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Umfrage unter Jugendlichen : Feiern in Husum: „Wir suchen dieses Großstadt-Flair“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Jugendliche erzählen, wie sie feiern gehen, was ihnen fehlt und warum es für sie problematisch ist, dass das Sturm & Drang schließt.

Was es bedeutet, wenn eine von zwei Husumer Diskotheken schließt, können Redakteure mittleren Alters nur grob ermessen. An so ein Thema muss die Praktikantin ran: Jacqueline Adechi (18) aus Bredstedt besucht das Berufliche Gymnasium in Husum und hat sich fürdie Husumer Nachrichten bei ihren Altersgenossen und den Club-Betreibern umgehört.

Mit der Schließung des Clubs Sturm & Drang verliert Husum eines seiner beliebtesten Lokale. Das ist für die Jugendlichen recht unglücklich. Die Möglichkeiten für junge Menschen, in Husum und Umgebung am Wochenende feiern zu gehen, sind ohnehin begrenzt. Ein Problem, das auch in anderen Orten Schleswig-Holsteins bekannt sein dürfte.

Ein Stimmungsbild:

Frederic Ferrazzi (18): „Ich finde, dass es hier in unserer Umgebung ein sehr kleines Angebot für Jugendliche zum Feiern gibt.“

Mara Dethlefsen (18): „Ich gehe hauptsächlich in Husum feiern, weil sich dort durch die Schule mein größter Bekanntenkreis befindet. Vor zwei Jahren bin ich grundsätzlich in die Nachtschicht gegangen, weil mich die Musik angesprochen hat und meine Freunde auch dort waren. Außerdem war der Eintritt bis zu einer bestimmten Uhrzeit meistens frei. Das war einfach cool. Mit der Zeit habe ich dann das Interesse an der Nachtschicht verloren, weil die unteren Jahrgänge nun auch dorthin gegangen sind. Das gefiel mir nicht, weil ich nicht mit den Jüngeren aus meiner Schule feiern wollte. Im Sturm & Drang waren wieder mehr Leute in meinem Alter und auch Ältere. Dass der Club nun schließt, finde ich wirklich schade.“

Bahne Beliaeff (18): „Das ist einfach nur problematisch. Das ist eine der wenigen Discos hier, die auf ihre Gäste geachtet hat und auf sie zugegangen ist, insbesondere auf uns Schüler. Dort wurden wir gefragt, was wir uns wünschen. Die wirklich gut besuchten Abimotto-Partys, die dort stattgefunden haben, gehen für die nachfolgenden Jahrgänge verloren, das finde ich bedauerlich, denn die waren wirklich besonders. Hier in Nordfriesland feiern zu gehen, ist wirklich monoton. Man sieht immer wieder dieselben Leute, und es gibt leider immer dieselben Partys, denn wenn eine Party gut lief, wird sie solange wiederholt, bis keiner mehr daran teilnehmen möchte.“

Frederic Ferrazzi: „Nun müssen wir uns eine Alternative suchen, das ist gar nicht so einfach. In unserem Alter ist es so, dass es ganz stark darauf ankommt, welche Altersklasse wo feiert. 16 - bis 17-Jährige haben eine andere Art zu feiern. Sie trinken mehr, um einen guten Abend zu haben. Älteren geht es eher darum, bei guter Stimmung und guter Musik zusammen zu sein und auch mal neue Leute kennenzulernen. Letzteres ist gar nicht so einfach: Viele Leute kommen gar nicht nach Husum zum Feiern, sondern fahren lieber nach Schleswig, Flensburg oder Kiel.“

Bahne: „Und genau das ist der Punkt, wir suchen dieses Großstadt-Flair. Das reizt uns. Wir möchten mal etwas Ausgefallenes sehen, damit wir wissen, wofür wir eigentlich bezahlen. Wir alle haben unsere 450-Euro-Jobs und echt keine Lust, Geld für Partys auszugeben, bei denen wir nach einer Stunde wieder nach Hause gehen, weil dort einfach keine Stimmung herrscht.“

Frederic: „Zeltfeste gibt es hier ja auch noch. Das ist nicht so mein Ding. Aber beliebt: An den Wochenenden, an denen in Wittbek oder Arlewatt Zeltfeste stattfinden, ist sonst nirgends etwas los. Die meisten Diskotheken haben an diesen Wochenenden sogar geschlossen.“

Bahne: An diesen Wochenenden bleibt uns eigentlich nur übrig, bei Freunden privat zu feiern. Bei solchen Partys haben wir immer eine Stimmungsgarantie.“

Finja Bienemann (17): Ich finde, dass Jugendliche hier schon auf Zeltfeste angewiesen sind. Mir ist es nicht wichtig, neue Leute kennenzulernen, deshalb gehe ich lieber dort hin, wo meine Freunde sind. Im Töff ist beispielsweise viel los, und meine Freunde verbringen ihre Zeit auch dort. Das sorgt für Stimmung. Manchmal fahre ich mit Freunden auch woanders hin, um zu feiern, weil die Veranstaltungen dort neu sind. Zuletzt war ich auf der Air-Beat-One-Clubtour, das war mal etwas ganz anderes. So etwas gibt es hier bei uns gar nicht, und das finde ich schade.

Frederic:
„Wir würden uns wünschen, dass es ein breiteres Angebot für Jugendliche gibt und ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis, damit wir gerne und öfter in der Umgebung auf Partys gehen.“

Und was sagen die Club-Betreiber dazu?

Das Heizwerk in Bredstedt wäre theoretisch auch eine Möglichkeit, feiern zu gehen. Doch keiner der Jugendlichen, mit denen wir uns unterhalten haben, war jemals da. Betreiber Mike Eichhorn ist das nicht unrecht: Das Zielpublikum des Heizwerks seien Personen ab 21 Jahren, die „Cliquen-Wirtschaft“, die bei Jugendlichen bestehe, sei nicht erwünscht. Jugendliche würden eher für Probleme sorgen als ein älteres Publikum. Sie hätten ja die Möglichkeit, auf Diskotheken wie die Nachtschicht und das Töff auszuweichen, meint Eichhorn. Ob das Heizwerk durch den Verkauf der Immobilie vom Sturm & Drang sein Programm nun ändern werde, sei eine gute Frage, über die er sich allerdings noch keine Gedanken gemacht habe.

Der Betreiber des Sturm & Drang, Marc Hielscher, kündigte an, dass man sich bemühe, eine neue Immobilie für den Club zu finden. Das sei aber gar nicht so einfach. Auch Abimotto-Partys soll es zukünftig wieder geben, wenn sich eine geeignete Location findet.

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erstellt am 15.Apr.2017 | 16:00 Uhr

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