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Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 12:59 Uhr

Aberkennung : Wittbek: Adolf Hitler verliert Ehrenbürgerschaft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Vereinigung „Gegen Vergessen. Für Demokratie“ erinnert Wittbek an ein dunkles Kapitel. Die Gemeinde und das Amt hielten es eigentlich für längst abgeschlossen.

Ist Adolf Hitler noch Ehrenbürger der Gemeinde Wittbek (Kreis Nordfriesland)? Nach Einschätzung der überparteilichen und bundesweit vertretenen Vereinigung „Gegen Vergessen. Für Demokratie“, ist das so. Der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Nordsee-Treene, Claus Röhe, sieht das allerdings ganz anders: „Nach unserer Rechtsauffassung erlischt die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod. Daher brauchen wir uns eigentlich auch nicht mehr mit dem Thema zu befassen.“ Die Vereinigung hatte unter anderem Wittbeks Bürgermeister Johannes H. Jürgensen mit der ihrer Ansicht nach noch bestehenden Ehrenbürgerschaft des Diktators konfrontiert.

Erst im Dezember enthüllten Schüler im Kreis Pinneberg im Rahmen eines Projektes, das Adolf Hitler noch immer Ehrenbürger der Stadt Uetersen ist. Belege für die Aberkennung fehlen. Die Politik beschäftigt sich mit dem Thema. Hitler hat die Ehrenbürgerschaft in 4000 Städten erhalten. Einige Städte haben verstorbenen Machthabern die Ehrenbürgerschaft posthum wieder aberkannt.

„Da gab es überhaupt keine Diskussion, wir sind uns alle einig. In der nächsten Gemeindevertreter-Sitzung werden wir daher noch einmal formell die Ehrenbürgerschaft aberkennen“, sagt Jürgensen auf Nachfrage der Husumer Nachrichten. Darüber habe es keine zwei Meinungen gegeben. „Ich bin sicher, dass es kaum noch Menschen in Wittbek gibt, die wissen, dass Adolf Hitler einmal Ehrenbürger der Gemeinde gewesen ist“, sagt er.

Bürgermeister Johannes H. Jürgensen will die Sache so schenll wie möglich vom Tisch haben.
Bürgermeister Johannes H. Jürgensen will die Sache so schenll wie möglich vom Tisch haben. Foto: ume
 

In der öffentlichen Gemeindevertreter-Sitzung am Donnerstag, 2. Juni, will Jürgensen dann offiziell die Ehrenbürgerschaft aberkennen lassen. Er selbst ist, wie Claus Röhe vom Amt, der Ansicht, dass sie eigentlich schon längst erloschen ist.

Erstmals davon gehört habe er vor etwa zwei Jahren durch einen Bekannten, der dies im Internet herausgefunden habe. Doch dies sei für ihn aus genanntem Grund kein Anlass gewesen, in irgendeiner Weise tätig zu werden. Erst durch die Kontaktaufnahme der Vereinigung „Gegen Vergessen. Für Demokratie“ habe er sich wieder mit dem Thema befasst. Nach Einschätzung der Vereinigung, erlischt nämlich die Ehrenbürgerschaft nicht automatisch mit dem Tod.

Amtsvorsteher Ralf Heßmann zeigte sich überrascht, dass es die Ehrenbürgerschaft noch gibt, gleichzeitig aber auch erleichtert, dass die Gemeinde sie ohne jede Diskussion offiziell aberkennen will.

Hitler soll die Ehrenbürgerschaft des Dorfes Wittbek angenommen haben, weil die Gemeinde fünf Mal hintereinander mit allen Stimmen für die NSDAP gestimmt habe.

Auch die Gemeindevertretung Helgolands hat auf entsprechenden Antrag der SSW-Fraktion in ihrer Sitzung am 27. April 2016 einstimmig beschlossen, die am 10. Juni 1936 verliehene Ehrenbürgerschaft für Adolf Hitler posthum mit sofortiger Wirkung abzuerkennen.

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erstellt am 29.Apr.2016 | 07:00 Uhr

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