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Insel-Bote

05. Dezember 2016 | 19:42 Uhr

Insel-Kunst : Ein Amrumer Wetterbericht

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Himmel, Meer und Wolken: Die Nebeler Künstlerin Anna Susanne Jahn zeigt 22 Monotypien im Amtsgebäude.

Was da zur Zeit im Foyer des Nebeler Amtsgebäudes zu sehen ist, hat ganz und gar nichts mit monotonen Wetterdaten oder amtlichen Vorhersagen zu tun. Es ist Kunst. Abstrakt und vieldeutig, dennoch stimmungsvoll, fast naturalistisch anmutend und immer auch ein bisschen unberechenbar – ganz wie das Amrumer Wetter – so sind Anna Susanne Jahns neue Landschaftsmonotypien, die unter dem Titel „Amrumer Wetterbericht“ im Strunwai präsentiert werden und farblich geradezu erstaunlich harmonieren mit dem öffentlichen Raum, der sie dort nüchtern kühl umgibt.

Mit dem „Wetterbericht“ knüpft Anna Susanne Jahn an frühere Monotypie-Serien wie „Übers Moor“ oder „100 Oceans“ an und zeigt nun Wolken und Wellen von Amrum: heiter bis wolkig, einzelne Schauer möglich ...

In fein abgestimmten Blau-, Grün- und Schwarztönen auf weißlichem Grund wirken Himmel, Wolken und Meer mal hell freundlich, mal dramatisch bis bedrohlich – dabei immer spannend und auch ein bisschen aufregend, so wie man die Atmosphäre gerade auf Amrum zu allen Jahreszeiten erleben kann. Und wie in vielen ihrer Werke finden sich auch im Wetterbericht Spuren traditioneller japanischer Malerei.

Die Künstlerin Anna Susanne Jahn, die 2007 ins Alte Pastorat in Nebel zog und sich in den letzten Jahren vor allem mit ihren feinen Aquarellarbeiten einen Namen gemacht hat, kehrt nun zu einer Ausdrucksform zurück, die sie schon während ihrer Studienzeit an der Kunsthochschule in Braunschweig begeisterte, zur Monotypie. Die Monotypie ist eine Mischform zwischen Malerei, Zeichnung und Druckgrafik, bei der von einem mit Farbe auf eine Platte aufgetragenem Bild ein Abdruck gemacht wird, solange die Farbe noch feucht ist. Jedes Bild ist also ein gedrucktes Unikat. Der Begriff stamme aus dem Griechischen, „monos“ heißt „einzig“ und „typos“ bedeutet „Schlag“ oder „Druck“, erklärt sie und erzählt, dass die Technik vermutlich im 17. Jahrhundert von Castiglione in Genua erfunden wurde und später auch von einigen der Impressionisten verwendet worden sei.

Für ihre Monotypien trägt Jahn Ölfarben mit Pinseln, Fingern, Lappen, Bürsten oder Schablonen hauchdünn auf Zink- oder Kupferplatten auf. Sie verleiht den Bildern vielfältige Strukturen, einige so fein, wie es zurzeit wohl niemandem sonst gelingt. Mit Lösungsmitteln und Öl verändert sie die Konsistenz der Farbe, erzeugt scharfe Konturen, weiche Übergänge oder transparente Verläufe. Kein Zufallsverfahren, gezielte Effekte. Gedruckt werden die Monotypien spiegelverkehrt auf Japanbüttenpapier, manchmal mehrere Farbschichten hintereinander. Dafür hat sie die alte Tiefdruckmaschine ihres verstorbenen Professors wieder zum Leben erweckt.

Nach zehn sehr arbeitsintensiven Jahren, die ausgefüllt waren von Familie, Existenzgründung und Restaurierung des Alten Pastorats, war es in diesem Sommer endlich soweit, sagt Anna Susanne Jahn. Sie verwandelte ihr Archiv in eine kleine, helle Druckwerkstatt – mit Tür zum Garten; denn Licht und Luft sind unerlässlich, wenn man mit Ölfarben arbeitet. Und hier ist sie wirklich in ihrem Element.


Bis zum 31. Dezember im Amtsgebäude. Öffnungszeiten: montags und donnerstags 8 bis 16 Uhr, dienstags, mittwochs, freitags 8 bis 12 Uhr.

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