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Insel-Bote

08. Dezember 2016 | 05:15 Uhr

Zwischen amrum, Föhr und Sylt : „Es war unendlich anstrengend“

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Zum zweiten Mal fand der Tri-Islands-Triathlon statt. 506 Sportler nahmen teil, 85 mussten das Rennen nach der Rad-Disziplin beenden.

Drei Inseln, drei Sportarten und 506 Teilnehmer: Am Sonnabend fand der zweite Red Bull Tri-Islands-Triathlon auf Amrum, Föhr und Sylt statt. Pünktlich um 14.30 Uhr fiel an der Amrumer Nordspitze der Startschuss.

Bereits das Schwimmen dürfte für viele abschreckend sein: Fast drei Kilometer durch das Wattenmeer, von Amrum nach Föhr. Ohne intensives Training ist das bereits nicht zu schaffen. Dazu noch 40 Kilometer auf Föhr Fahrrad fahren um dann auf Sylt zehn Kilometer teils durch den Sand laufen: Denn wer nach dem Start um 14.30 Uhr länger als zweieinhalb Stunden brauchte, um nach Föhr zu schwimmen und Fahrrad zu fahren, hatte Pech: Wegen des Niedrigwassers geht der letzten Shuttle zur Läuferstrecke bereits um 17 Uhr. 85 Sportler schafften es in diesem Jahr nicht bis nach Sylt und mussten auf Föhr bleiben. Für Daniel Unger, Renndirektor des Triathlons, ist dieser Cut-Off das Besondere am Tri-Islands: „Man merkt, die Vorfreude bei den Sportlern ist groß. Und man bemerkt auch dieses Kitzeln: Komme ich nach Sylt oder schaffe ich es nicht. Das ist schon etwas, was man sonst so nicht hat.“

Am Morgen waren hingegen noch alle dabei, als es auf eine Streckenerkundung der besonderen Art ging: Durch das Watt von Föhr nach Amrum. Für viele das erste Mal zwischen den Inseln war dieser Weg ein Alleinstellungsmerkmal des Tri Islands. Wo sonst kann man die Schwimmstrecke zuvor zu Fuß abgehen? Auf Amrum angekommen hieß es erstmal warten. Erst um 14.30 Uhr gab es den Startschuss für den Weg durch das Wasser. Für viele war diese Wartezeit ungünstig, da der Körper langsam die ausgebaute Spannung verlor.

Schnell setzten sich dann beim Schwimmen ein paar Sportler ab, der Vorjahressieger Jonas Schomburg verließ auf Föhr nach nur 40 Minuten das Wasser und machte sich mit etwas Vorsprung auf die 40 Kilometer Radrunde. Profitriathlet Sebastian Kienle war ebenfalls in der Führungsspitze vertreten. Auch auf der Radrunde konnte sich Schomburg an der Spitze des Feldes behaupten. Auf den zwei Runden, 18 beziehungsweise 22 Kilometer am Deich entlang und durch die Dörfer zurück, gab es ein paar kleinere Stürze, doch für viele Athleten zählte nur eines: Rechtzeitig die Wechselzone erreichen.

Während sich ein Großteil der Sportler noch auf der ersten Runde der Fahrradstrecke befand, wurde es für die mehreren Tausend Zuschauer am Utersumer Deich schon wieder spannend: Gegen 16.10 Uhr erreichte Jonas Schomburg die Wechselzone und konnte sich als Erster sehr viel Zeit lassen. Da immer nur Boote à zwölf Personen nach Sylt übersetzten, musste er noch fast eine Viertelstunde warten, bis das erste Boot endlich voll war. Der Zweitplatzierte Sebastian Kienle hatte sogar noch Zeit für ein Interview: „Die Zuschauer sind echt der Wahnsinn. Eine super Stimmung!“, sagte der amtierende Iron-Man-Europameister.

Nachdem das erste Boot dann weg war, ging es Schlag auf Schlag: Teils im Sekundentakt kamen neue Läufer, die die Fährtickets nach Sylt ergattern wollten. Viele waren erleichtert, als sie endlich am Steg auf die Speedboote warten konnten. „Geil! Super Wetter, ruhige See, perfekt!“, freute sich zum Beispiel Dominic Sander über die Bedingungen, glücklich, rechtzeitig das Ticket gelöst zu haben. Und für Dorothee Merkle zählte nur eines: „Ich bin auf Sylt! Egal was passiert, das zählt!“

Für Anne Becker wurde es dagegen dramatisch: Während der Countdown für die Knock-Out-Zeit bereits lief, war sie auf den letzten Metern zum Ticketschalter nach Sylt. Am Ende fehlte nur eine Sekunde. „Klar, die Enttäuschung ist riesig. Sylt war das große Ziel.“

Während bei den einen schon die Regeneration startete, kämpften die Athleten an der Spitze des Feldes bereits auf der Laufstrecke um die Platzierungen. Im Hörnumer Hafen angekommen ging es für sie auf einem Rundkurs zehn Kilometer über die Insel. Nach 2:46:20 Stunden war es dann geschafft: Jonas Schomburg überquerte, umjubelt von rund 7000 Syltern und Gästen, die Ziellinie. „Das war ein Start-Ziel-Sieg“, freute sich der 22-jährige aus Hannover-Langenhagen. „Am schwersten waren die Sandpassagen im aufgeweichten Boden – die letzten drei Kilometer musste ich die Zähne zusammenbeißen“, so Schomburg. „Die Zuschauer fiebern mit wie bei einem der großen Rennen, dazu kommen der nordfriesische Charakter und die Bootsfahrt“, sagte Schomburg, der den Wettkampf bereits im vergangenen Jahr gewonnen hatte.

Beste Frau war Hanna Kristina Winckler, die ebenfalls zum zweiten Mal beim Inselhopping siegte. Als sie das Ziel nach 3:02:51 erreichte, konnte sie sich zunächst kaum auf den Beinen halten. Ihr Gesicht war schmerzverzerrt – trotzdem schaffte sie es, ein stolzes Lächeln hervorzubringen. „Es war unendlich anstrengend, das Laufen war mit Abstand das schlimmste“, sagte die 29-Jährige aus Harrislee bei Flensburg. Für sie sei der Tag perfekt gewesen – Sommer, Sonne und ein Publikum, das noch zusätzlich motiviert hat – „das war faszinierend und echt total schön. Ich bin total glücklich.“

Große Begeisterung auch bei den Zuschauern: „Ich habe meine Freundin Manuela Dierks beim Laufen angefeuert“, sagt Dennis Masurat (42) aus Hamburg. Im letzten Jahr hat auch er am Tri-Islands teilgenommen „Das Besondere an diesem Wettkampf ist die Vielseitigkeit“, sagt er.

Mit der kompletten neunköpfigen Famillie war Helena Schreiner aus Westerland in den Inselsüden gekommen, um die Triathleten zu begrüßen. „Ich bin begeistert, das ist eine super Atmosphäre hier“, sagte die 30-Jährige. Aufgrund des erneuten Erfolgs sei der Getränkehersteller bemüht, nächstes Jahr wieder starten zu können. „Wir sind derzeit in Gesprächen und versuchen alles, damit es 2017 wieder klappt“, so Red-Bull-Sprecherin Sarah Wenger.

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