zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 01:10 Uhr

Mit Rollator durch Garding : Wo das Weiterkommen abrupt endet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bürgertreff Garding hatte zum Rollator-Rundgang eingeladen. Trotz bereits erfolgter Maßnahmen gibt es noch Hürden im Stadtgebiet.

Es ist still in Garding. Rund um die Kirche ist gegen 19 Uhr nicht mehr viel los. Die Bürgersteige sind hochgeklappt, die Sonne geht bald unter. Der Herbst ist da. Nur im Restaurant „Europa“ ist noch Betrieb. In wenigen Minuten startet dort ein Stadtrundgang der anderen Art. Der Bürgertreff Garding hat zum Rollator-Rundgang geladen.

Obwohl viel saniert wird, gibt es jede Menge Stolperfallen in der Stadt – und die machen einigen Einwohnern das Leben schwer. In der 2700-Einwohner-Gemeinde leben viele ältere Menschen, die auf Gehhilfen oder Rollstühle angewiesen sind. Doch an diesem Abend ist davon niemand da. Der Termin um 19 Uhr sei vielen zu spät gewesen, lautet schnell die Kritik. „Früher ging es nicht, da viele arbeiten“, erklären die Initiatoren des Bürgertreffs, Elke Rieck und Volker Ketels. Dafür sind Eltern mit Kinderwagen gekommen. Auch Bürgermeisterin Andrea Kummerscheidt und der Bauausschussvorsitzende Bernd Petersen laufen mit. Der Rundgang soll die „Hotspots“ aufzeigen, die Orte, wo Bordsteine zu hoch und Durchgänge zu schmal sind oder abgesenkte Übergänge fehlen. Die Idee hinter der Veranstaltung: Die Politik für das Thema zu sensibilisieren. Und das funktioniert. „Der Bürgertreff ist eine gute Sache. So wird mal der Finger in die Wunde gelegt“, sagt Andrea Kummerscheidt. Man sehe die Stadt mit anderen Augen.

Zwei Routen stehen im Fokus des Abends – eine zur Nahversorgung in Richtung B 202 und eine in Richtung Friedhof. Es gibt überall kleinere und größere Probleme, die der Barrierefreiheit Steine in den Weg legen. Den ersten Halt macht die insgesamt zwölfköpfige Gruppe bereits nach wenigen Metern an der Ecke Johannisstraße. Schräge Bordsteinkanten, Kopfsteinpflaster, schmaler Bürgersteig: Eine problematische Situation für jemanden mit Rollator. Ein paar Meter weiter der nächste Stop. Am Markt zwischen Enge Straße und Wörpelweg gibt es zwei neue Behindertenparkplätze, doch eine Absenkung des Bordsteins fehlt. Das ist ein Problem“, sagt Ketels. Anwohner Arne Hoffmann probiert es mit dem Rollator. Er hat die Kraft, den Gehwagen die Kante hochzuhieven. Doch nicht alle sind dazu in der Lage. „Die Kassenmodelle sind schlecht“, sagt er. „Damit ist es schwerer, eine Kante hochzukommen.“

Im Wörpelweg diskutiert die Gruppe dann über zwei Absperrbügel am schmalen Durchgang Richtung B 202. Mit Kinderwagen oder Rollstuhl ist dort kein Durchkommen möglich. Ausweichmöglichkeit bietet der Parkplatz nebenan. Petersen schlägt vor, den Abstand zwischen den Bügeln zu vergrößern. Die Gruppe zieht weiter. In der Fischerstraße ist baulich kaum etwas zu machen. Dort ist der Fußweg teils nur 40 Zentimeter breit. „Die Straße ist mittlerweile schon eine Einbahnstraße. Mehr geht nicht“, sagt Petersen mit Blick auf die historische Bebauung. Kritik gibt es auch in der Norderstraße. Diese sei 2014/2015 nur „halbherzig“ saniert worden, sagt Anwohner Wolfgang Weilhartz. Es gibt keine Querung – von der Einmündung in den Mückenberg abgesehen. Am Norderring ist die Verlegung des Fußgängerweges vor die neu installierten LED-Laternen bereits in Planung. Auch zwischen Theodor-Mommsen-Schule, Kindergarten und Martje-Flohrs-Haus geht es voran. Dort entsteht derzeit ein Mehrgenerationenplatz. Auch für eine Rampe mit Zwischenpodest ist der Baustart noch 2016 geplant. Sie soll die Treppe zwischen Schule und Martje-Flohrs-Haus ersetzen. In der Gartenstraße stellt Petersen eine Erneuerung des Gehwegs in Aussicht. Auch ein Schlagloch wird angeprangert. „Da sag ich gleich morgen Bescheid“, so das Stadtoberhaupt.

Am Ende der Runde stehen viele Anregungen auf Petersens Liste. „Solche Treffen bauen Hemmnisse ab, man kann über die Probleme mal in lockerer Runde sprechen“, sagt er. Der Rundgang durchs Zentrum zeige natürlich nur ein paar Punkte auf, es gebe wesentlich mehr. Im Bauausschuss werden einige der Probleme Thema sein. Vielleicht hat Garding dann künftig ein paar Ecken und Kanten weniger.

zur Startseite

von
erstellt am 25.Sep.2016 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen