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Insel-Bote

05. Dezember 2016 | 19:43 Uhr

Auf Föhr : Der Minister, der Müll und das Meer

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Robert Habeck informierte sich über das Projekt „Plastikfrei wird Trend“. Er lobte die Initiative der Insulaner zur Abfallvermeidung.

Fast genau ein Jahr nach seinem letzten Besuch auf Föhr schloss sich gestern für Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck ein Kreis. Er konnte erleben, was aus der Initiative gegen Plastik geworden ist, die damals im Entstehen und deren Finanzierung noch nicht gesichert war. Es habe zwar viele Ideen gegeben, die aber alle eher im leeren Raum schwebten. „Doch nun ist beim BUND eine feste Organisation entstanden und das Vorhaben ist aus der Kurve raus“, so Habeck, der nun hofft, dass Föhr nicht nur optisch eine grüne Insel wird und die Insulaner „Plastikfrei wird Trend“ als Stärke begreifen. „Die Föhrer zeichnen sich durch ihr Gemeinschaftsgefühl aus, und sie werden das gemeinsam machen“, ist der Minister überzeugt.

Habeck war im Rahmen seiner Sommertour durch die nordfriesische Inselwelt nach Wyk gekommen. Dort wurde er von der Föhrer Vorsitzenden des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Annemarie Lübcke, begrüßt. Der Minister erlebte einige bereits erfolgreiche Schritte auf dem Weg zur Verbannung des Plastik. Auftakt war der Besuch der gerade erst eröffneten „Speisekammer“ in Wyk. Friederike und Sven Grotheer erläuterten ihr Geschäftsprinzip, wonach regionale Produkte angeboten werden und wo immer möglich auf Kunststoff verzichtet wird. Einzelhändler, die vom Festland als Projektpartner mitgekommen waren, hinterfragten die Bedingungen und erfuhren, dass die „Speisekammer“, in der es auch unverpackte Lebensmittel gibt, die man selbst in Gefäße abfüllen kann, als Hofladen gilt und damit weniger als der Einzelhandel reglementiert werde.

Die nächste Station war die Strandmüllbox in Hedehusum, die seit dem Frühjahr dort aufgestellt ist. Angela Ottmann vom Kampagnenbüro „Plastikfrei wird Trend“ berichtete, dass auch viel Hausmüll und Tüten mit Hundekot in den Behältnissen landen, die ausschließlich für Plastikfunde vom Strand vorgesehen sind. Nieblums Bürgermeister Friedrich Riewerts befand zwar: „Die Kottüten sind mir in der Box immer noch lieber als am Strand“. Doch auch er musste feststellen, dass der Müll am Strand immer mehr wird und die Gemeinde einen großen Aufwand für seine Beseitigung betreiben muss. Karsten Johst aus St. Peter-Ording berichtete allerdings, dass man dort diese Sammelboxen wieder abgebaut habe. „Obwohl die Tonnen für Hundekot genau neben den Boxen standen, landeten die Tüten nicht in den Tonnen“.

Ann-Kathrin Meyerhof und Jochen Gemeinhardt von der Föhr Tourismus GmbH (FTG) ließen wissen, dass auch die FTG bemüht sei, sich vom Plastik zu verabschieden. Unter anderem wurden Plastikbälle komplett aus dem Sortiment genommen und Bontjes werden alternativ im Glas angeboten, was gut ankomme, obwohl das Glas teurer sei.

Auch das Projekt „Dolly Ropes“ nimmt, wie der Wrixumer Fischer Henning Dulz berichtete, wieder Fahrt auf. Angestrebt wird dabei, dass die Scheuerschutzfransen aus den Fischernetzen nicht mehr ins Meer gelangen können. Man arbeite mit den Holländern zusammen, berichtete Dulz, der im vergangenen Jahr mit einem Kokosschutz experimentiert hatte.

Auch Einzelhändler vom Festland bekamen die Gelegenheit zum Gespräch mit Minister Habeck. Dabei erfuhr dieser zu seinem großen Erstaunen, dass die Plastiktüten für die Einzelhändler ein hoch profitables Produkt darstellen. „Wir zahlen viel weniger dafür, als wir von den Kunden wieder bekommen.“

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erstellt am 11.Aug.2016 | 12:30 Uhr

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