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Insel-Bote

11. Dezember 2016 | 14:53 Uhr

Umweltfreundlich : Becher mitbringen – Kaffee mitnehmen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Föhrer und Amrumer entwickeln eine umweltfreundliche Alternative für den Einwegbecher.

Der „Coffee to go“ ist in aller Munde, sein Becherproblem mittlerweile auch. Bevor die nächste Saison auf den Inseln los geht, soll sich das ändern. Dafür gibt es bereits ein paar Ideen auf Föhr und Amrum. Und die ersten sind rechtzeitig zur Weihnachtszeit fertig.

Bei der Inselgruppe Föhr des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Wyk beschäftigt sich Angela Ottmann seit zwei Jahren mit der Kampagne „Plastikfrei wird Trend“. Das regionale Modellprojekt, das von der Umweltlotterie Bingo gefördert wird, startete auf Föhr und Hallig Hooge. Es macht sich stark für die Vermeidung von Plastikmüll im Meer und sucht plastikfreie Alternativen im Alltag. „Es ist klar, dass was passieren muss. So ein Pappbecher ist durchschnittlich nur fünfzehn Minuten im Einsatz. Wenn er samt Deckel im Meer landet, zerfallen seine Kunststoffe erst nach Jahrzehnten. Das ist eigentlich Wahnsinn“, sagt die 47-jährige Projektmitarbeiterin, die von der Insel stammt. „Damit sich die Ökobilanz rechnet, müsste so ein Becher mindestens vierzig Mal benutzt werden.“ In Deutschland landen zu jeder Stunde 320  000 To-go-Becher im Müll. Gegen diese unglaublich schlechte Umweltbilanz setzen die Föhrer BUNDler künftig einen Küstenbecher aus Porzellan und – zu Ostern 2017 – eine Light-Version aus Bambus.

Es gibt bereits drei Varianten für die Gestaltung der Mehrwegbecher. Der Küstenbecher, den die Föhrer Designerin Hilke Theis vom Atelier Spinelli gestaltet hat, erinnert an Delfter Kacheln, mit leichter Feder von Hand gemalte Inselmotive in Blau auf weißem Porzellangrund. „Wir haben ganz gezielt hier auf der Insel nach Kreativbetrieben gesucht, sagt Ottmann, denn Regionalität ist Teil des Konzeptes. Die erste Auflage beträgt 150 Stück. Der Verkaufspreis steht noch nicht ganz fest, wird aber wohl um die zehn Euro liegen. Der Becher ist neutral gehalten, ohne Logo. Damit will Ottmann eine möglichst große Verbreitung unter Cafébesitzern, Gastronomen und Bäckern erreichen. „Jeder kann mitmachen, wir würden uns freuen.“ Ab Mitte Dezember ist der Becher erhältlich.

Die zweite Mehrwegbecher-Variante wird pünktlich zur Saison 2017 fertig sein. Der Bambusbecher für den umweltbewussten Kaffeetrinker wird wesentlich günstiger, ist leichter und zerbricht nicht. „Das können auch gute Argumente für den Urlaubsgast sein“, sagt Ottmann, die derzeit noch den Produktionsaufwand kalkuliert. Den Bambusbecher wird der Käufer auch zurückgeben können, das Mehrwegsystem sieht vor, beim Befüllen das Pfand zu kassieren, und falls der Becher wieder abgegeben wird, den Betrag wieder auszuzahlen. Wer sich mit dem Becher den nächsten Kaffee holt, bekommt ihn etwas günstiger. Für diese Light-Variante aus Bambus, die natürlich auch spülmaschinenfest ist, erarbeitet das Föhrer Grafikbüro Bickel derzeit das Layout. Den Becher wird der BUND in einer Auflage von 1500 Stück herstellen lassen. „Auch hier wollen wir so neutral bleiben, dass sich möglichst viele angesprochen fühlen, mitzumachen. Nicht nur von Föhr, auch von Amrum zum Beispiel. Wir stehen jeder Kooperation ganz offen gegenüber“, betont Ottmann.

Auf Amrum gibt es ebenfalls eine solche Initiative. Dort lädt der Amrumer Kunstverein von Kalle Wruck und Philipp Ricklefs seit 2014 jedes Jahr einen Künstler ein, Papiertüten und eben auch einen Mehrwegbecher aus Porzellan zu gestalten. Der Sitz des Vereins am Nebeler Badestrand, wo Wruck einen Strandkorbverleih und das Café Knülle betreibt, garantiert sommers eine hohe Gästeaufmerksamkeit. Allerdings gibt es den Becher nur in einer limitierten Auflage von Hundert Stück. Das 2016er-Modell mit schwarz-weißem Op-Art-Design des Hamburger Künstlers Philipp Ricklefs kostet 15 Euro. „Und die erste Füllung ist gratis“, sagt Wruck.

Die Idee einer exklusiven Gestaltung solch eines Mehrwegbechers hatten auch die Föhrer Architekten Friederike und Sven Grotheer. Er soll künftig in der „Speisekammer“ verkauft werden. „Der BUND und wir hatten eigentlich parallel die gleiche Idee“, sagt Sven Grotheer zu dem Plan, eine ansprechende Alternative zum Plastikbecher anzubieten. „Wir haben zwar ein anderes Design, bleiben aber über Bestellung und Transport miteinander verbunden.“ – „So erreichen wir auch günstigere Preise“, ergänzt Angela Ottmann. Beide wollen sie ihre Becher zu einem einheitlichen Preis abgeben. Das Mehrweg-Gefäß der Speisekammer wird am Boden das Firmenlogo haben. Die erste Auflage mit einem blauen Siebdruck des Föhrer Leuchtturms hat die Föhrer Grafikerin Maike Godbersen-Möller gestaltet. Mitte Dezember ist der Becher fertig. Angedacht sei, ihn auch über den eigenen Laden hinaus anzubieten, sagt Sven Grotheer.

Angela Ottmann begrüßt jede Initiative zu mehr Umwelt-Bewusstsein. „Ein lokal funktionierendes Mehrwegsystem auf einer Urlaubsinsel in einem Nationalpark bedeutet Imagegewinn für jeden beteiligten Unternehmer. Und der geht weit über die Insel hinaus“, sagt Ottmann.






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erstellt am 24.Nov.2016 | 09:00 Uhr

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