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Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 05:06 Uhr

Serie Zeitsprünge in Bredstedt : Wo einst der Adel residierte

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Früher ging im Haus der Landvögte an der Osterstraße die Oberschicht ein und aus. Heute befinden sich dort das Diakonische Werk, der Welt-Laden und die Tafel.

Der Verein für Bredstedter Geschichte und Stadtbildpflege hat etwa 20 Gebäude und Stätten in der Stadt mit Erläuterungstafeln versehen, die auf deren stadtgeschichtliche Bedeutung hinweisen. In unserer Serie „Zeitsprünge“ stellen wir in unregelmäßigen Abständen einige davon vor, zeigen ein historisches und ein aktuelles Foto. Heute: das Haus der Landvögte.

 

Auf den ersten Blick hat die historische Aufnahme des Hauses an der Osterstraße 65 relativ viel Ähnlichkeit mit der aktuellen Ansicht. Doch das täuscht – es handelt sich um zwei unterschiedliche Gebäude. Im Jahr 1936 entstand ein kompletter Neubau auf dem Grundstück, wo einst das Haus der Landvögte stand. Dabei hat sich der damalige Architekt, der Flensburger Guido Widmann (der auch für die Erweiterung der Sparkasse verantwortlich war), allerdings ganz bewusst am ursprünglichen Gebäude orientiert. In seinem Bauantrag heißt es: „Das Äußere des Neubaus lehnt sich in seinem Aufbau an das Wohnhaus, welches auf demselben Platz gestanden hat und abgebrochen wurde, an. Die gute Form des alten Bürgerhauses mit den bodenständigen Merkmalen der steilen Walme des Daches und des Mittelgiebels mit besonderer Eingangsbetonung wird besonders gewürdigt.“

Der Bau auf dem historischen Foto stammt aus dem Jahr 1743. Errichtet wurde dieser vom Landschreiber Lorenz Jacob Clausen. Sein Familienwappen, das ursprünglich in das Portal eingesetzt war, befindet sich heute an der Westseite des Gebäudes. Nach Clausen wohnten noch einige Landvögte, hohe Beamte, Deichgrafen und Adlige dort, die dem Haus seinen Namen gaben. Von 1762 bis 1768 lebte beispielsweise der damalige Kammerjunker, Landvogt und Deichgraf Baron von Brockdorf an der Osterstraße 65. Bis 1778 hat Geheimrat, Kammerherr und Ritter von Danebrog, Landvogt Christian Adam von Kleist, dort gewohnt, später folgten der Kammerherr und Besitzer des adligen Gutes Lindewitt, Gustav Gotthard von Blücher (bis 1799), und der königliche Landvogt Friedrich August Adler (bis 1844).

Ab 1854 ersetzten dann Geschäftsleute den Adel. Bis 1854 war zunächst der Postmeister und Kriegsassessor Johann Martin Magnussen Besitzer des Hauses an der Osterstraße, dann wurde es von Jes Jacob Jessen übernommen. Wahrscheinlich bis zu seinem Tod im Jahr 1902 führte er dort eine Weinhandlung – auf der Aufnahme aus dem Jahr 1905 ist auch noch der Schriftzug des Geschäfts über dem Haupteingang zu lesen. Damals war es allerdings bereits an seinen Sohn Paul Jes Jessen übergegangen, der es bis 1920 als Praxisräume an den Arzt Dr. Richard vermietete. Der letzte Eigentümer vor dem Abriss war wohl Luigi Toffolo, der dort bis 1934 ein Terrazzogeschäft führte.

Den Auftrag für den Neubau gab der Zahnarzt Adolf Fritz Hemleb, der dort seine Praxis einrichtete und bis 1973 unterhielt. Bis 1988 lebte seine Witwe noch im Haus, dann verkaufte sie es an Jörg Bohnenkamp, der es mit mit Städtebauförderungsmitteln renovierte und dort bis 2006 eine Buchhandlung betrieb. Anschließend stand es eine Zeit lang leer.

2008 übernahm es die Goldelunderin Helga vom Schemm-Becker. Sie ließ es erneut komplett sanieren – „um den ursprünglichen Charme des Gebäudes wieder herzustellen. Wir haben alles erhalten, was man erhalten konnte“, sagt sie. Außerdem wurde der Garten dahinter wieder hergerichtet. Ursprünglich sollten Wohnungen entstehen, doch dann wurde vom Schemm-Becker von Verantwortlichen des Diakonischen Werks angesprochen, berichtet sie. Diese waren gerade auf der Suche nach neuen Räumen in Bredstedt. Seitdem nutzt der soziale Dienst den Großteil des Gebäudes. In die Geschäftsräume der ehemaligen Buchhandlung zog die im selben Jahr gegründete Bredstedter Tafel ein, später auch der Welt-Laden, mit dem sich die Tafel den Raum teilt.

Hier geht es zu den beiden weiteren Teilen der Serie:

„Die Zierde des Fleckens“ – Das Rathaus in Bredstedt.

Als der König in Bredstedt nächtigte

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erstellt am 11.Okt.2016 | 15:00 Uhr

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