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Insel-Bote

10. Dezember 2016 | 02:05 Uhr

Strom für die Insel : Auf der Insel bleiben die Lichter an

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Gut sieben Jahrzehnte tat es seinen Dienst: Nun wird das ältere der beiden Seekabel zwischen Föhr und Amrum ersetzt.

Die Arbeiten zur Erneuerung eines Seekabels zur Sicherung der Stromversorgung Amrums durch die Schleswig-Holstein Netz AG neigen sich dem Ende zu. Mit dem gut zwei Millionen Euro teuren Projekt wird das aus dem Jahr 1944 stammende, ältere von zwei Kabeln aus Altersgründen ersetzt. Die Gezeiten und der sich jeden Tag verändernde Wattboden zwischen den Inseln sorgen für Stress: Nicht selten werden die bis zu zwei Meter tief eingepflügten Kabel freigespült. Turnusmäßig werden die Leitungen zu Fuß oder aus der Luft überwacht. Wie wichtig die Erneuerung ist, hatte sich im Frühjahr 2015 gezeigt, als das neuere der beiden Seekabel repariert werden musste.

„Wir sind froh, dass wir die Arbeiten so weit voranbringen konnten, dass das neue Seekabel in den kommenden Wochen aufgeschaltet werden kann“, erklärt Unternehmenssprecherin Christina Pinnow. An der Amrumer Odde wurden die Arbeiten zur Verbindung mit den zu Land verlegten Einzelkabeln bereits abgeschlossen. Folgen muss nun noch die Verbindung in Utersum. Im Anschluss gilt es noch, eine 1,2 Kilometer lange Glasfaserleitung auf Föhr unter die Erde zu bringen. Diese ist in das Seekabel mit eingeflochten und dient zur Datenübertragung. Allerdings werden nicht die Internetnutzer die Zielgruppe sein, sondern der Energieversorger selbst. Über die Glasfaser, die auf Föhr bereits durchgängig verlegt wurde, werden die größeren Schaltanlagen auf den Inseln überwacht und teilweise von der zentralen Netzleitstelle in Rendsburg bedient.

Im Vergleich zu einem auf dem Festland verlegten Mittelspannungskabel werden bei einem Seekabel die drei Adern der Leitung unter einem gemeinsamen Außenmantel gebündelt. Bis zur nächsten Schaltstation wurden die drei Adern einzeln nebeneinander verlegt. „Das Seekabel ist so aufgebaut, dass alle Adern wasserunempfindlich sind und ein Bewehrungsgeflecht vor mechanischen Beschädigungen und den Einwirkungen durch die Strömung im Wattenmeer schützt“, erklärte Jörg Krassowski vom Bautrupp ‚Sonderkabel‘ aus Rendsburg bei den Kupplungsarbeiten an der Amrumer Odde.

Bei der Verlegung des 4,5 Kilometer langen Seekabels kam im Wattenmeer erstmals ein 18 Meter langes, über zehn Meter breites, 91 Tonnen schweres Raupenfahrzeug zum Einsatz. Der 1214 PS starke Koloss ist vom Typ Nessie V und brachte das Kabel mit einem Vibrations-Pflugschwert knapp zwei Meter tief ins Watt ein. „Das Besondere an diesem raupengesteuerten Verlegeverfahren ist, dass Nessie das Kabel laden kann und somit kein zusätzliches Fahrzeug für den Transport und das Abrollen notwendig ist. Damit fällt die Belastung des Wattbereichs deutlich geringer aus als bei traditionellen Verlegeverfahren. Durch die extrem breiten Antriebsketten fällt die Bodenbelastung pro Quadratzentimeter“, erklärte Projektleiter Karsten Reimer.

„Für die Arbeiten im Ökosystem Wattenmeer gab es hohe naturschutzrechtliche Auflagen und wir bekamen ein festes Zeitfenster zugeteilt“, so Reimer weiter. Behörden und Ämter für Natur- und Küstenschutz sowie die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung mussten nicht nur der Verlegung, sondern auch dem neuen, raupengesteuerten Verfahren zustimmen. Aus Rücksicht auf die Brutzeiten durften die Arbeiten zudem nur von Mitte Juli bis Ende September erfolgen. Dann greift die dem Küstenschutz geschuldete Deichruhe.

Zur Versorgung der nordfriesischen Inseln und Halligen mit Strom betreibt die Schleswig-Holstein Netz AG zwölf Seekabel im Meeresboden unter der Nordsee. Sollte eines der beiden Seekabel einmal ausfallen, würde das andere die Stromversorgung aufrechterhalten. Der eigentlichen Verlegung waren umfangreiche Planungen vorausgegangen. So betrug allein die Lieferzeit für das Seekabel sechs Monate. Nach dessen Inbetriebnahme sollen das alte Kabel aus dem Wattboden geborgen und die Materialien so weit wie möglich recycelt werden.

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erstellt am 24.Sep.2016 | 12:30 Uhr

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