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Insel-Bote

05. Dezember 2016 | 11:37 Uhr

In Wittdün : Ein bezahlbares Zuhause

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Genossenschaft Üüs aran ist fast am Ziel. Bald ziehen die ersten Amrumer in die neuen Wohnungen in der Mittelstraße ein.

Das genossenschaftliche Wohnbauprojekt Üüs aran – friesisch für „unser Zuhause“ – ist fast fertig. „Unsere Mitglieder können schon sehen, wie sie bald wohnen werden“, sagt Ulf Jürgensen vom Vorstand. Die ersten werden Mitte November einziehen. In den Häusern ist der Innenausbau in vollem Gange. Laminat liegt, viele Bäder sind fertig, bald kommen die Küchen. Überall haben die zukünftigen Mieter kräftig mitentschieden. „Und bei allem sind wir im Kostenrahmen geblieben“, sagt Jürgensen. „Darauf sind wir stolz.“

Können sie auch. Mit über dreißig Mitgliedern ist Üüs aran schon keine kleine Genossenschaft mehr. Und Konsens zu halten über drei Jahre und etliche Planungen ist auch so einfach nicht. „Wir haben aus den jeweils drei Mitgliedern vom Vorstand und Aufsichtsrat eine Steuerungsgruppe gebildet und dann gemeinsam mit den anderen alles entwickelt“, sagt Jürgensen. Alle drei Wochen haben sie sich in den letzten Jahren getroffen und vieles entschieden, von baulichen Fragen bis zu den künftigen Mitbewohnern.

Thomas Schwarz ist einer von ihnen. Der 33-Jährige aus Bayern hatte sich bei Üüs aran vorgestellt. Den Wohnungstipp bekam er von einer Kollegin seiner Frau, beide Kinderkrankenschwestern an der Fachklinik Satteldüne. Mittlerweile hat Familie Schwarz Nachwuchs (elf Monate) und freut sich riesig über eine Wohnung im sogenannten Familienhaus, dem größten der drei Objekte in der Mittelstraße 34. „Die Küche wird lavafarben“, sagt Schwarz und grinst. Der gestalterische Freiraum gefällt ihm.

Schwarz wäre auch bereit, bei der nächsten Generalversammlung für einen Vorstandsposten zu kandidieren. „Wenn ich schon in so einem Projekt wohnen darf, dann möchte ich auch meinen Teil dazu beitragen. Ich bin zwar kein Handwerker, kenne mich aber mit Zahlen aus“, sagt Schwarz, der früher im Qualitätsmanagement eines Handwerksbetriebes beschäftigt war. Thomas Schwarz hat Mukoviszidose. Amrums saubere Luft tut ihm gut. Seine Wohnung wird öffentlich gefördert; wie 17 andere auch von den insgesamt 32 Wohnungen.

Tatsächlich stellte sich erst im Lauf der Zeit heraus, dass der Bedarf an öffentlich geförderten Wohnungen höher ist als erwartet. „Irgendwie sind wir anfangs davon ausgegangen, dass die Leute schon adäquat verdienen werden, wenn sie den hohen Lebenshaltungskosten auf der Insel stand halten“, sagt Jürgensen. „Man denkt ja immer, die Arbeitgeber werden das schon berücksichtigen. Ist aber eben nicht so.“ Gäbe es ein nächstes Projekt, dann würde er die Quote für öffentlich geförderten Wohnraum gleich zu Beginn höher ansetzen wollen. „Attraktive Wohnquartiere entstehen aus der Mischung“, sagt Jürgensen, der hauptberuflich die Wittdüner Jugendherberge betreibt. „Wir haben hier versucht, einen guten Querschnitt der Bevölkerung zu erreichen.“ Auch haben die Üüs-aran-Entwickler guten Rat nicht in den Wind geschossen: „Man hat uns gesagt, wir sollten auf jeden Fall barrierearm bauen. Das fanden wir anfangs völlig überzogen. Aber jetzt haben wir alles: Fahrstühle, breite Türen, große Bäder, keine Schwellen. Und sind echt glücklich damit.“

Unter den Genossenschaftsmitgliedern sind denn auch einige Alte, die genau aus diesem Grund mit dabei sind. „Ich gucke da in die Zukunft und will es mir wirklich möglichst leicht machen“, sagt eine alte Dame, die demnächst von der Südspitze in die Mittelstraße zieht.

Dringend erwartet wird Üüs aran allemal. „Allein für die Aufrechterhaltung der notwendigen Wirtschaftskraft (Tourismus, Dienstleistung, Handwerk), benötigt Amrum eine – gemessen an der Einwohnerzahl – erhebliche Anzahl qualifizierter Fachkräfte.“ So steht es in einem Strategiepapier, das als Diskussionsgrundlage das Wohnprojekt im Januar 2013 ins Rollen brachte. Wahrlich ein hehres Ziel auf dieser Insel: Menschen ein Wohnen zu ermöglichen, das über der Grasnarbe stattfindet, ohne den Uncharme aufgelassenener Ferienwohnungen mit horrender Miete, und Lust darauf macht, im Leben auf Amrum eine dauerhafte Perspektive zu sehen.

Dabei ist die Form einer Genossenschaft geeignet, solche Undinge wie auf Wittdüns Südspitze zu vermeiden. Dort sollte damals auch Wohnraum für Einheimische geschaffen werden, die, als sie das Eigentum erst einmal hatten, damit machen konnten, was sie wollten. Und das war: Ferienwohnungen! Das geht bei Üüs aran nicht. Solange man mag, ist man Eigentümer mit allen Rechten und Sicherheiten. Aber wer auszieht, bekommt seine Anteile zurück. Und der nächste, der sie erhält, wird wieder ein auf Amrum Lebender beziehungsweise Arbeitender sein. So sieht es die Satzung vor. Dabei gehört das Grundstück neben dem idyllischen Kurpark weiterhin der Gemeinde und wurde mit einem Erbpachtvertrag langfristig für diese Nutzung gesichert.

Die zukünftigen Bewohner freuen sich auf ein Projekt mit Zukunft, was noch Raum lässt für neue Ideen. Für November plant man bei Üüs aran einen Tag der offenen Tür. Jetzt, wo fast alle Türen drin sind.


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