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Husumer Nachrichten

02. Dezember 2016 | 21:13 Uhr

Schiffstaufe : Wo Tiefgang eher schädlich ist

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die neue „Oland“ ist in Husum von Staatssekretärin Silke Schneider getauft worden. Das Vermessungsschiff gehört zur Flotte des Landesbetriebes für Küstenschutz.

„Ordentlich Schwung holen!“, ruft jemand. Dann ist ein lautes Klirren zu hören. „Jaaa!“, ertönt es aus der Menge und ein Nebelhorn dröhnt.

Wen es zufällig in die Nähe des Bauhofes des Landesbetriebes für Küstenschutz (LKN) verschlagen hat, der wird sich vermutlich über diese Jubelrufe wundern. Sie gelten Umwelt-Staatssekretärin Dr. Silke Schneider, die an der Husumer Dockkoogstraße eine ganz besondere Aufgabe zu bewältigen hat. Sie ist Taufpatin des neuen Vermessungsschiffes „Oland“. Angriffslustig schwingt sie die grüne Sektflasche gegen die blaue Schiffswand, doch die Flasche prallt einfach ab und kommt unversehrt zurück. Beim zweiten Mal und mit sehr viel Schwung klappt es dann. Die Flasche zerschellt. Dafür erntet Schneider Applaus von der rund 80-köpfigen Tauf-Gesellschaft, die vor allem aus LKN-Mitarbeitern und Angehörigen der Schiffbau- und Entwicklungsgesellschaft (SET), den Erbauern des Schiffes, besteht. „Zwei Versuche – das ist ein guter Schnitt“, sagt LKN-Direktor Dr. Johannes Oelerich augenzwinkernd.

Die Taufe des Vorgänger-Schiffes, der alten „Oland“, ist schon drei Jahrzehnte her. Zehn Jahre davon hatte Henning Kardel das Ruder in der Hand – und auch auf der Brücke des blau-weiß-rot gestrichenen Neubaus wird er das Kommando übernehmen. In der rot verkleideten Schaltzentrale riecht es nach dem neuem Ledersessel des Schiffsführers, die zahlreichen Digitalanzeigen wirken auf den Laien ziemlich verwirrend. Auf die Frage, welches Instrument denn das wichtigste sei, antwortet Lutz Christiansen, LKN-Fachbereichsleiter Vermessung: „Kommt drauf an, wen Sie fragen. Für mich ist natürlich der Vermessungs-Bildschirm das A und O. Für Herrn Kardel stehen die Navigationsgeräte im Mittelpunkt.“

„Die neue ‚Oland‘ wird hauptsächlich unterwegs sein, um Seegangsmessbojen und Strömungsmessgeräte auszulegen, Pegel und Messpfähle zu warten und um Wattflächen und Priele zu vermessen. Dafür ist sie mit modernsten Navigations- und Lotungsgeräten ausgerüstet“, beschreibt Schneider die Aufgaben des Schiffs. Falls nötig, kann die ‚Oland‘ zudem als Schlepper eingesetzt werden und Schuten oder Pontons mit Küstenschutzmaterialien zu den Halligen bringen. 3,8 Millionen Euro hat das Spezialschiff gekostet. Es ist 22,50 Meter lang, 6,90 Meter breit und insgesamt 600 PS stark. Doch für den LKN ist besonders wichtig, dass das Vermessungsschiff nur 95 Zentimeter Tiefgang hat. Möglich macht das eine Plattbodenkonstruktion, damit die „Oland“ ohne Probleme trockenfallen kann. „Für das Wattenmeer ist das perfekt, allerdings wird das Manövrieren zur Herausforderung“, erklärt Frerk Jensen, der beim LKN für Hydrologie und den Beobachtungsdienst zuständig ist. Mit all den Erkenntnissen, die das Spezialschiff liefert, könne man zum Beispiel ableiten, wie hoch Deiche gebaut werden müssen. Neben moderner Technik sowie einem Bug- und Heckkran verfügt die „Oland“ auch über Kombüse, Messe, Schlaf- und Sanitärräume für vier Personen.

Und was passiert mit der alten „Oland“? „Die bleibt die nächsten Wochen als Ersatzschiff in Husum. Wir gehen auf Nummer sicher, denn die Technik des neuen Schiffes muss sich ja erstmal einspielen“, sagt Rainer Lüdtke. Der Nautische Inspektor geht davon aus, dass das Vorgänger-Schiff verkauft und woanders weiterfahren wird. „Die alte ‚Oland‘ hat einen Tiefgang von 1,50 Metern – das ist für das Wattenmeer nur bedingt geeignet.“

Der Fuhrpark des LKN ist in den vergangenen zehn Jahren auf sechs Spezialschiffe angewachsen. Davon wurden drei durch neue ersetzt. 2017 soll ein siebtes Schiff hinzukommen: die „Trischen“. Genauso wie für die neue „Oland“ wird der Bau-Auftrag EU-weit ausgeschrieben. Vor einem Jahr hatte die SET jenen Auftrag erhalten. Auf dessen Werftgelände an der Elbe in Sachsen-Anhalt wurde die „Oland“ innerhalb von zehn Monaten konstruiert. Übrigens wird diese in ihrem Heimathafen Husum nicht zum ersten Mal getauft. Schon vor vier Wochen, als sie in Tangermünde vom Stapel lief, machte die Schiffswand Bekanntschaft mit einer Sektflasche – die auch dort erst beim zweiten Wurf zerbrach.

 

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erstellt am 16.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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