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Insel-Bote

05. Dezember 2016 | 01:35 Uhr

Krabbenfischer auf Amrum : Der letzte Fisch wird nicht von uns aus dem Meer gezogen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Krabbenfischer Andreas Thaden über seine Arbeit, seinen Berufsstand und die Verantwortung für die See.

Amrum | Andreas Thaden ist für klare Ansagen zu haben. „Moin. In der Zeit hätte ich auch zu Fuß laufen können.“ Wir sind auf seinem Kutter „Butjadingen“ verabredet, und er konnte von Bord beobachten, wie lange ich mit meinem Fahrrad von der Fähre für den Weg zum Hafen brauchte. Ich bin mit Amrums einzigem Fischer verabredet. Er erklärt mir heute seinen Job. Viel Zeit bleibt nicht. Um 17 Uhr läuft die „Butjadingen“ wieder aus. Um 6 Uhr morgens ist Thaden aus Dagebüll gekommen. Dort hat er rund 400 Kilo Krabben abgeliefert. Das ist der Ertrag von 24 Stunden harter Arbeit. Etwa 95 Prozent des Fangs gehen in den Großhandel. Nur einen kleinen Teil nimmt er mit auf die Insel. Auf der Steenodder Mole, ein traumhaft schöner Platz, verkauft seine Frau Marie-Luise („Milu“) die Meeresfrüchte. Meistens geht das schnell. Heute auch.

Ungefähr 100 Tonnen Granat gehen im Jahr ins Netz der „Butjadingen“. Mal mehr, mal weniger. Die Grenzen reizt Andreas Thaden schon länger nicht mehr aus. „Ich bin 57. Meine Perspektiven haben sich verschoben.“ An Bord sind sie in der Regel zu dritt. Albert (24) absolviert die Ausbildung zum Fischwirt und überrascht mit Berliner Schnauze. Die beiden wirken wie ein gutes Team.

Der Beifang hängt vom Glück ab. „Was Neptun mir gönnt“, sagt Thaden. Wolfsbarsch kann es sein, Makrele, Knurrhahn oder Scholle. Gezielt fängt der Fischer die Scholle schon lange nicht mehr. „Lohnt sich nicht. Die Bestände haben sich so gut erholt, dass die Preise im Keller sind.“ Das renommierte Hotel „Seeblick“ und das Restaurant „Likedeeler“ zählen zu seinen wenigen Kunden auf Amrum. „Man braucht Leute, die mit dem Fisch richtig umgehen. Das kann nicht mehr jeder.“

Rund 120 Tage im Jahr fischt Andreas Thaden in der Nordsee. Das macht rund 3500 Stunden auf See. Die Krabben werden nach dem Fang automatisch gekocht, gesiebt und vorsortiert. Danach lagern sie bei zwei Grad Kälte schonend im Kühlraum. Seinen Stahlkutter ließ Andreas Thaden sich 1988 nach eigenen Vorstellungen planen und bauen. Schon zu D-Mark-Zeiten war das ein Millionen-Projekt. Aber es hat sich gelohnt. Die „Butjadingen“ ist topfit und auf dem modernsten Stand der Technik. Beim Fischen sitzt der Kapitän in seinem Recaro-Pilotensessel mit Sitzheizung, Gebläse und Rückenwirbelstütze. „Mit einem Küchenstuhl kann ich hier nichts anfangen.“ Der Blick des 57-Jährigen richtet sich von hier auf sein Cockpit – mit Laptop, Tiefenmesser, elektronischer Seekarte, Radar und automatischem Identifikationssystem (AIS). Daten bedeuten an Bord viel. Alle 24 Stunden geht eine Art elektronischer Tätigkeitsbericht zum Bundesministerium für Ernährung, alle zwei Stunden wird per Satellit die Schiffsposition gemeldet. Im Maschinenraum steht übrigens ein Glanzstück. Der Achtzylinder-Diesel der Marke Deutz sieht nach über 25 Jahre nicht nur aus wie geleckt, er läuft auch so.

So ganz nebenbei hat der Fischer noch ein kleines Hobby entdeckt. Er produziert Meersalz. Albert und er schöpfen es per Hand mit dem Eimer. Das klare Wasser verdunstet auf einer Pfanne. Rund fünf Kilogramm kommen so in einer Woche zusammen. Für die beeindruckenden Kristalle interessieren sich auch Sterneköche. Andreas Thaden hat eine Botschaft: Die Nordsee ist ein sauberes Gewässer und sein Berufsstand achtet darauf, dass diese Kulturlandschaft erhalten bleibt. „Der letzte Fisch wird ganz bestimmt nicht von einem Fischer aus dem Meer gezogen.“

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erstellt am 20.Jul.2016 | 20:42 Uhr

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