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Insel-Bote

09. Dezember 2016 | 03:02 Uhr

US-Wahl : Auf Föhr hätte Trump keine Chance

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Für wen würden die „friesischen Amerikaner“ stimmen? – Wir haben Insulaner mit US-Hintergrund zur Wahl befragt.

Viele Föhrer mit amerikanischem Hintergrund sind besorgt. Was sich in den Vereinigten Staaten von Amerika zurzeit abspielt sei nicht mehr witzig: Dass jemand wie Donald Trump überhaupt als Kandidat aufgestellt werden könne. Aber auch die Clintons hätten schon einiges angestellt. Der Insel-Bote hat auf der Insel nachgefragt: Wen würden die hier lebenden „friesischen Amerikaner“ wählen?

„Ich würde wahrscheinlich mit Zähneknirschen Hillary Clinton wählen“, sagt Carl (Charly) Rickmers. Der 61-Jährige Föhrer wurde in den USA geboren, kam aber bereits als kleiner Junge mit seinen Eltern zurück auf die Heimatinsel. Seine US-Staatsbürgerschaft musste er abgeben, als er nach dem Studium der Architektenkammer beitreten wollte. Viele Amerikaner sähen, dass keiner von beiden Kandidaten wählbar sei: „Clinton wird von der Wall Street finanziert. Und das ist wohl das einzig Gute an Trump, dass er nicht bezahlbar ist.“ Den Einfluss der Geldgeber habe man auch beim Präsidenten Barack Obama gesehen. „Er hatte so viel vor und konnte es nicht verwirklichen“, sagt Rickmers. Die amerikanischen Politiker würden von den Reichen getrieben.

„Ich könnte wählen gehen“, sagt Greg Hansen, der seit 41 Jahren auf Föhr wohnt. Als er sechs Jahre alt war, zogen seine Eltern, die nach dem zweiten Weltkrieg ausgewandert waren, mit ihm zurück auf die Insel. Der 47-Jährige fühlt sich zwar mehr als Deutscher, hat allerdings nur die amerikanische Staatsbürgerschaft. Generell würde er gerne eine Briefwahl beantragen. „Aber ehrlich gesagt, ist der Aufwand mir für dieses Theater nicht wert“, sagt der Insulaner. „Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man nur noch darüber lachen.“ Falls Trump tatsächlich gewählt werden würde, sehe er „schwarz“ für sein Heimatland. Deshalb würde er auf jeden Fall Clinton wählen, obwohl sie auch nicht seine Wunschkandidatin sei.

Hansen glaubt, dass eine große Propaganda-Maschinerie hinter der US-Wahl steckt. „Wer am lautesten schreit, wird als Kandidat aufgestellt“, sagt der Föhrer. Hinzu komme, das der Amerikaner an sich naiv sei. „In der Schule wird zwar die amerikanische Geschichte gelehrt, aber nicht über den Tellerrand geschaut. Die meisten wissen nicht, was es für Auswirkungen auf die Welt hätte, wenn Trump Präsident würde.“ Viele ließen sich von einem Satz wie „Make America great again“ beeinflussen. Eine Statistik des Wahlforschers und Publizisten Nate Silver zeige, dass Männer eher für und Frauen gegen Donald Trump stimmen. „Aber in meinem Freundeskreis sind sich alle einig: Trump ist nicht tragbar“, sagt Hansen.

Barbara Rasmussen hat sowohl die deutsche als auch die amerikanische Staatsbürgerschaft, sie könnte also ebenfalls eine Briefwahl beantragen. Doch auch sie ist mit den Kandidaten nicht einverstanden. „Beide sind der Präsidenten-Aufgabe nicht gewachsen“, sagt die 54-Jährige. Das Auftreten von Clinton und Trump und das gegenseitige Heruntermachen sei eine reine Inszenierung. „Für sie geht es mehr darum, sich selbst im Fernsehen darzustellen, als Politik zu machen.“

Rasmussen empfindet die US-Wahl als ein reines Show-Duell. „Leider lassen sich viele Amerikaner durch die Medien leicht beeindrucken und hinterfragen das Ganze nicht.Traurig ist, dass es sich hierbei um eine Weltmacht handelt.“

Thelma Mattern ist Amerikanerin, wohnt aber seit über 40 Jahren in Deutschland. „Ich fühle mich nicht mehr berechtigt, auf das Geschehen in den USA Einfluss zu nehmen“, sagt die Föhrerin. So einfach wie in diesem Jahr wäre ihr die Entscheidung bei der Wahl aber noch nie gefallen: Hillary Clinton. „Ich war schon immer mehr Demokratin. Zudem zeigt allein die Tatsache, dass die Republikaner anfangs 14 Kandidaten aufgestellt haben, wie gespalten die Partei ist“, erklärt Mattern. Dass es am Ende aber so weit kommt, dass Donald Trump ins Rennen geschickt wird, hätte sie nicht gedacht.

Normalerweise zähle die Parteitreue viel. „Aber selbst viele Republikaner nehmen Abstand von ihrem Kandidaten – Trumps Rückhalt schrumpft“, sagt die Amerikanerin. Dennoch mache ihr vor allem Angst, das der Präsidentschaftskandidat sich selbst im Wahlkampf nicht zügeln lässt. „Was passiert dann erst, wenn er an der Macht ist?“, fragt sie sich. Clinton habe immerhin schon Erfahrung in der Politik und könne zudem diplomatisch verhandeln.

Wer am Ende die Wahl gewinnt, kann Mattern aber nicht einschätzen. Die amerikanische Gesellschaft sei gespalten. Es gebe viele überzeugte Clinton-Anhänger, aber auch Menschen, die sie aus Protest gegen Trump wählen würden. Und dann gebe es noch die, die im republikanischen Präsidentschaftskandidaten ihre Hoffnung sähen.

Der ganz „normale amerikanische Bürger“ interessiere sich nicht fürs Weltgeschehen. „Viele interessieren sich nur für Amerika und die umliegenden Länder Kanada und Mexiko“, sagt Mattern. Sie hätten keinen globalen Blick wie die Europäer. Diese Menschen sehen nur die nationalen Probleme. „Da schlägt ein Satz wie: ‚Make America great again‘ ein.“ Trump locke mit neuen Arbeitsplätzen, Steuersenkungen und einem Mauerbau gegen illegal einreisende Mexikaner. „Er ist ein guter Geschäftsmann, weiß sich zu verkaufen.“ Aber er sei auch ein Egomane.

„Am Ende kommt es darauf an, wie viele Menschen wählen gehen. Viele denken schließlich auch, dass beide Kandidaten schlecht sind.“ Dann bleibe zudem die Frage, ob Trump – im Falle einer Niederlage – das Ergebnis anerkenne. Bisher habe zwar noch nie jemand gegen das Wahlergebnis Einspruch eingelegt. Normalerweise handle es sich um eine „Ehrensache“, dieses anzunehmen. Aber bei dieser Wahl sei alles möglich.


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erstellt am 07.Nov.2016 | 07:30 Uhr

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