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Insel-Bote

09. Dezember 2016 | 14:40 Uhr

Auf Amrum : Feuerwehrdienst in Schlabberjacke

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Für die zierliche Susanne Jensen gab es lange keine passende Uniform. Trotzdem ist sie seit Jahren in der Wehr aktiv.

Ganz gendertypischer Einstieg: Wie ist es als Frau bei der Feuerwehr? Susanne Jensen lacht sofort. „Wir haben jetzt endlich in meiner Größe eine Jacke gefunden. Aber sonst ist alles normal. Was man mal nicht schafft, das tragen die Männer.“ Jensen ist 1,56 Meter klein und hatte viele Feuerwehrjahre lang immer jackenschlabber um Körper und Arme. „Selbst die kleinste Männergröße ist mir viel zu riesig“, sagt sie. Nun endlich ein kleines Sondermodell. Die 51-Jährige, die bis ins letzte Jahr Leiterin des Nebeler Kindergartens war, ist nicht die einzige Frau bei den Inselwehren. In Süddorf ist Claudia Motzke Wehrführerin und in Wittdün vertritt Petra Müller den Wehrführer. Jensen gehört zur Nebeler Wehr und ist seit ungefähr 15 Jahren dabei. „Das hat sich einfach so ergeben. Ich wollte mich irgendwo engagieren, irgendwas für die Insel tun. Da bin ich zu einem Probedienst gegangen – und geblieben.“

Beim Gedanken an die ersten Dienste muss sie lachen. „Ich habe gemeinsam mit Peter Lückel angefangen. Wir beide zusammen am Strahlrohr. Er ungefähr doppelt so lang wie ich. Das gab lustige Fotos damals.“ Inzwischen hat sie neben Truppmann 1 und 2 die Lehrgänge für Maschinen, Motorsäge, Brandschutz und als Funkerin und Sicherheitsbeauftragte absolviert. Und – auch das geht bei der Feuerwehr – schon einmal ausgesetzt für ein paar Jahre.

Jensen, die in Appen aufwuchs, kam als frisch ausgelernte Erzieherin auf die Insel, 31 Jahre ist das her, arbeitete erst bei der Fachklinik Satteldüne, dann im Wittdüner Kindergarten, lernte ihren Mann, heute Ex-Mann, kennen und bekam zwei Kinder, die mittlerweile 22- und 26-jährig in Amrumer Betrieben arbeiten und von denen einer vor Kurzem in die Feuerwehr eintrat. Als Jensen vor sechs Jahren den Cut mit der Feuerwehr machte, tat sie das sehr bewusst. „Ich wollte mein Leben mal wieder so ordnen, dass auch ich darin vorkomme.“ Die Akzeptanz von Seiten der Kameraden war sofort da. „Schön zu sehen war das“, sagt Jensen. Ihre klare Ansage war ihr damals wichtig. „Wenn ich den Job mache, dann ganz und vernünftig. Aber nicht halb.“

Nach dem zweiten Wintersturm zum Jahreswechsel 2013/14 war sie wieder drin in der Wehr. Sie ist froh, zum Erhalt der Sicherheit auf der Insel beitragen zu können. Ihr gefällt die Zusammenarbeit, „die ist sehr eng, wenn es hart auf hart kommt.“ Ihre Hoffnung ist, dass viele Jüngere nachrücken. „Ich kann nur sagen, man lernt viel, auch fürs Leben. Das Erste-Hilfe-Wissen hab ich schon oft gut gebrauchen können.“

Sie weiß, dass man nicht in vorderster Front mit dabei sein muss. So ist sie selbst keine Atemschutzgeräteträgerin. „Ich hatte einmal die volle Montur an und wusste gleich, das ist nichts für mich. Aber ich kann zum Beispiel funken und dokumentieren. Die Menschen im Hintergrund sind auch wichtig.“

Susanne Jensen hat noch einen zweiten Pieper, den Flusi: Flugsicherungspieper. Im wöchentlichen Wechsel sind immer zwei Feuerwehrleute bei Dunkelheit in Bereitschaft. Wenn im Display leuchtet „Hubschrauberlandung in 35 Minuten“, dann machen sie sich auf den Weg, um am Landeplatz mit Scheinwerfern und Blaulicht den Helikopter zu lotsen. Erst wenn der sich im Landeanflug befindet, schalten sie die Lichter aus. Die Bestätigungsmeldung für den Einsatz haben sie vorher nach Harrislee zur Leitstelle abgesetzt. Jensens letzte Bereitschaft war im Juli. Die nächste wird im Oktober sein.

Sie hat Verständnis für jeden, der sich fragt, wie sich die Feuerwehr in den normalen Tagesablauf integrieren lässt. „Egal auf welcher Fortbildung ich war, rumsdibums hätte ich wieder eine Aufgabe mehr haben können.“ Aber, sagt sie, man solle keine Scheu haben, sich das einfach mal anzugucken, und sich sein eigenes Urteil bilden. „Man kann auch ganz viel fragen“, sagt sie. „Das ist gut gegen jede Unsicherheit.“ Sie mag es, wenn nach den Wehrübungen in Nebel (letzter Donnerstag im Monat, zusätzlich jeder zweite Mittwoch) der Grill angeworfen wird. „Wir sprechen dann durch, wie der Dienst gelaufen ist. So ein kleines Resümee.“ Sie schätzt die Zusammenarbeit mit den anderen Inselwehren – überhaupt das Miteinander.

Ein besonderes Miteinander zwischen Wehr und Bürgern gibts zur Weihnachtszeit. Dann ziehen sich die Feuerwehrleute ihre erste Geige, die Uniform, an, und gehen in den Häusern sammeln. „Den Jahresbeitrag“, sagt Susanne Jensen und lacht. Sie gehen immer zu zweit, und klingeln an allen Türen. „Das ist ein alter Brauch. Und tatsächlich gibts ganz viele, die schon auf uns warten.“ Klönschnack garantiert.

Mittlerweile arbeitet Jensen in einem Wittdüner Modeladen in der Nähe des Anlegers. Umziehen wird sie auch. Und neue Feuerwehrpläne gibts auch. Sie ist dieses Jahr bei der PSU, der Psychosozialen Unterstützung, mit eingestiegen. Neben Lars Thomas und Peter Lückel die dritte von dieser kleinen Insel. Ihr Probejahr bei den Feuerwehrseelsorgern läuft. Sie nimmt alle drei Monate an den Treffen in Flensburg teil. Wenn alles gut geht, startet nächstes Jahr der Lehrgang. „Mich hat das immer interessiert, aber als ich 2013 wieder bei der Feuerwehr einstieg, war in dem Bereich gerade kein Bedarf.“ Die Telefonbereitschaft für die nordfrieslandweite Hotline der Seelsorger darf sie schon besetzen.

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