zur Navigation springen

Insel-Bote

03. Dezember 2016 | 22:49 Uhr

Konzert im Wyker Hafen : Das Buddelschiff „Nordfriesland“

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Wenn Flaschen zu Instrumenten werden: Beim Auftritt des Glas-Blas-Sing-Quintetts glich das Bühnenbild einem Getränkemarkt.

Das Autodeck der Fähre „Nordfriesland“ wandelte sich im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festival nicht nur in einen Konzertsaal, sondern wurde einen Abend lang zum „Buddelschiff“. Schuld daran waren die fünf Flaschenmusiker des Glas-Blas-Sing-Quintetts, die mit ihrem Programm „Liedgut auf Leergut“ zeigten, dass sich nahezu jede Flasche in ein Musikinstrument verwandeln lässt. Vom kleinen Flachmann bis zum großen Wasserspender aus Plastik lässt sich alles spielen: Als Blasinstrument, als Djembé für den Schlagzeuger, mit kleinen Klöppeln als Flaschenklavier oder sogar mit eingebauter Saite als Gitarre. Der „Daumenplopp“, ein ganz exakt klingender Ton, der dann entsteht, wenn ein passgenauer Daumen einen Flaschenhals kurz abdichtet, um ihn dann eben mit einem „Plopp“ wieder zu öffnen, eignet sich hervorragend für eine eigenwillige Interpretation von Mozarts Türkischem Marsch. Damit die einzelnen Flaschen beim Ploppen nicht umkippen, sind sie auf einem Tablett mit Bauschaum fixiert. Insofern war schon das Bühnenbild ein ganz außergewöhnliches, das mehr einem kleinen Getränkemarkt glich als einem Orchestergraben.

Die fünf aus dem Harz stammenden Flaschenmusiker Andreas und Jan Lubert („Profi-Plopper“), David Möhring (PET- Flaschen-Schlagzeuger und „Jägermeister-Lyra“), Jens Tangermann (Flaschenbläser und lyrischer Tenor) und Frank Wegner (kleine „Jelzin-Orgel“ aus Wodka-Flaschen und Bass) bewiesen mit ihrem außergewöhnlichen Talent, dass ein Instrument nicht teuer sein muss, um gut zu klingen. Allerdings muss der Spieler eine gehörige Portion Musikalität mitbringen, Fantasie, Kreativität und Humor. Über all diese Eigenschaften verfügen die Flaschenmusiker, wobei Mutter Natur sie noch zusätzlich mit schönen Stimmen ausgestattet hat.

„Mein kleines grünes Fläschchen“, in Anlehnung an den gleichfarbigen Kaktus der Comedian Harmonists, war dank Tenor Jens Tangermann und Bass Frank Wegner nicht nur ein gesanglicher Genuss, sondern überzeugte auch mit seinem witzigen Text. Solche Texte scheinen eine weitere Spezialität der Künstler zu sein: „Nasenpiercinggirl“ oder „Sven Hanna Wald“ von Andreas Lubert ließen manchen Zuschauer vor Lachen kaum zu Atem kommen. Aber auch Altbekanntes wie „Tequila“ von Chuck Rio, dem Thema aus „Mission Impossible“ von Lalo Schifrin oder „Das Model“ von Karl Bartos wurde überzeugend aus dem eigenen und dem Flaschenhals gezaubert.

Die Akustik des umfunktionierten Autodecks der „Nordfriesland“ war hervorragend, was, will man den Flaschenmusikern glauben, nicht zuletzt daran lag, dass der Konzertsaal ausverkauft war. Nicht nur die Künstler selbst seien erfreut von vollen Reihen, auch die Tontechniker liebten „Dämmfleisch“.

Stehend applaudierten die Zuhörer, entließen das Quintett erst nach einigen Zugaben und umringten danach den kleinen Verkaufsstand, um die Erinnerung an einen unterhaltsamen Abend mit einer CD möglichst lange nachklingen zu lassen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen