiden Inseln ein gutes Zeugnis aus. Wieh, dessen Arbeitgeber das Erzbistum Hamburg ist und der auch für die St.-Christophorus-Gemeinde auf Sylt zuständig ist, hat seine neue Stelle in einer spannenden Zeit angetreten: Kürzlich ist der Startschuss für den pastoralen Raum Nordfriesland gefallen, die drei Pfarreien Husum, Niebüll (zu der auch Föhr und Amrum gehören) und Sylt sollen zu einer verschmelzen. Nach eineinhalb Jahren voller Diskussionen und anfänglicher Skepsis hatten die zuständigen Gremien zugestimmt. Drei bis vier Jahre soll der Entwicklungsprozess dauern; da die Pfarrstellen in St. Gertrud und St. Christophorus vakant sind, ist der Husumer Pfarrer Oliver Meik zugleich Pfarradministrator für Niebüll und Sylt.

Wiehs Aufgabenbereich umfasst die allgemeine Seelsorge und die Begleitung der einheimischen Katholiken, als Ansprechpartner vor Ort insbesondere außerhalb der Saison. Doch der Gemeindereferent soll auch nach vorn schauen: „Vom Bistum habe ich den Auftrag, zu sondieren, welche Entwicklungsmöglichkeiten die Touristenseelsorge auf den drei Inseln noch bietet.“ Denn die Gemeinden sind im Zuge der Umstrukturierung gehalten, möglichst innovative Schwerpunkte für sich zu setzen. „Was können wir, was wollen wir, was ist realisierbar“, sei die Devise, betont Wieh, dass man sich mancherorts auch von Liebgewonnenem werde trennen müssen. Ein Prozess, der vor dem Hintergrund steigender Touristenzahlen und sich ändernder Bedürfnisse der Menschen nötig sei, betont Pfarrer Oliver Meik, der offen ist für neue Formen über das Gottesdienst- und das erste seelsorgliche Gesprächsangebot hinaus.

Norbert Wieh bereitet also die Zukunft vor, jedenfalls bis zum Ende des Jahres 2018. Dann geht der 63-Jährige in den Ruhenstand und macht Platz für einen Nachfolger. Auf acht Jahre sei die Stelle, die vom Erzbistum eigens angesichts der besonderen Inselsituationen geschaffen worden sei, vorerst befristet. In Bremen geboren, hatte er nach einer Kaufmanns-Lehre in Paderborn Religionspädagogik studiert. Nach Tätigkeiten im Emsland und in Wedel sowie in Elmshorn und am Kleinen Michel in Hamburg folgte er nun dem Ruf auf die Inseln.

Föhr und Amrum sieht der Geistliche für den anstehenden pastoralen Raum bestens gerüstet. Die Voraussetzungen seien gut, nahtlos in die neue Struktur überzugehen. „Es gibt natürlich Ängste“, weiß er, dass die Gemeinden verunsichert sind. Dabei sei die Idee der pastoralen Räume nicht neu. Für jede Gemeinde sei ein hauptamtlicher Ansprechpartner vorgesehen, der, ebenso wie die Priester, seine Schwerpunkte habe. Von Vorteil sei zudem, dass nur noch ein Pfarrer für das Administrative zuständig sei, alle anderen für die Seelsorge. Vor Ort werde es weiterhin ein Gremium geben, das sich um die lokalen Belange kümmert. Was nicht mit mehr Aufgaben für die Ehrenamtlichen einhergehe. „Um das zu gewährleisten, werden die Pfarreien nicht einfach zusammengelegt, sondern die Entwicklung dauert mehrere Jahre.“ Wieh hofft, dass der anstehende Prozess in aller Offenheit behandelt wird, dass alle Ideen, Wünsche und Vorstellungen eingebracht werden.

Dass sich nichts ändert, betont auch Oliver Meik. Die Inseln hätten bisher schon sehr selbstständig ihr Glaubensleben organisiert und getragen. „Im Moment ändert sich nur, dass der Pfarrer nicht mehr in Niebüll, sondern in Husum sitzt.“ In die Zukunft schauen kann allerdings auch der Husumer Geistliche nicht. „Es wäre gut, wenn die Selbstständigkeit der Gemeinden weiter gestärkt würde“, hofft er auf Strukturen mit kleineren, regionalen Ausschüssen, die vor Ort Situationen besser beurteilen könnten. Und das Glaubensleben hänge ohnehin nicht von einem pastoralen Raum, sondern von den Menschen ab, die das Gemeindeleben tragen.

Wo die Reise darüber hinaus für Föhr und Amrum hingeht, muss sich noch herauskristallisieren. Es wird weiterhin auf beiden Inseln in der Saison von Ostern bis Oktober Gastpriester geben, die die Gottesdienste abdecken. „Sind die nicht da, könnten an ein bis zwei Sonntagen Messen gehalten werden, an den übrigen gäbe es Wortgottesdienste“, sagt Norbert Wieh. Hier würden Gespräche folgen und die Wünsche der Ortsgemeinden gehört. Für die übrige Zeit soll eine stabile Regelung gefunden werden. Auch Oliver Meik wird die Inseln besuchen und Gottesdienste halten, „das wird sicher nicht so häufig sein, wie das in Husum der Fall ist“, so der Husumer Pfarrer, „wir müssen abwarten, wie sich das einspielt und was ein guter Rhythmus sein kann.“

Seinen Rhythmus sucht derzeit auch noch Norbert Wieh, der künftig regelmäßige Sprechzeiten anbieten will. „Angedacht ist ein fester Tag pro Woche auf jeder Insel.“

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erstellt am 06.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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