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Insel-Bote

04. Dezember 2016 | 11:17 Uhr

In Wyk : Ein Projekt für alle Insulaner

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Auf dem Gelände der Schöneberger wird das lang ersehnte Multifunktionshaus Realität. Der Veranstaltungsraum soll als Begegnungsstätte dienen.

Auf dem Gelände des Paritätischen Hauses Schöneberg an der Boldixumer Straße herrscht derzeit reger Betrieb. Bauarbeiten beherrschen die Szene und werden interessiert beobachtet. Es entsteht das Multifunktionshaus, von den Bewohnern sehnsüchtig erwartet und „MuFu“ genannt. Die Einrichtung bekommt ihren lange geplanten Veranstaltungsraum, der – zirka 100 Quadratmeter groß, plus Nebenräumen wie Teeküche, Abstellraum, Rollstuhlecke und sanitären Einrichtungen – im Erdgeschoss entsteht. Erfüllt wird damit eine Auflage der Heimaufsicht, die einen solchen Raum für die Wohnstätte zwingend vorschreibt. Er ist Teil der Betriebserlaubnis, die vorsah, hier so schnell wie möglich nachzulegen.

„Die Bewohner können es kaum erwarten, ihr MuFu in Betrieb zu nehmen“, beschreibt Geschäftsführer und Einrichtungsleiter Nils Peters die freudige Erwartung auch des Bewohnerbeirates, der bereits akribisch geplant hat. So sollen Disco-Abende und gemeinsame Kaffee-und-Kuchen-Nachmittage ebenso stattfinden wie Weihnachtsfeiern, Sommer- und Faschingsfeste. Positive Auswirkungen habe der Saal für alle Beteiligten, da viele Veranstaltungen derzeit in den Oevenumer Werkstätten ausgerichtet werden, sagt Peters. Das durch die nötigen Fahrdienste bedingte zeitliche Korsett fällt künftig weg: Fast alle können den Ort des Geschehens zu Fuß erreichen und kurzfristig selbst entscheiden, ob und wann sie teilnehmen wollen.

Der neue Bau fügt sich konzeptionell in die Anlage ein. So verfügt das „Haus Töft“ über einen Innenhof als öffentlichstem Bereich, zu dem alle Funktions- und Gemeinschaftsräume sowie die Balkone führen. Entgegengesetzt sind die Zimmer der Bewohner angelegt, die so die Möglichkeit haben, an Aktivitäten teilzunehmen oder sich zurückzuziehen. „Gemeinschaftliches innen, privates außen, dieses Konzept ist von den Bewohnern gut angenommen worden“, so Peters. Folgerichtig führt auch der Veranstaltungsraum samt Terrasse zum Innenhof und rundet den öffentlichen Teil ab.

Ebenfalls im Erdgeschoss und getrennt durch das Treppenhaus wird die Verwaltung der Einrichtung ihre Zelte aufschlagen. Im Obergeschoss entstehen zwei Mitarbeiterwohnungen sowie eine Gemeinschaftswohnung für Teilnehmer an Freiwilligen Diensten mit fünf Einzelzimmern und einer Gemeinschaftsküche. Zudem wird hier ein ambulanter Pflegedienst seine Büros beziehen, der die Räumlichkeiten kaufen wird. Peters „hofft auf Synergieeffekte“: Die Bewohner könnten von dieser Konstellation ebenso profitieren wie die künftigen Nachbarn des geplanten Wohnprojektes der Stadt direkt nebenan.

Rund zwei Millionen Euro wird das Projekt kosten, dessen Vorlauf der Einrichtungsleiter als „aufwändig und langfristig“ bezeichnet. So wird der Veranstaltungsraum bereits seit 2007 mit dem zuständigen Sozialhilfeträger, der Koordinierungsstelle soziale Hilfen der schleswig-holsteinischen Kreise (Kosoz), abgestimmt. Lange sei die Größe des Saales strittig gewesen, und Diskussionsbedarf habe es auch bei der vom Gutachter angelegten Baukostenhöchstgrenze, die mit den Föhrer Realitäten nicht kompatibel war, gegeben. Ohnehin ist in dem Investitionsbetrag der Kosoz lediglich der Veranstaltungsraum und der Verwaltungsbereich als betriebsnotwendig enthalten, rechnet Nils Peters vor. Dieser Teil werde durch den Sozialhilfeträger über einen Zeitraum von 40 Jahren refinanziert. „Die übrigen Kosten für Wohnungen und Räumlichkeiten für den ambulanten Pflegedienst realisieren wir auf eigenes wirtschaftliches Risiko.“ Die Refinanzierung soll hier über die Mieten für die Mitarbeiterwohnungen und den geplanten Verkauf an das ambulante Pflegeteam erfolgen; für die Wohnungen für die Freiwilligen gibt es Zuschüsse.

Dass MuFu und Wohnungsbau entgegen früheren Planungen getrennte Projekte sind, hat seinen Grund: Die Mühlen der städtischen Gremien mahlen langsam und der Druck der Heimaufsicht war erheblich. Eine Entwicklung, die Nils Peters durchaus positiv bewertet: „Bei den ersten drei Anläufen waren wir immer von Dritten abhängig, von deren Erfolg unsere Betriebserlaubnis abhing.“ Grund genug für den Geschäftsführer, die Regie zu übernehmen. „Es ist ein wesentlich besseres Gefühl, das Projekt selbst zu verantworten.“

Von der ursprünglichen Idee, den Veranstaltungsraum gemeinsam zu nutzen, ist man deshalb nicht abgekommen. „Wir wollen diesen Saal so öffentlich wie möglich machen“, betont Peters. Vorstellbar sei, dass Vereine, Chöre oder Musikgruppen die Räumlichkeiten nutzen. Und dass sich Kontakte zu den Bewohnern des städtischen Projektes automatisch ergeben, davon ist Peters überzeugt. Die zu pflegen, habe der Bewohnerbeirat bereits Ideen formuliert. „Der Veranstaltungsraum, die Wohnstätte, das städtische Wohnprojekt, all dies sind Projekte für Insulaner – mit dem MuFu in der Mitte, als gemeinsamer Treffpunkt.“ Die Planungen sehen vor, dass der Mitte 2017 eröffnet wird. Neun Jahre, nachdem die ersten Zeichnungen gefertigt wurden.

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erstellt am 19.Sep.2016 | 12:15 Uhr

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