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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 07:55 Uhr

Husum : Zwei große Themen für die Politik

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Stadt Husum muss ein neues Schwimmbad bauen. Erste Tipps gab es für zwei Fachausschüsse von einem Experten – ebenso für ein Klimaschutzkonzept 2016 bis 2050.

Die Stadtpolitiker bereiten sich auf zwei große Projekte vor: den Neubau eines Schwimmbades und die Erstellung eines Maßnahmenkataloges für ein Klimaschutzkonzept 2016 bis 2050. – Denn an Husum soll es schließlich nicht scheitern, dass Deutschland sein Ziel, bis 2050 etwa 80 bis 95 Prozent der Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zu 1990 einzusparen, vielleicht nicht erreicht.

Zu beiden Themen erfuhren die Mitglieder des Bau- sowie des Umwelt- und Planungssausschusses in einer gemeinsamen Sitzung, wie alles überhaupt über die Bühne gehen könnte. Zur Zukunft des Husum-Bades war Dr. Christian Kuhn von dem auf Bäderbau spezialisierten Planungsbüro Krieger mit Geschäftssitzen in Velbert und Koblenz als Referent geladen worden. Kuhn ist seit sieben Jahren im Unternehmen und Geschäftsführer der Betreibergesellschaft DSBG (Deutsche Sportstättenbetriebs- und planungsgesellschaft). Der Fachmann unterstrich, dass die Gäste heute bestens informiert und anspruchsvoll seien – so müsse das Foyer eines Bades mittlerweile Hotelcharakter haben. Eine hohe Qualität des Angebotes – auch, um die Besucherzahlen zu steigern, ist, so seine Botschaft, die logische Konsequenz. Und die steht und fällt auch in einem Schwimmbad mit qualifiziertem Personal – in Husum habe bereits ein Coaching-Workshop des DSBG für die Mitarbeiter des Bades stattgefunden. Dass das Bistro der Einrichtung jetzt Bioqualität vorweisen kann, begrüßte er.

Kuhn riet dazu, in einer Machbarkeitsstudie, zu der auch eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gehört, die demografische Entwicklung sowie eine Analyse des Einzugsgebietes, beispielsweise in Bezug auf die Kaufkraft und Konkurrenzangebote, zu berücksichtigen. Er legte den Politikern ans Herz, sich in einem Workshop mit dem „Geist des Ortes“ zu befassen und sich auf das Raumprogramm und die Ausrichtung des Bades zu einigen. „Sie sollten sich einig sein, damit es nicht drei Architektenentwürfe geben muss – das kostet.“ Auf eine entsprechende Nachfrage des Grünen-Fraktionsvorsitzenden Frank Hofeditz unterstrich Christian Kuhn, dass das Freibad in Husum-Schobüll „unbedingt gedanklich in die Planungen“ mit einbezogen werden müsse.

Überaus deutlich wurde der DSBG-Geschäftsführer mit Blick auf den Faktor Zeit. „Selbst wenn Sie heute loslegen würden, müsste Ihr Bad noch vier Jahre durchhalten, bis ein neues steht.“ Dies motivierte Bürgermeister Uwe Schmitz zu der Aussage: „In vier Jahren kriegen wir gar nichts auf die Reihe – in fünf bis sechs.“ Der Verwaltungschef will sich nun mit Benn Olaf Kretschmann, dem Geschäftsführer der Stadtwerke Husum, zusammensetzen und Vorschläge für das weitere Vorgehen erarbeiten. Der Startschuss muss dann im Umwelt- und Planungssauschuss fallen.

Betreiber und Eigentümer des Husum-Bades sind die Stadtwerke Husum, da diese Ausgliederung für die Stadt mit steuerlichen Vorteilen verbunden ist. Das Schwimmbad sei ein „Zuschussgeschäft“, erklärt Benn Olaf Kretschmann auf Anfrage. „Die Verluste ziehen wir von unseren Gewinnen ab.“ Welches Betreibermodell für das neue Bad das richtige wäre, hängt nach Angaben Kretschmanns auch davon ab, wer Fördermittel bekommen kann. Der Stadtwerke-Geschäftsführer: „Das alte Bad ist endlich. Es wird regelmäßig von einem Statiker überprüft. Seit sieben Jahren steht fest, dass neu gebaut werden muss. Was wir sollen und können, muss natürlich wohl überlegt sein – auch ein möglicher neuer Standort.“ Als Mittelzentrum habe die Stadt die Verpflichtung, ein Bad für Schwimmunterricht vorzuhalten, ergänzt er. Und: „Natürlich benötigt Husum auch als Tourismus-Stadt eine Schwimmhalle.“

Der zweite geladene Experte war Herbert Freischlad von „Enerko“, einem Energieberatungsunternehmen mit Sitzen in Aldenhoven und Berlin. Sein Thema „Vom Energiekonzept (das Husumer stammt aus dem Jahr 1990) zum Klimaschutzkonzept 2016 bis 2050“. Freischlad skizzierte Energie-Trends für eine Zukunft ohne Erdgas und Heizöl. Kraft-Wärme-Kopplung und Nahwärme blieben noch wichtig, deren Anteil an der Versorgung werde aber schrumpfen, während Wärmepumpen, die heute ein Nischendasein führten, einen Anteil von fast 50 Prozent erreichten. Für eine Gesamtbetrachtung der ganzen Stadt, die in einen Maßnahmenkatalog – „was wie angepasst werden muss“ – münden sollte, offerierte er Fördermittel von Bund und Land: „65 Prozent sind möglich, in Sonderfällen auch bis zu 90 Prozent.“ Zwei Grundsätze sind bei dieser Aufgabe laut Freischlad wichtig: „Alles muss für den Kunden bezahlbar bleiben – und die Wirtschaftlichkeit für die Stadtwerke gegeben sein.“

Für Stadtwerke-Geschäftsführer Kretschmann wird die Energiewende lokal entschieden – er unterstrich: „Hier ist der Handlungsdruck mindestens so groß wie beim Schwimmbad. Wir sollten aber nicht jammern, sondern die Chance sehen, die wir in einem Bundesland mit viel Strom haben, der nicht abtransportiert werden kann – ‚Aufnehmer‘ sind gesucht für die Energie, die abgeregelt wird.“ Und: „Wir brauchen eine Studie, wie in den Quartieren in Husum gelebt werden soll“, fordert Kretschmann. In diesem Fall wird er zusammen mit Bauamtsleiter Jörg Schlindwein vordenken – dann ist der Umwelt- und Planungsausschuss an der Reihe.  .  .

Das „Husum-Bad“ wird im Jahr von 150  000 bis 160  000 Gästen genutzt. Der Bau stammt aus den siebziger Jahren. „Für sein Alter ist es noch tadellos“, betonte Christoph Ening von den Stadtwerken. „Von Mai bis Juni erneuern wir in jedem Jahr alles, was erneuert werden muss.“ Das Schwimmbad ist an ein Blockheizkraftwerk angeschlossen.

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erstellt am 07.Okt.2016 | 13:00 Uhr

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