zur Navigation springen

Insel-Bote

04. Dezember 2016 | 11:14 Uhr

Attraktion in Norddorf : 150 Knochen für eine Ausstellung

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Das Pottwal-Skelett für das Naturzentrum kam gestern auf die Insel. Viele Schaulustige packten beim Transport mit an.

Der Wal ist da! Mit großem Aufgebot kam gestern das Pottwalskelett auf Amrum an und wurde gleich weiter ins Norddorfer Naturzentrum transportiert. Dort soll es zum Mittelpunkt der neuen Ausstellung werden, die – ganz walgerecht – im Einschwimmbecken des stillgelegten Schwimmbades entstehen wird. Der Wal kam auseinander genommen im Container. Per Lastwagen aus Bremerhaven. Festgezurrt und weich gebettet zwischen Schaumstoff und Plastikfolien.

Die rund 150 Knochen – Wirbel, Rippen, Schädel, Brustbein und Arme samt Hände – wurden von den Präparatoren Reenhard und Ingmar Kluge sowie Heidrun Strunk begleitet, die das im Januar 2016 vor Helgoland gestrandete Tier in zweimonatiger Arbeit vorbereitet hatten. „Mit Persil gewaschen, kann man schon sagen“, sagte Heidrun Strunk und lachte. Neben Knochen entfleischen gehören zum Prozedere auch mehrere einwöchige Einweichbäder bei 50 Grad Celsius, gefolgt von Klarspülgängen und regelmäßigem Ausspritzen aller Zwischenräume, um Blut und Fett zu eliminieren.

Für den XXL-Schädel wurde im Norddorfer Areal schon im Vorfeld eine Wand rausgebrochen. Mit einem Teleskoplaster, am Steuer Millimeterarbeiter Christian Peters, Chef der Amrumer Reetdachdeckerei, wurde gestern das 750 Kilo schwere Teil ganz vorsichtig durch die Eingangstür bugsiert. Für die Knochen fanden sich unter den Zuschauern zahlreiche Freiwillige, die begeistert Wirbel und Rippen vom Laster in die Halle trugen. „Alles zukünftige Patentanten und -onkel“, witzelte Jens Quedens. Der Chef vom Amrumer Kulturverein Öömrang Ferian, zu dem auch das Naturzentrum gehört, hatte in den letzten Monaten unermüdlich Spenden eingeworben. Geschäftspartner, Vereine, Stiftungen und nicht zuletzt Amrumer Gäste wurden über das neue naturkundliche Mammut(-Wal)-Projekt informiert und um Mithilfe gebeten. Für die Präparation, das Aufstellen des Skeletts und eine schöne, lebendige Ausstellung werden nach neuestem Stand rund 300  000 Euro benötigt. 75  000 Euro von der Bingo-Umweltlotterie und 15  000 Euro von der Aktivregion Uthlande sind schon sicher, das Umweltministerium hat seine Unterstützung ebenfalls signalisiert.

Geplant ist, das später rund 13 Meter lange Tier so aufzustellen, dass man drunter her gehen kann. Der Biologe Christian Vogel, Leiter des Naturzentrums, vertieft sich schon seit Wochen in die Geschichten der Walfangzeit und das Leben der Tiere in der Nordsee, um interessantes Material für die Ausstellung zu haben, die voraussichtlich im Frühjahr 2017 eröffnen wird. Zum Abschluss der gestrigen Aktion trugen die Präparatoren dem Wal die Zähne hinterher. „Unecht, aus Polyester“, sagt Reenhard Kluge. Die echten sind aus Elfenbein. Und leider wurden einige davon dem Tier schon bei seiner Strandung von Idioten herausgebrochen. „Der Rest der echten liegt jetzt bei uns im Tresor“, sagt Jens Quedens. Wie gehts nun weiter? „Kommende Woche kommen die Ausstellungsbauer für einen nächsten Durchgang“, sagt Quedens. Wenn die Halle renoviert ist, brauchen die Präparatoren noch einmal vier bis fünf Wochen zum Skelett-Aufbau. „Ich hoffe, wir sind zu Ostern damit durch“, sagt Quedens, der den Aufbau auf jeden Fall in einem Zeitraffer-Film dokumentieren möchte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen