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Insel-Bote

08. Dezember 2016 | 15:33 Uhr

Auf Föhr : Ein Anwalt der Schwachen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Ortsverein des Sozialverbandes feierte sein 70-jähriges Bestehen. Auf dem Programm standen ein Rückblick und Musik.

„Solidarität ist der zentrale Wert unserer Vereinigung“. Jutta Kühl aus Kiel weiß als stellvertretende schleswig-holsteinische Landesvorsitzende des Sozialverbandes Deutschland (SoVD), wovon sie redet. Doch auch die „Jubilare“, die sie im „Alt Wrixumer Hof“ besuchte, kennen diese Solidarität, gehören sie doch dem Föhrer SoVD an, der jetzt sein 70-jähriges Bestehen feiern konnte.

Gegründet wurde er im Jahr 1946 in Wyk unter dem Namen Reichsbund, und zu seinen Taufpaten gehörte damals auch Herbert Stelter, der viele Jahre lang sein Vorsitzender war. Seine Witwe, Hildegard Stelter, hatte es sich nicht nehmen lassen, die Jubiläumsfeier im „Alt Wrixumer Hof“ zu besuchen. Begrüßt wurden sie und alle Festgäste von Hannelore Zimmermann, die das Amt der Vorsitzenden vor wenigen Monaten von Traute Diekmann übernommen hat.

Nach einem bunten Musikreigen der „Feer Ladies“ unter Leitung von Birke Buchhorn-Licht bekamen die Festgäste das Wort, wobei von den Föhrer Institutionen lediglich die Kirchengemeinde St.-Nicolai der Einladung zur Jubiläumsfeier gefolgt war. Anja Jakobsen würdigte im Namen des Kirchenvorstandes den Einsatz des SoVD auf der Insel. „Es ist toll, was für eine Arbeit sie hier leisten“, lobte Jakobsen.

Die Entwicklung des Verbandes skizzierte Jutta Kühl, wobei sie auf einem Redeentwurf des SoVD-Kreisvorsitzenden Hans-Christian Albertsen aufbaute. 1917 als Reichsbund gegründet, vertrat die Organisation zunächst vornehmlich die sozialpolitischen Interessen der Kriegsopfer, Behinderten, Sozialrentner und Hinterbliebenen. 1933 musste der Verband unter dem Druck der Nationalsozialisten aufgelöst werden. Doch nach dem Krieg wurde er bald wieder ins Leben gerufen, um sich für alle sozial Schwachen einzusetzen, wobei er auf die Gesetzgebung einen nicht unwesentlichen Einfluss nahm. „Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Leben in Wohlstand“, erklärte Jutta Kühl, die es als unerträglich bezeichnete, dass im reichen Deutschland immer mehr Kinder von Armut betroffen sind. Es habe sich eine neoliberale Ideologie entwickelt, in deren Folge die Manager immer mehr auf den eigenen Vorteil bedacht seien. „Der Privatisierungswahn muss beendet und eine solidarische Bürgerversicherung eingeführt werden“, forderte die stellvertretende Landesvorsitzende, die ankündigte, dass das Jahr 2017 dem Kampf gegen die Altersarmut gewidmet sein wird. Abschließend würdigte Jutta Kühl den Einsatz aller Ehrenamtlichen auf Föhr. „Wir haben in Schleswig-Holstein fast 140  000 Mitglieder und können uns als die größte Familie des Nordens bezeichnen“.

Traute Diekmann, unter deren Ägide von 1982 bis 2016 die Zahl der Mitglieder von 101 auf 260 anstieg, gab einen Überblick über die ersten Jahre des SoVD auf Föhr, wobei sie aus den Aufzeichnungen von Herbert Stelter vorlas. Dabei erfuhren die Festgäste, dass die damalige Militärregierung im Zusammenschluss des Reichsbundes eine besondere Gefahr gesehen und ihn zunächst verboten habe. Doch schließlich waren die Wirren überwunden und der Allgemeine Deutsche Rentnerbund und der Reichsbund hätten sich vereinigt. Dem Reichsbund gehörten bald über 400 Mitglieder an und für sie wurden in Wyk, Oldsum und Borgsum regelmäßig Sprechstunden angeboten. Stelters Aufzeichnungen zeugen aber auch von Festen, die von den Mitgliedern gerne besucht wurden.

Die Feier zum 70-jährigen Bestehen des SoVD Föhr endete mit Dankesworten der Vorsitzenden Hannelore Zimmermann an ihre Vorgängerin: „Es ist schwer, in Traute Diekmanns Fußstapfen zu treten“.

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erstellt am 10.Aug.2016 | 12:15 Uhr

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