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Insel-Bote

11. Dezember 2016 | 11:07 Uhr

In Alkersum : Die Nacht der Nächte

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Einmal im Jahr öffnet das Museum Kunst der Westküste abends seine Türen für Fans von Musik, Kunst und feinem Essen. Auch dieses Mal herrschte Hochbetrieb.

Na, das war ein Fest! Unten in der Museumsgarderobe lagen die Jacken auf Haufen nebeneinander, wie bei einem wilden Kindergeburtstag. Oben schoben sich Schlangen von Besuchern aneinander vorbei – von alt bis jung, gekleidet in feinen Zwirn oder lässiges Outfit, rechts rum die einen, links herum die anderen, den hinweisgebenden Laufzettel mit den Highlights der achten Alkersumer Museumsnacht im Museum Kunst der Westküste immer fest in der Hand.

Zwischen „Grethjens Gasthof“ und den Sälen eins bis fünf wechselten sich Kunstführungen mit delikaten Ziegenfrischkäsepralinen und Live-Musik ab: In der Youngster Bigband der Föhrer Musikschule spielten lauter junge Talente, und das Akustik-Pop-Duo „Lenijk“ war von Sylt angereist.

Für den guten Zweck mussten alle ran, die im Museum Rang und Freunde haben: Die Direktorin Ulrike Wolff-Thomsen nebst Gatte, Sprecherin Christiane Morsbach und der Künstler Thomas Judisch manövrierten sich gemeinsam mit anderen Mitarbeitern durch die Menge und boten Lose feil. Stückpreis ein Euro. Am Ende konnte die Museumschefin der Hospiz-Initiative Föhr-Amrum einen Scheck über 1500 Euro überreichen. „Das Geld können wir so gut für unsere Vorträge und Veranstaltungen im nächsten Jahr gebrauchen“, sagte eine dankbare Elke Schulz vom Vorstand.

Über Stunden war Museumsmitarbeiterin Winnie Asbahr mit ihrem kleinen Personenzählgerät in der Hand eine charmante Türöffnerin und
-schließerin, wenn es in Saal eins bei den Konzerten mal wieder so voll war, dass es einen kurzen Einlassstopp geben musste, damit sowohl die alten Meister als auch die Sänger nicht von den Fans überschwemmt wurden.

Wie hatten sich alle Mühe gegeben: So freundlich das Team von „Grethjens Gasthof“, so fein dargeboten und lecker die Häppchen-Variationen. Die Chöre der „Feer Ladies“ und des Männergesangvereins Föhr-West hatten geistliches und friesisches Liedgut und Seemannslieder im Repertoire. Gänsehaut war garantiert, als die Herren – vierstimmig! – das Gorch-Fock-Lied zum Besten gaben – vor der Bildkulisse von Jochen Heins rostendem American-Star-Atlantikliner und als Birke Buchhorn-Licht mit ihren Ladies Leonard Cohens „Hallelujah“ durch den Kunstsaal klingen ließ.

Zwischendrin Klön-Stopps: Mit Hermann „Hermi“ Diekmann, dem lieben, alten Mann, der neben dem Museum wohnt, von der Fotokünstlerin Mila Teshaieva in ihrer aktuellen Ausstellung porträtiert ist, auf Föhr vom Bauern bis zum Maurer schon alles war und mit seinen 84 Jahren jeden Tag das Museum für einen Kaffeebesuch und einen Rundgang nutzt.

Zum anderen Ende der Altersskala zählten die beiden 16- und 17-jährigen Schwestern Ranim und Haya, mit ihrer Familie geflüchtet aus einem vom Krieg zerstörten Dorf im Südwesten Syriens, über das Lager Neumünster nach Föhr gekommen, und hier binnen zwölf Monaten so gut Deutsch gelernt, dass ein Gespräch an diesem Abend problemlos möglich war. Auch diese beiden genossen den Kulturabend. Was Wunder, das Treiben war einfach bereichernd und erfrischend.

75 Preise hatte übrigens die Tombola. Der Hauptgewinn, eine Titelseite des Insel-Boten, veredelt mit einem Wasserlandschaftsblick ins abebbende Wattenmeer vor Föhr des Hamburger Künstlers Jochen Hein ging an ... der Name ging im Spontan-Applaus ihrer Nachbarn unter ... die Alkersumerin Uschi Boje. „Wir kommen dann morgen zum Aufhängen“, riefen ihr die Freunde zu.

Matze Brietz, der Teilzeit-Insulaner und Erzieher aus Oberfranken, einst von Museumsmitarbeiterin Carola Ellmers beim Musikmachen in einem Wyker Restaurant entdeckt, zog mit seiner Musik zum Schluss noch mal alle in den Gasthof, spielte Rock, Folk und Blues und erfüllte Wünsche. „Wir lieben diese Vielfalt, die familiäre Atmosphäre einerseits und die Weltoffenheit andererseits“ – das war oft zu hören von den Besuchern. „Die Museumsnacht wird einfach jedes Jahr bunter, runder und schöner“, befand Ulrike Wolff-Thomsen, die gegen Mitternacht hinter den letzten glücklich Heimkehrenden abschloss. Da hatte Winnie Asbahr 1106 Besucher gezählt.

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