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In Wyk : Das Flair der Innenstadt erhalten

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Politiker weiter auf der Suche nach einer pollerfreien Lösung für die Fußgängerzone. Verwirrung um Schilder-Vorschlag des Wyker Polizeichefs

Die seit Jahren andauernde Diskussion um die Abpollerung der Fußgängerzone ging dieser Tage im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen in die nächste Runde. Anlass, das Thema erneut auf die Tagesordnung zu heben, war das Ergebnis einer Verkehrszählung im September und Oktober des vergangenen Jahres. Stichprobenartig seien die Autos zu verschiedenen Zeiten erfasst worden und „es wurden immer locker mehr als 20 Fahrzeuge gezählt“, berichtete der Ausschussvorsitzende Peter Potthoff-Sewing (CDU). Ein Problem, das die Stadt in den Griff kriegen muss, wie Jörg Michelsen, Leiter des Ordnungsamtes, darlegte: „Verkehrsbehörde und Polizei halten es für sinnvoll, den Fahrzeugverkehr außerhalb der Be- und Entladezeiten durch Poller zu beschränken“.

Grund genug, erneut in die Diskussion einzusteigen. Auch mit Einwohnern, die zwar zahlenmäßig nicht mehr so stark vertreten waren, mit ihrer Meinung aber nicht hinter dem Berg hielten. Bekannte Meinungen, denn neue Argumente waren an diesem Abend nicht zu hören. Wieder wurden Probleme für die Lieferanten, die Überlastung der Wilhelmstraße als einzigem Schlupfloch und die Angst vor Leerstand in den Geschäften angeführt.

Argumente, die in der Runde ernst genommen wurden. „Unsere Innenstadt ist kein Disneyland, da wohnen und arbeiten auch Menschen“, mahnte etwa Dr. Silke Ofterdinger-Daegel (KG) Fingerspitzengefühl an. Ähnlich sah es Lars Schmidt: „Wir müssen uns entscheiden, ob wir die Fußgängerzone weiterhin haben wollen, oder ob das besondere Flair verloren geht“. Genau dies würde aus Sicht des CDU-Politikers passieren, wenn aus der Großen wieder eine ganz normale Straße würde, mit Gehwegen, Fahrbahn und Parkbuchten und ohne Sitzplätze in den Außenbereichen der Gaststätten.

Dass der Verkehr in der Innenstadt in den vergangenen Jahren immens zugenommen habe, bestätigte der als Fachmann geladene Wyker Polizeichef Udo Höfer. Dazu käme eine erhebliche Anzahl schwarzer Schafe und die Uneinsichtigkeit der Bürger, die zudem klagefreudiger geworden seien. „In der Regel fangen die Probleme erst an, wenn man die Leute anspricht.“

Höfer mahnte an, dass der Aufbau einer Fußgängerzone verkehrssicher und rechtsfehlerfrei sein und die Verkehrsschilder der Straßenverkehrsordnung entsprechen müssten. Dies gelte im vorliegenden Fall nur für das Schild, das auf die Fußgängerzone hinweise, das Zusatzzeichen dagegen sei nicht amtlich zugelassen und selbst gemacht. Auf dem darüber hinaus die Formulierung „Anlieger frei“ nicht gut gewählt sei und dazu führe, dass auch jene die Große Straße befahren dürften, die ihre Kontoauszüge von der Bank holen. „Jeder, der ein berechtigtes Anliegen hat, darf dort hineinfahren. Da ist rechtlich nichts gegen einzuwenden“, so Höfer, der anregte, den Verkehr in den angegebenen Zeiten für den Lieferverkehr und für Anwohner freizugeben.

Der Vorschlag stieß auf offene Ohren, ergibt bei genauem Hinschauen aber keinen Sinn. Längst wurde das „Anlieger“ durch „Anwohner“ ersetzt. „Wahrscheinlich wurde die Beschilderung 2009 ausgetauscht, als die Widmungsverfügung letztmalig geändert wurde“, erinnert Jörg Michelsen. Damals war das Fahrradfahren in diesem Bereich ganzjährig von 22 bis 10 Uhr erlaubt worden. Dass dennoch Handlungsbedarf bei der Beschilderung besteht, weiß auch Michelsen, der allerdings vor einem möglichen Schilderwald warnte.

Diskussionen, die aus der Sicht Thomas Löwenbrücks (SPD) in der Arbeitsgruppe hätten geführt werden müssen. Die allerdings, obwohl vor Monaten beschlossen, bis heute nicht ins Leben gerufen wurde. „Das Ergebnis der Verkehrsschau sollte erst abgewartet werden“, begründete dies Peter Potthoff-Sewing. „Es ist schade, dass von der Politik eingeforderte Sachen einfach nicht umgesetzt werden“, kritisierte auch Löwenbrücks Parteikollege Peter Schaper den Status Quo. „Die Arbeitsgruppe hätte sich schon längst zusammensetzen können, die Zählung war im September und Oktober“, konterte der Fraktionssprecher der SPD die Erklärung des Ausschussvorsitzenden.

Die Schilder zu optimieren und eine Arbeitsgruppe zu bilden, hat sich der Ausschuss nun als nächste Schritte auf die Fahne geschrieben. Der könnten neben Lars Schmidt (CDU), Thomas Löwenbrück (SPD), Volker Stoffel (KG) und Michael Lorenzen (Grüne) je ein Vertreter der Polizei, des HGV und der FTG angehören.

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erstellt am 14.Mär.2017 | 12:30 Uhr

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