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Der Erste Weltkrieg : Das Leid in Bildern festgehalten

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Zahlreiche Fotografen, Maler und Bildhauer verewigten die Kriegsereignisse. Auch Soldaten dokumentierten mit privaten Fotos das Geschehen für die Heimat.

Nie zuvor hat es in der Geschichte eine derart umfassende bildliche Repräsentation von Krieg gegeben wie im Ersten Weltkrieg. 19 Fotografen besaßen eine offizielle Akkreditierung des Deutschen Reichs, in dessen Auftrag sie das Kriegsgeschehen festhielten. Ihre Postkarten trugen meistens den Vermerk: „Dieses Bild ist vom stellvertretenden Generalstab, Abteilung Presse zur Vervielfältigung freigegeben“.

Soldaten machten als private Fotografen Bilder, die „ihren“ Krieg für Zuhause dokumentieren sollten. Einige dieser eindeutig privaten Bilder von Föhrer Kriegsteilnehmern haben sich zum Beispiel in der Ferring-Stiftung in Alkersum erhalten, ohne dass allerdings noch nachvollziehbar ist, ob und wer von den abgebildeten Männern eine Kamera mit in den Krieg genommen hatte. Amateur-Fotografie war zu dieser Zeit bereits populär und auch dank der damals beliebten „Kodak Vest“ einfacher als früher.

Neue Einnahmequelle

Ebenso waren Unternehmer mit kommerziellem Interesse auf den Kriegsschauplätzen unterwegs, die einen neuen Geschäftszweig entdeckt hatten. So begaben sich die Wyker Fotografen Waldemar Lind und Wilhelm Müller nach Amrum, um die Männer der dort stationierten Inselwache zu fotografieren. Die angefertigten Postkarten verkauften sie den Soldaten, die sie Freunden und Bekannten oder nach Hause, zum Beispiel zur Nachbarinsel Föhr, schickten. Auf Anfrage nach einem Amrumer Fotografen und seinen eventuellen Fotografien aus dieser Zeit, teilte Georg Quedens mit, das Archiv seines Großvaters Victor Quedens mit vielen Fotos vom alten Amrum sei bei einem Großbrand 1925 in Norddorf verbrannt. Victor Quedens fertigte nach Auskunft seines Enkels während des Ersten Weltkriegs keine Fotografien an.

Aber nicht nur Fotografen waren auf den Kriegsschauplätzen unterwegs. Kriegsmaler, ja sogar Kriegsbildhauer und -medailleure wie Ludwig Gies, der Schöpfer des deutschen Bundesadlers, hielten in offiziellem Auftrag das Geschehen an der Front fest. Zu ihnen gehörte der Maler Ludwig Dettmann, der wie sein Kollege und Freund Otto H. Engel das Föhrer Inselleben in seinen Bildern festhielt. Engel malte 1914 den Zug der zu Kriegsbeginn ausziehenden Föhrer Soldaten. Dettmann wurde als Kriegsmaler an die Ost-, später an die Westfront beordert. Zeitweise den Kriegsberichterstattern angegliedert, will er „die Seele des Krieges bildlich fassen“. Es geht ihm darum „das Erlebnis, mit sicherem Blick und sicherer, könnender Hand – mit wenigen Strichen im Skizzenbuch notiert, besonders aber sogleich nach dem großen Erschauen, von seinem Eindruck noch ganz erfüllt, in starker, knapper Form eindringlich bildlich“ zu gestalten. Ein General zu Dettmann: „Und dann malen Sie, wie wir mit fliegenden Fahnen in Moskau einziehen!“

Die Aufgabe der Kriegsfotografen und -maler ist eindeutig: den Krieg verherrlichen, die Soldaten ideologisch motivieren, die Kampfmoral unterstützen. Dettmann malt aber auch realistischere Szenen wie „Munitionskolonne im Regen“ oder „Tote, Verwundete und heulender Hund“ oder „Granate geht in ein Gespann“.

Unerträgliche Arbeitsbedingungen

Von den Arbeitsbedingungen eines Kriegsmalers berichtet er in seinem Buch „Ostfront“: „Ich steige vom Pferd und male in einem zerschossenen Haus das Erlebnis der durch Feuer, Glut und Qualm in scharfem Trabe eilenden Munitionskolonne. Eine Tür wird ausgehoben, als Staffelei schräg gestellt, das Blatt Papier daraufgeheftet, und mein Gardedragoner hält die Kerze. Regen tropft vom zerschossenen Dach auf meine Malerei.“ Manchmal ist er fast ohne Material, ein anderes Mal fällt ihm der Stift aus den klammen Fingern. Dettmann arbeitet in Dreck und Regen, bei Sturm und Schneefall und hat „im Staub der Kolonnen und im Getobe, oft noch am gleichen Abend, bei einer Kerze und ohne Dach über dem Kopf das Erlebte gemalt, um frei zu sein für die nächsten Eindrücke.“ Und manchmal arbeitet er im Regen, „bis mir die schwarze und weiße Kreide ineinanderläuft“. Und dann wieder: „Regungslose Hitze, eine Glutwelle ohne Bewegung …“, Millionen und aber Millionen Fliegen. … Beim Zeichnen muß ich fortwährend den Kopf schütteln, die Hände stark bewegen, ich stehe in einem schwirrenden Schwarm, der auf meine Malerei niedergeht, um die frisch hingesetzte Wasserfarbe einzufangen.“ Durch den häufigen und schnellen Quartierwechsel erübrigt er zudem manchmal kaum Zeit, seine Eindrücke und Erinnerungen zu zeichnen und festzuhalten. Bei einem Abendessen in der Etappe mit Hindenburg und Ludendorff bekommt Dettmann die Gelegenheit, seine in Bilder verarbeiteten Eindrücke zu zeigen.

Die Bilder der Kriegsmaler wurden neben Waffen, Uniformen und anderen Beutestücken von allen Fronten auf deutschen Kriegsausstellungen gezeigt. Am 1. April 1915 heißt es in Berlin über Dettmann, seine „Blätter seien künstlerische Dokumente geworden“. Über 400 seiner Bilder gingen in den Besitz der Nationalgalerie über, nach hundert Jahren sind die meisten aber nur noch als Faksimile erhalten.

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erstellt am 16.Feb.2017 | 08:00 Uhr

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