zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 10:50 Uhr

Zehn Bäume reichen schon : Wo Mensch und Natur Gewinner sind

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von Obstbaumwiesen wie in Schwabstedt profitieren die Natur und Bürger. Gemeinden und Privatleute können können sogar Fördermittel für die Anlage von Obstbaumwiesen erhalten. Schon ab zehn Bäumen gibt es nur Profiteure.

In vielen Gemeinden gibt es sie bereits, kleine Streuobstwiesen. Doch es könnten noch viel mehr sein, denn sie gelten als ökologisch sehr wertvoll, bieten nicht nur unzähligen Tierarten eine Heimat und Nahrungsquelle, Streuobstwiesen sind auch im Regelfall bei der Bevölkerung sehr beliebt – dort lassen sich im Herbst leckere Früchte für den eigenen Verzehr ernten. Zwar hat Schleswig-Holstein nicht so viele und so große Wiesen wie in anderen Bundesländern, die dort sogar wirtschaftlich betrieben werden, „aber“, so sagt Frank Steiner, Streuobstwiesenexperte vom NABU aus Kellinghusen, „bereits eine Fläche mit zehn bis 15 Hochstämmen bereichert die Landschaft und ist ökologisch wertvoll.“

Er muss es wissen, schließlich ist er Mitinitiator einer Fachtagung der Streuobstexperten aus ganz Deutschland, die von heute bis Sonntag in Kellinghusen tagen. Solche Flächen sind nämlich die Lebensräume Mitteleuropas mit der höchsten Biologischen Vielfalt, Hotspots der Biodiversität. Mehr als 5000 Tier- und Pflanzenarten und rund 3000 Obstsorten sind allein in Deutschland auf solchen Standorten nachgewiesen. Im Norden sind es nicht ganz so viel, aber, so unterstreicht Steiner. „Jede Gemeinde sollte solch eine Fläche als Ausgleichsmaßnahme anlegen. Damit werden höchste ökologische Ansprüche erfüllt.

Sinnvoll ist es aber nur, wenn dort hochstämmige Obstbäume gesetzt werden. Sie sollten erst in 1,80 Meter höhe eine Krone bilden, denn nur dann können sie später mit ihren typischen Astlöchern auch seltenen Höhlenbrütern eine Heimat bieten, etwa dem Steinkauz und verschiedenen Spechtarten.

Und unbedingt Kosten würden den Gemeinden auch nicht entstehen. Es gebe, so sagt Steiner, verschiedene Förderprogramme, so das eine Nachfrage immer sinnvoll sei. Und was für die Kommunen gilt, dass trifft auch auf privat angelegte Obstwiesen zu. „Wir sind gern bereit zu beraten und auch dort kann oftmals eine Förderung in Anspruch genommen werden“, sagt der Experte der Naturschutzorganisation.

Dabei muss es nicht unbedingt eine große Fläche wie in Schwabstedt sein. Auch eine kleinere erfüllt in einer Ortsrandlage eine wichtige Funktion, weil dort viele Tiere eine Heimat finden, die sie in der durch die Landwirtschaft ausgeräumten Landschaft sonst nicht hätten. Doch eine Streuobstwiese ist viel mehr als nur ein Biotop vor der eigenen Haustür, das zudem auch noch von Nutzen für die Bevölkerung ist. Sie auch zu einer wertvollen Genbank werden. Nur ein Bruchteil der alten heimischen Apfelsorten sei nämlich bislang erfasst. Das letzte Zusammentragen der Daten fand nämlich in den 1960-Jahren statt. „Und gerade die alten Sorten, die vielfach schon in Vergessenheit geraten sind, können sehr wichtig sein, denn sie sind an das Klima in der Region angepasst. Sie widerstehen dem Wind, halten Trockenheit und salzhaltige Luft aus“, sagt der Nabu-Experte. Um diesen Pflanzenschatz zu erhalten und zu erfassen, arbeitet Steiner mit Pomologen (Apfelfachmann) zusammen. Daher bittet er auch alle Obstbaumbesitzer die eine alte Apfelsorte besitzen und deren Namen nicht kennen, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Gegebenenfalls könne die Sorte von einem Pomologen festgestellt werden und dann auch Reiser geschnitten werden. Viele Baumschulen im Land würden zudem die Reiser pfropfen, so dass auch alte Sorten wieder marktfähig gemacht werden können.

Allen Gemeinden rät Steiner über die Anlage einer Streuobstwiese als Ausgleichsmaßnahme nachzudenken. Gern dürfen die Verantwortlichen und auch Privatleute Kontakt zu ihm aufnehmen, denn auch mittlerweile bedrohte, einst häufig vorkommende Tierarten, wie etwa Steinkauz, Schleiereule, Fledermäuse und Schmetterlinge sowie Wildbienen finden dort einen Rückzugsraum. Kontakt: Frank Steiner, Telefon 04822/8398.

zur Startseite

von
erstellt am 17.Jun.2016 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen