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Insel-Bote

24. März 2017 | 03:14 Uhr

Eine Reise ins Baltikum

vom

Schleswig-Holstein Musik Festival auf Föhr mit estnischen Sagen und Märchen eröffnet

alkersum | "Es ist wie im richtigen Leben", kommentierte eine begeisterte Zuhörerin die Musik, "mal erlebt man Höhen, mal Tiefen, mal ist es ruhig, mal lebhaft".

Die Auftaktveranstaltung des Schleswig-Holstein Musik Festivals auf Föhr entführte das Publikum im Alkersumer "Grethjens Gasthof" nach Estland, das - lange "fremdbestimmt" - seine Unabhängigkeit erst 1917 erreichte. In einen Spiegel der nationalen Eigenheit und Identitätssuche des Landes ließen Rezitator Stefan Kurt, Flötist Jürgen Franz, Rodrigo Reichel (Violine) und Heiko Ossig (Gitarre) das Publikum an diesem Abend blicken.

Kurt, Grimme-Preisträger und Schauspieler (Der Schattenmann), las Märchen des estnischen Arztes, vor allem aber Schriftstellers Friedrich Kreutzwald, der mit seinen estnischen Sagen und Märchen zu den Mitbegründern einer landeseigenen Literatur zählt (wir berichteten).

Stefan Kurt als "Profi-Leser" zu gewinnen, der stimmungsvoll von "Baumling und Borkling", "Loppi und Lappi" oder dem "Glücksrubel" las, war ein besonderes Erlebnis; die kleinen Lokalsagen, die alle gleichsam ein Ende mit dem erhobenen (moralischen) Zeigefinger fanden, hatten es nicht schwer, das Auditorium in ihren Bann zu ziehen und mit auf eine Reise ins Baltikum zu nehmen.

Eine musikalische Umrahmung fanden die Märchen mit Werken zeitgenössischer Komponisten wie René Eespere (geb. 1953), Raimo Kangro (1949 - 2001), Peeter Vähi (geb. 1955) und Arvo Pärt (geb. 1935). Auch hier wurde der Versuch, einen eigenen estnischen Charakter zu kreieren, sehr deutlich. Während Eesperes "Trivium" für Flöte, Violine und Gitarre und Kangros "Alla sincerone" opus 49 c für Flöte und Gitarre und "Idiomen" opus 43 für Flöte, Violine und Gitarre schwungvoll und lebendig waren, forderte Peeter Vähis "Mystical Uniting" für Flöte, Violine und Gitarre geradezu heraus, nach "dem" Stil zu suchen, da sich in dieser Komposition europäische Klassik mit Rock- und orientalischer Musik ein Stelldichein geben.

Diese Interpretation werde mitnichten leicht sein, so eine gespannte Zuhörerin, die von der Leistung aller drei Musiker sehr beeindruckt war. Ein Blick in das Programmheft mag dann für das "Aha-Erlebnis" verantwortlich gewesen sein: Jürgen Franz ist seit 2000 Mitglied im NDR-Sinfonieorchester und Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg; Rodrigo Reichel, einer der bedeutendsten Künstler der Hamburger Musikszene, machte sich nicht nur im Bereich Klassik einen Namen, sondern auch im "Crossover" (gleichzeitige Platzierung eines Musikstückes, das einer bestimmten Musikgattung zugeordnet ist, in mehreren, genregetrennten Hitparaden) und auch Gitarrist Heiko Ossig, der an den Hochschulen für Musik und Theater in Hamburg und Rostock unterrichtet, ist nicht nur auf Klassikbühnen unterwegs, sondern ist auch ein gefeierter Künstler in Jazzclubs.

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erstellt am 18.Jul.2013 | 03:59 Uhr

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