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Insel-Bote

24. März 2017 | 07:25 Uhr

Kunst der Westküste : Aus Bildern wird Tanz

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Das Alkersumer Museum hat ein Projekt für junge Ballettratten ins Leben gerufen. Geplant ist eine öffentliche Aufführung im Juli.

Eine Frau in braunem Kleid kümmert sich um auf der Leine flatternde Wäsche. Die trocknenden Kleidungsstücke sind verwischt zu einem blau-roten Einerlei, man merkt sofort, dass es sehr windig sein muss. „Wäsche trocknen“ heißt das Bild von Max Liebermann, das in der aktuellen Ausstellung im Museum Kunst der Westküste (MKDW) gezeigt wird. „Badeleben Fanø“ von Isaac Grünewald ist das Kontrastprogramm dazu: klare Kanten und Konturen, fast einfarbig ausgefüllte Formen. Das Bild zeigt eine Szene, wie man sie auch auf Föhr oft sieht. Ein Strand mit Leuten, es wird gebadet, in der Sonne gelegen oder auch gesegelt.

Diese beiden Werke stehen im Zentrum des Projektes „Tanzende Gemälde“ im MKDW. Natürlich tanzen nicht die Gemälde selbst, aber eine Gruppe von Kindern hat sich mit den Bildern beschäftigt und versucht diese im Takt der Musik auszudrücken.

Entstanden ist das Projekt auf Initiative von Luise Kunert. Die 19-jährige Lüneburgerin absolviert gerade ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) Kultur im Museum in Alkersum und verbindet mit der Aktion ihre Leidenschaft für das Tanzen mit der Arbeit im Museum: „Seit 14 Jahren tanze ich Ballett, da passt das natürlich“, sagt sie. Die Idee, Tanz und Malerei zu verbinden ist jedoch nicht neu: „Ich habe so etwas bereits in einem anderen Museum gesehen und dachte, dass man so etwas ja mal ausprobieren könnte. Bisher hat es solche tänzerischen Angebote hier noch nicht gegeben.“

So startete Kunert im April einen Aufruf an die Kinder der fünften und sechsten Jahrgangsstufen, sich bei Interesse bei ihr zu melden. So kam eine Gruppe von acht jungen Tänzerinnen zusammen, die seit Mai wöchentlich probten. Zwei Tänze stehen auf dem Programm, einer für jedes Bild: „Die Wäsche von Liebermann versuchen wir mit Tüchern und weichen Bewegungen auszudrücken. Für den Tanz zum Grünewald-Bild können die Mädchen auch eigene Ideen einbringen.“ Bis zu den beiden Aufführungen am 10. und 17. Juli ist es jedoch noch ein weiter Weg: „Die Zeit ist doch knapper als gedacht, ansonsten läuft aber alles so wie vorgestellt.“

Luise Kunert ist bereits seit Oktober am Museum Kunst der Westküste. Nach ihrem Abitur wollte die Lüneburgerin erst einmal Abstand vom Lernen gewinnen, über Freunde und Verwandte wurde sie auf das FSJ Kultur aufmerksam. Relativ spontan kam dann die Stelle in Alkersum ins Blickfeld. Seitdem hilft sie dort vor allem in der Museumspädagogik. Es sei besonders die Arbeit mit Menschen, die ihr Spaß mache, so Kunert.

Das FSJ Kultur hat für die 19-Jährige aber auch ganz praktischen Wert: „Ich würde später gerne in die Richtung Tanz oder auch Pädagogik gehen, da ist das FSJ jetzt natürlich ideal zum Schnuppern.“

Doch erstmal stehen nun Max Liebermann und Isaac Grünewald im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit. Ob sich die beiden Künstler je gedacht hätten, dass ihre Arbeiten einmal als Inspiration für Tänze dienen würden? Wer weiß, aber vielleicht entsteht ja so ein ganz eigenes Kunstwerk.

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